„Ich inszeniere nur ungern…“ Interview mit Miroslav Menschenkind…

Foto: www.mocean-pictures.de
Foto: http://www.mocean-pictures.de

…von m.ocean pictures! Er begleitete die Band Herrenmagazin, als diese einen Auftritt auf dem „Bunkerdach“ in Hamburg hatten. So war er also auch mit seiner Kamera dabei, als ich das kleine Interview mit dieser unheimlich sympatischen Band hatte. Nachdem dieses beendet war, drückte er mir seine Karte in die Hand.  Am nächsten Tag schaute ich mich auf der Homepage um & entdeckte wirklich sehr sehr schöne Bilder. Nicht nur von irgendwelchen Bands, sondern auch von Tieren, Bauwerken & Sportlern. Ausdrucksstark. Mit der Liebe zum Detail. Also ich bin Fan! Aber nun lassen wir Miroslav zu Wort kommen & ganz zum Schluss gibt es auch zwei Personen, die etwas über den Fotografen zu sagen haben!

Seit wann gibt es m.ocean pictures und wie ist es dazu gekommen?

Der Name ist im letzten Jahr entstanden, mich als Fotograf gibt es schon etwas länger. Es war an der Zeit einen Schritt weiterzugehen und dem Kind einen Namen zu geben. Ich hätte es natürlich auch bei meinem Namen belassen können, aber ich habe mich noch nie gern in den Vordergrund gestellt.

Wie kam es zum Namen?

Er verbindet meine Liebe zum Meer ohne dass ich nicht sein könnte und die Bewegung in allen Dingen.

Wie viele Mitarbeiter gibt es?

Es ist eine Onemanshow. Ich tausche mich mit befreundeten Fotografen aus und wir unterstützen uns wo wir können. Aber am Ende bin es aktuell nur ich.

Welche Fotos kann man auf deiner Homepage sehen?

Ich komme eigentlich aus dem Sportbereich. Im Jahr 2009 ist mein Buch „Hamburg away“ über die Fanszene des HSV erschienen und ich mache viele Bilder beim Profiboxen.

Auf meiner Homepage gibt es sieben Bereiche. Der Schwerpunkt liegt bei Sport und Musik (backstage). Darüber hinaus Bauwerke, animals, roadtrip, mixtape und natürlich seaside mit Bildern vom Meer und dem Drumherum. Im Bereich Musik/backstage findet man neben den klassischen Bühnenbildern meine Backstage Stories, die etwas mehr von den Bands zeigen, als den Bühnenalltag.

Die Bilder sind immer meine Sicht der Dinge und treffen nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Gerade im Bereich animals habe ich für mein Album streetanimals sehr geteilte Reaktionen erhalten. Immerhin haben sie einem großen Fernsehsender gefallen und das war dann Lob genug.

Es handelt sich um dokumentarische Bilder, die das zeigen was da ist. Ich inszeniere nur ungern und arbeite lieber aus einem unbeobachteten Blickwinkel.

Stichwort „Backstage Stories“: Wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Ich wollte einfach etwas anderes zeigen. Klar kann man immer wieder neue coole Bilder von Musikern auf der Bühne machen, aber am Ende ähneln sie sich schon. Der Blick hinter die Kulissen, der zeigt, wie sich die Künstler verhalten, bevor sie ins Rampenlicht treten, ist das was ich viel interessanter finde. Von daher hab ich mir überlegt, wie man es umsetzen kann, denn nur die Bilder wären nicht greifbar genug. Ich erzähle also eine Bildergeschichte über einen ganzen Abend. Die Vorbereitungen, die Blödeleien, das Konzert, die Diskussionen danach und die Geselligkeit. Ich versuche einfach alles einzufangen, mit dem Ziel, dass der Betrachter der Backstage Story den Abend nachempfinden kann.

Wie wählst du dir die Bands dafür aus?

Da gibt es kein festes Muster. Ich schaue wer hier so in der Gegend spielt und bei welcher Band es passen könnte. Ich habe festgestellt: umso bekannter eine Band ist, desto mehr Vorbehalte oder gar Angst haben sie. Ich weiß ja nicht was die so alles hinter der Bühne treiben, aber mich wollten einige schon nicht dabei haben. Ich habe mit Bands aus Hamburg begonnen, da sich dies einfach angeboten hat. Good Shoes aus London waren dann meine ersten internationalen Fotomotive.

Auch Herrenmagazin hast du bereits begleitet. Wie würdest du die Jungs beschreiben?

Die Jungs sind leicht verpeilt, sehr liebenswert und zusammenfassend einfach cool. Trotz der meist recht schweren Texte sprudeln sie einfach vor Humor. Falls ihr das hier lesen solltet: Macht weiter so!

Wie wurdest du aufgenommen?

Sehr herzlich. Ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt. Was vielleicht auch daran lag, dass Deniz einen Tag vor dem Konzert fragte, ob ich ein Auto hätte und sie vielleicht zuhause abholen könnte. So begann die Backstage Story also nicht im Übel und Gefährlich, sondern bei Deniz in der Bude. Geendet ist sie übrigens in der Mutter im Schanzenviertel. Es war ein sehr schöner Abend, wobei das Konzert nur ein Teil des Ganzen war.

Was war die lustigste Situation, die du fotografiert hast?

Oh, ich hab schon des Öfteren gelacht, da ist es dann meist schwer ruhig zu bleiben und die Kamera zu zücken. Ich glaub die Trinkspiele der Good Shoes und das ganze Treiben nach dem Konzert im Backstage Bereich inklusive Limbo tanzen und mehrerer Ausflüge auf die Tanzfläche zum Laserdance werde ich aber so schnell nicht vergessen.

Wie ist das Feedback auf die Backstage Stories?

Bislang eigentlich nur positiv. Von den meisten Bands habe ich sehr viel Lob bekommen. Viele wussten am Anfang ja gar nicht richtig auf was sie sich da einlassen und waren am Ende, dann, sehr zu meiner Erleichterung, mehr als positiv überrascht. Ohrenfeindt nutzt meine Bilder für die neue Imagebroschüre der Band, das ist doch ein großes Lob für mich. Ich hatte aber auch schon Bands, bei denen ich mich unterbewusst immer als Störenfried gefühlt habe und auch auf mein fertiges Album überhaupt keine Reaktion kam.

Bei meinen „Fans“ kommen die Bilder auch gut an, jedenfalls hat sich noch keiner beschwert. Wenn man den „like´s“ auf meiner Seite glauben kann, sind Herrenmagazin eindeutig die Lieblinge.

Welche Bands würdest du noch gerne mit der Kamera verfolgen wollen?

Das ist schwer zu beantworten. Ich würde gern was mit Axel Bosse machen, den ich kürzlich kurz kennenlernen durfte. Ein sehr netter Mensch, der mir sehr geholfen hat. Ansonsten weiß ich gar nicht so genau. Wenn man die Chance erhält etwas mit einer wirklich großen und bekannten Band zu machen, würde ich es wahrscheinlich schon wahrnehmen, aber vom Gefühl her bleibe ich glaub ich lieber weg vom großen Showbusiness. Bob Dylan wäre ein Traum und natürlich all die Bands meiner Jugend: Youth of today, Gorilla Biscuits, Sick of it all und einige andere Hardcore Legenden. Wenn ich es recht überlege, könnte ich wohl eine lange Liste schreiben. Schauen wir also mal was noch kommt.

Auf welche Bilder kann man sich in nächster Zeit freuen?

Ich hänge mit dem präsentieren meiner Bilder echt hinterher. Es gibt noch bestimmt über zwanzig Bands die ich fotografiert, aber noch nicht veröffentlicht habe. Außerdem habe ich kürzlich auf Helgoland schöne Vogel- und Robbenbilder gemacht und es gibt noch so das ein oder andere was in meiner Datenbank darauf wartet, die Weiten des Internets kennenzulernen.

Das war es auch schon! Vielen Dank!

Ahoi!

Deniz & König Wilhelmsburg von Herrenmagazin sagten sofort zu, als ich anfragte, ob sie sich zu m.ocean pictures äußern möchten. Vielen Dank dafür!

Wie war es für euch, als euch jemand auf Schritt und Tritt mit der Kamera begleitete?

Deniz: Die Vorstellung war für mich ein bisschen komisch. Außerdem hatte ich Angst, dass wir uns nicht verstehen würden. Aber es stellte sich sehr schnell heraus, dass wir gut miteinander auskommen und dass meine Sorgen unbegründet waren. Wenn eine gute Stimmung herrscht, fällt so etwas überhaupt nicht negativ auf. Es war am Ende des Tages eine sehr lustige Sache.

König: Die Idee Bands einen ganzen Abend zu begleiten fanden wir alle geschlossen eine tolle Idee. Ich fand es vorher allerdings ziemlich befremdlich, dass jemand, den man noch nie gesehen oder gesprochen hat, einen begleitet. Man weiß ja vorher nie, wie sich so ein Abend entwickelt. Zum 1. Mal Akustikkonzert: Wir hatten uns tatsächlich in Form einiger Proben vorbereitet, einige Lieder anders arrangiert, neue Lieder im Programm, Wetter etc.,! Das waren alles Unsicherheitsfaktoren, die die Aufregung eh schon hochtreibt. Und dann noch jemand mit der Kamera dabei. „Hoffentlich wird’s kein Debakel…“ dachte ich mir so. Als er dann noch meinte, er trinke nicht mal Kaffee, ging mir noch mehr die Muffe, weil  man ja nie weiß, wie man sich zur späteren Stunde benimmt. „Nun gut, immerhin hat er eine Karre und fährt uns.“ waren dann meine Gedanken. Aber als wir ihn dann bei Deniz und Paul in der Wohnung zum ersten Mal gesprochen hatten, legte sich die Aufregung ziemlich schnell bei mir. Und so nach einer halben Stunde merkt man einfach nicht mehr, dass man die ganze Zeit fotografiert wird. Man ist dann so in dem Film eines gleich stattfindenden Konzertes, dass man für die Wahrnehmung der Kamera keine Zeit mehr hat. Oder es liegt natürlich daran, dass er ein Vollprofi ist und sich geschickt aus dem Bilde nimmt. Egal was, der Abend wurde ein voller Erfolg! Das Konzert war der Wahnsinn und am nächsten Tag kamen die Worte „Du bist echt der glücklichste Betrunkene, den ich je getroffen habe.“ Also durch und durch alles stimmig.

Ein paar (warme) Worte zum Fotografen?

Deniz: Ich kannte ihn vorher nicht und war dann extrem erleichtert als ich feststellen durfte, dass er ein sehr umgänglicher und freundlicher Mensch ist. Es hätte ja auch schief gehen können und wir wären von irgendeinem Nervbolzen verfolgt worden. Es war aber durchweg sehr angenehm. Er fiel die ganze Zeit überhaupt nicht auf, ist aber offensichtlich dann doch überall dabei gewesen. Außerdem hat er uns das Leben gerettet, da er ein Auto hat und von uns dann umgehend als Fahrer eingespannt wurde.

König: Einfach ein netter Herr! Wie gesagt: so unaufdringlich freundlich bei seiner Arbeit, dass man in keinem Moment gedacht hätte, er sollte nun wirklich mal abhauen mit seiner Kamera. Er gehört zu dieser Sorte Mensch, die es einem leicht machen, sich trotz Kamera wohl zu fühlen. Außerdem weiß er genau, wann er sich auch mal zurückhalten muss, oder besser man kann sich sicher sein, dass am nächsten Tag nicht irgendein unangenehmes Bild bei Facebook landet. Profi halt. Daher war die Arbeit mit ihm, wenn man es Arbeit nennen sollte, wirklich sehr sehr gut und konstruktiv.  Er ist total fixiert auf dieses Fotoding und mit Leidenschaft dabei, das merkt man von der ersten Sekunde an. Und Leute, die 100% dabei sind, bei dem was sie lieben, sind immer eine Bereicherung. Ich meine es gibt auch solche, die wollen Fotos mit einem machen, sind dann aber selber besoffener als man selbst und stehen einem nur im Weg rum und nerven.  Oh ja, die gibt es…………..

Eure Meinung zum Endergebnis?

Deniz: Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Hätte ich gewusst, dass die Fotos so gut werden, hätte ich mir vermutlich ein Hemd angezogen.

König: Ich glaube ich habe schon alles darüber gesagt. Ich finde es super. Ich meine aus so vielen Bildern genau die rauszusuchen, die es  wirklich kurz und prägnant vermögen eine Geschichte eines wundervollen Abends zu erzählen ist schon echt eine Kunst für sich. Die restlichen Bilder sind allerdings auch wirklich gut. Ich möchte sie gerne nochmal haben übrigens. Das ist eine Aufforderung! Inzwischen hätte ich sogar einen Bildband über ein Konzertdebakel gerne mal gesehen. Gerissene Saiten , unmutige Gäste, die Wut und die Trauer einer Band. Das kann er bestimmt auch fantastisch. Und alles ohne Ton und bewegte Bilder. Nur mit einer Fotokamera. Mhhh, wenn ich es mir recht überlege macht es mir Angst.

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