Ben Schadow im Interview

Ben Schadow.
Ben Schadow.

Meine erste Begegnung mit Ben? Tja. Damals bin ich frisch nach Hamburg gezogen & wohnte übergangsweise bei einer Freundin. Irgendwann schrieb mich jemand an: „Ey! Ben Schadow, der Bassist von Bernd Begemann, sucht einen neuen Mitbewohner. Versuch es doch mal!“ Gesagt, getan. Kontakt hergestellt und Tage später saßen wir in seiner Küche. Ich drohte ihm am Ende an: Wenn du mich nicht nimmst, dann musst du zum Interview ran! Und jetzt ratet, wer die zwei Zimmer nicht bekommen hat! Richtig! Aber gut für euch, sonst könntet ihr jetzt nicht dieses Interview lesen! Ha!

Du kommst eigentlich aus Lingen, was hat dich nach Hamburg gezogen?

Genau! Das liegt an der holländischen Grenze. Groß geworden bin ich aber in Glückstadt. Das liegt ca. 50 km von Hamburg entfernt. Ich bin mit meiner damaligen Freundin hergezogen und habe hier Theologie studiert. Mich hat also das Studium nach Hamburg gezogen.

Und was gefällt dir an dieser Stadt?

Alles! Hamburg ist für mich die Stadt, in der ich nach Hause kommen kann. Wenn ich in die Stadt rein fahre, fühle ich einfach, dass ich hierhin gehöre. Dieses Gefühl habe ich in keiner anderen Stadt.

Also könntest du es dir nicht so gut vorstellen, irgendwo anders zu wohnen?

Für ein paar Jahre vielleicht. Aber es würde mich wohl immer wieder nach Hamburg ziehen.

Wie fing das bei dir mit der Musik an?

Ganz früh: Mit 7 Jahren habe ich angefangen Cello zu spielen. Mit 11 war ich der größte Beatles-Fan der Stadt und mit 12 habe ich meine erste Band gegründet.

In welche Richtung ging es denn damals?

Wenn ich mir das heute anhöre, fällt es mir schwer das überhaupt festzustellen. Das war einfach Scheiße! [lacht]

War es schon immer dein Traumberuf, Musiker zu werden?

Ja, auf jeden Fall! Obwohl… Nein,  bevor ich in die Pubertät kam, wollte ich gerne Naturforscher werden. Da habe ich mich noch nicht für Musik interessiert.

Und wo würdest du dich heute sehen, wenn du diesen Weg nicht eingeschlagen hättest?

In der Gosse! Möglicherweise bin ich zu faul ein reguläres Arbeitsleben zu führen. Das klappt einfach nicht gut. Ich habe es einige Male mit ordentlichen Jobs probiert, muss aber sagen, dass ich immer von vorne bis hinten unzufrieden war. Das ist einfach nichts für mich.

Seit wann bist du Teil von Bernd Begemann und die Befreiung? 2003?

Ja, das kommt etwa hin. Bernd kannte ich allerdings bereits ein Jahr vorher. Vor unserem ersten Auftritt hatten wir musikalisch schon relativ viel miteinander zu tun.

Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Auf einem Konzert meiner vorletzten Band: Les Garcons. Er hat mich hinterher gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihm eine Band zu gründen. Ich sagte “Ja” und daraufhin ist erstmal nichts passiert. Wir haben uns dann zufällig in einem Club wieder getroffen. Er  fragte, ob wir nicht mal proben wollen. Und so fing das an.

Wie würdest du jemanden Bernd Begemann beschreiben, der ihn nicht kennt?

[schelmisches Grinsen] Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: Ein dicker Narzisst. Wenn ich nett wäre, würde ich sagen: Der allerbeste Alleinunterhalter der ganzen Welt!

Ob nun mit Bernd Begemann oder mit deinen Soloprojekten. Getourt wurde immer! Gab es auch irgendetwas, was Mal nicht so gut lief?

Ich habe ein paar Konzerte gespielt, auf die ich nicht wirklich stolz bin. Mit Bands, auf die ich nicht stolz bin. Es gab da zum Beispiel einen extremen Fall… Eine in den 80ern relativ erfolgreiche Band, die Anfang der 90er noch einmal wissen wollte, ob irgendetwas geht. Die hatten keinen Bassisten und so bin ich mit auf  Tour gefahren. Ich wäre fast gestorben! Das bewegte sich alles im sehr dunklen Wave-Bereich, mit Lack und Leder tragenden Persönlichkeiten im Publikum. Weil ich das albern fand, stand ich immer im Cowboykostüm auf der Bühne, was denen natürlich überhaupt nicht gefallen hat. Es gab fast täglich Krawall deswegen. Das ist schon ziemlich schief gelaufen.

Und gab es auch mal irgendein negatives Konzerterlebnis mit Bernd Begemann?

Da muss ich mal kurz überlegen… Ich hatte einen Autobahn-Autounfall und konnte nicht am Konzert teilnehmen. Das war bis jetzt das erste Konzert, das ohne mich stattfand. Ziemlich negativ.

Du hast jetzt auch wieder ein Soloprojekt am Start. Wie kam es dazu?

Ich habe ja schon immer Songs geschrieben und hatte auch schon immer eigene Bands. Mit 17 hatte ich schließlich das erste Mal eine Band, die etwas erfolgreicher wurde. Dernameistsolangdenkannsichehkeinschweinmerken hieß die. Den Namen hast du wahrscheinlich noch nie gehört, weil du viel zu jung bist und das lange vor deiner Zeit war. Das war auch das erste Mal, dass sich ein großes Label für meine Musik interessiert hat. Es wurden ein paar Platten rausgebracht und auf einmal kamen 400 bis 500 Leute zu den Konzerten. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass das alles so nicht für mich funktioniert. Zwar habe ich nach wie vor eigene Projekte, gehe aber immer weiter davon weg mit größeren Firmen zu arbeiten.

Wo und wann fand denn das erste Konzert statt?

Das ist noch gar nicht so lange her. Im März haben wir in einem ganz kleinen Laden in Düsseldorf gespielt und es war toll! Das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Und wie sieht es mit einem Album aus? Ist irgendetwas geplant?

Ich bin momentan bei keinem Label und werde es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht sein. Es gibt zwei kleine Plattenfirmen, die das Album eventuell rausbringen würden, aber ehrlich gesagt sehe ich keinen Sinn darin… Also überlege ich, die Platte alleine zu veröffentlichen und mir einfach einen Vertrieb zu suchen. Bis Mitte des Jahres möchte ich das geschafft haben. Vorher wird es eine Split-EP geben, wo jeweils 3 Songs unserer gemeinsamen Band drauf sind. Ich weiß nicht, ob du das mitbekommen hast: Ich und Pele haben quasi die gleiche Band.

Ja, dazu hatte ich mir auch schon etwas notiert. Wie kam es denn dazu?

Die Pele Caster Band und die Ben Schadow Band haben nicht nur im gleichen Studio aufgenommen, sondern alle Bandmitglieder haben an beiden Alben mitgearbeitet. Insofern lag es Nahe, dass wir zwei Bands in einer bleiben: Einmal ist Pele der Frontmann und einmal bin ich es. Wir kannten eh schon alle Lieder, mögen uns gerne und haben viel Spaß daran, gemeinsam Musik zu machen. Es wäre totaler Quatsch gewesen, sich neue Bandmitglieder zu suchen.

Wie sieht das bei dir mit den Texten aus? Kümmerst du dich alleine darum oder mit der Band zusammen?

Nee, das mache ich alleine. Aber ich denke, dass ich mir durchaus reinreden lassen würde, wenn ich nur wüsste von wem. Mit dem Texten ist es manchmal schwierig: Gelegentlich fühlt man sich etwas alleingelassen, weil es so wenig Feedback während des Schreibprozess gibt. Zwar gibt es immer wieder Leute die einem sagen, was ihnen an Liedern gefällt, aber selten kommt man dahin festzustellen was genau das ist. Warum findet zum Beispiel die Person etwas gut und etwas anderes nicht? Soetwas kann man nicht wirklich einplanen. Aber irgendwie muss es anscheinend genauso sein. Ich meine, du bist Journalistin. Du schreibst ja auch, weil du den Drang dazu hast etwas einzufangen und aufzuschreiben. Man schreibt etwas und guckt, ob davon dann irgendetwas bei irgendjemandem ankommt. Natürlich fände es schön, wenn da jemand wäre, der über die Texte guckt und sagt, dass ich vielleicht auch dieses und jenes anders machen könnte.

Kommen wir wieder kurz zurück zum Album: Macht man sich viele Gedanken, ob die Platte gut ankommen wird? Hast du in der Richtung irgendwelche Ängste?

Ich verrate dir einen Trick: Erwarte nie irgendetwas und verlasse dich auf Niemanden! Das hat mir geholfen, die meiste Zeit sehr zufrieden zu sein. Ich erwarte echt gar nichts. Ich glaube nicht, dass das Album viele Leute interessieren wird, aber das ist mir egal! Wenn es in jeder Stadt nur 15 Leute gibt, die das mögen, bin ich schon zufrieden.

Was bedeutet für dich Musik?

Das ist eine schwierige Frage… [überlegt kurz] Gerade eben habe ich zum ersten Mal zu Hause die Platte von Fanfarlo gehört. Ich kannte die Band nur vom Namen und dachte, dass es wieder eine dieser neuen englischen, langweiligen Bands wäre und ich mir das nicht anhören muss. Aber ich habe dann doch reingehört und fand es grandios! Diese Band hat mir den Tag gerettet. Musik ist in der Lage, allen das Leben schön zu machen.

Was war der größte Blödsinn, der über dich erzählt wurde?

Abgesehen von dem Blödsinn, den ich über mich erzähle… [lacht] Es gibt bestimmt einige Sachen. Gibst du mir eine Minute Bedenkzeit?

Ich gebe dir auch zwei Minuten!

[überlegt] Ich weiß es ehrlich gesagt gerade nicht. Aber ich überlege noch etwas weiter.

Mit was kann man dich auf die Palme bringen?

Mit Alkohol-Aggression. Das ist wirklich das Dümmste: Wenn jemand aggressiv wird, weil er getrunken hat. Das kann ich überhaupt nicht leiden. Ansonsten gibt es da nicht viel. Ich glaube, ich kann viel aushalten.

Welche Tipps würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die vorhaben, Musiker zu werden?

Jetzt hast du indirekt gesagt, dass ich alt bin! Hört nicht nur Musik aus den letzten fünf Jahren. Hört euch alles an Musik an, was jemals geschrieben und aufgenommen wurde. Versucht nicht so zu klingen wie es gerade modern ist. Das nervigste an Musik ist für mich, wenn sie auf eine Linie zusammenschrumpft. War das jetzt grammatikalisch korrekt? Aber du weißt ja, was ich meine! Wenn nicht, dann kannst du irgend so eine Kokssache daraus basteln.

Nehmen wir an, du würdest zu einer Castingshow gehen: Welchen Song würdest du zum Besten geben?

Ich würde dort nicht mitmachen! Mir würde man dann sagen, dass ich außer Gitarre spielen nichts kann. Ich bin kein guter Sänger. Ich habe auch nicht die Bühnenpräsenz, die dort gefordert wird. Bei diesen Shows geht es nur darum einen “Interpreten” zu finden: Jemanden, der für drei Minuten in eine Rolle schlüpfen und diese gut verkaufen kann. Beim “richtigen Musikmachen” geht es darum etwas zu erzählen. Nicht als Interpret, sondern aus dem eigenen Inneren heraus. So sehe ich das. Deshalb würde ich dort nie mitmachen.

Auch wenn du dort nie mitmachen würdest, interessiert es mich doch schon, welcher Song in Frage käme…

Across the Sea von Weezer!

Stichwort Flimmerfreunde: Wie kam es dazu?

Wir hatten bereits vorher einen Podcast unter dem Namen Ohrensessel. Gestern Nacht haben wir unsere 200. Sendung aufgenommen, die nun unter dem Namen Flimmerfreunde weiter existiert. Universal Pictures hat damals Bernd angefragt, ob er nicht Lust hätte einen Filmpodcast zu machen. Bernd wollte gerne, aber nicht alleine sondern zu dritt. Wir hatten allerdings nie ein richtiges Konzept. Unsere anfänglichen 12 Minuten-Sendungen wurden immer länger und beliebter. Plötzlich hatten wir knapp 70 000 Abonnenten. Komische Firmenstrategien und Dollarzeichen in den Augen der Industrie zwangen uns dann zu unserem neuen Namen.

Hört ihr euch das dann vorher noch einmal an?

Ich höre mir die Sendungen zwangsweise nochmal an, weil ich die Podcasts schneiden und hochladen muss. Ich weiß, dass es oft Momente gibt, die man eigentlich raus schneiden müsste. Irgendwie hat es sich aber eingeschlichen, dass ich doch das meiste drinlasse, weil es schließlich auch genauso gesagt wurde. Vieles ist politisch unkorrekt und geht unter die Gürtellinie. Ich glaube aber genau weil wir teilweise so groben Unfug reden, ist der Podcast so beliebt.

Kehren wir nun noch schnell zu der Frage zurück, welcher Blödsinn mal über dich erzählt wurde…

Es gibt irgendwie keine Person, die ohne Grund schlecht über mich geredet hat. Auf jeden Fall kann ich mich nicht daran erinnern. Was auch daran liegen kann, dass ich gut im Verdrängen bin. Deshalb kann ich dir die Frage nicht beantworten.

Das war es auch schon. Vielen Dank!

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