Plattenbesprechung mal anders!

tigeryouth-live-at-lala-studios-coverHach, es ist soweit! Lange habe ich diesem Tag entgegengefiebert. Warum? Nun, erstens ist heute der 9. März & zweitens erblickt das Baby von Tigeryouth endlich das Licht der Welt. Am 15. Dezember 2011 zog es den jungen Musiker in die Lala Studios nach Leipzig, um dort vor etwas Publikum 10 Songs zum Besten zu geben. Und das Resultat von diesem Tag wird nun veröffentlicht: Digital & als limitierte CD. Platten durch den Fleischwolf drehen kann jeder! Und als die Anfrage von Tigeryouth kam, ob ich nicht darüber schreiben möchte, fing es in meinem Kopf an zu rattern. „Bock hätte ich auf jeden Fall. Aber so etwas stinknormales zu machen? Eine Meinung bilden und stumpfes runterrasseln? Nee, das wäre mir zu langweilig. Da überleg ich mir etwas!“

Ich dachte erst daran, mindestens zwei bis drei andere Musiker zu den Songs von Tigeryouth zu befragen. Bzw. dass diese einige Zeilen beisteuern. Nicht nur Musiker sollten ein Teil davon sein, sondern auch Miriam. Denn sie hat mich schließlich erst auf Tigeryouth aufmerksam gemacht. Und als ich ihr schrieb und sie fragte, ob sie ebenfalls mitmachen möchte, war sie schon Feuer und Flamme dafür. Irgendwann waren wir dann soweit, dass wir sagten: „2 bis 3 Musiker sind doch schon bißchen wenig.“ So kam es zur folgenden Idee:

10 Songs- 10 Leute- 10 Meinungen.

Das hieß konkret: Verschiedene Musiker wurden angeschrieben. Die meisten waren sofort dabei und konnten sich den Song nur anhand des Namens aussuchen, über den sie einige Zeilen schreiben sollten. Hat super funktioniert, wie wir finden! Überrascht hat mich Wolfgang Müller. Ich habe ihm den Song geschickt und nur wenige Minuten (!) später hatte ich bereits viele Zeilen zum „Neujahr“ vor mir. Hut ab! Jetzt aber mal gepflegtes Maul halten von meiner Seite aus! (Obwohl: Ganz unten gibt es noch ein kleines Gewinnspiel!)

Doro (von Lybe): Vor Berlin.

„Macht man sich Freunde damit, wenn man einen Song darüber schreibt, wie sehr man Mitfahrgemeinschaften hasst? Zugegeben, ein Grund, warum ich noch nicht mit einer Mitfahrgelegenheit gefahren bin, ist genau dies hier besungene: Was soll ich mich 4-6 Stunden mit dem Fahrer unterhalten? Dieser Zwang zwischen höflicher Geste und gesellschaftlicher Konvention lässt mich dann doch immer wieder zum Bahnticket greifen. Tigeryouth bringt es gut zum Ausdruck: Er muss wohl schon einige Erfahrung mit Mitfahrgelegenheiten gemacht haben, um sich so in einem Song auszukotzen. Dieses oberflächliche Blabla, obwohl man eigentlich lieber nur schlafen möchte, das besserwisserische Geschwätz, gegen das man mit seiner Meinung eh auf Granit beißt, warum also Kraft und Nerven verschwenden? Und so schweigt man und hofft, dass der Fahrer endlich einsieht, dass man sich nichts zu sagen hat und doch endlich, endlich einfach nur das Radio anmacht. Das singt er uns, dieser Tigeryouth. Wie er sich seinen Frust aus der Lunge schreit und in seine 6 Saiten haut und uns dieses Unbehagen näher bringt. Denn noch steht man auf dem Rastplatz 30 Kilometer vor Berlin und hat noch einige Stunden vor sich bis Köln. Beim Einsteigen noch einmal Luft holen und Augen schließen. Denn solche Fahrten nimmt man immer für eine bessere Sache auf sich auf. Und daran gilt es zu glauben.“

Song „Vor Berlin“: Hier.

Pele Caster: Standpauke vom Wirt.

„Ich habe gerade ein Bier auf dem Schreibtisch stehen, welches meine gestrige Feierei unvergessen machen soll – Konterbier.

Ich drücke auf „Play“…

Mein erster Gedanke ist: „Da singt ein ziemlich übel gelaunter Bernd Begemann.“ -im weiteren Verlauf stellt sich die Stimme dann aber doch als zu eigenständig heraus und ich verwerfe den Vergleich. Es ist eine gute, aggressive Stimme die sich vom momentanen „Indie-Reinhard-Mey-Getue“ (ich will keine Namen nennen) absetzt und dadurch frischer als die von vielen aktuellen Singer-/Songwritern klingt.

Der Text des Songs beschreibt meinen jetzigen Zustand geradezu perfekt. Ich mag die Wut und Ehrlichkeit des Sängers. Von mir gibt es ein zufriedenes „Prost!“

(Homepage: Hier.)

Wolfgang Müller: Neujahr.

„Würde man Gisbert zu Knyphausen, ClickClickDecker, Max Prosa und Turbostaat in einen Topf stecken und kräftig umrühren, käme danach wohl ein reichlich angefressener Musiker namens Tigeryouth herausgeklettert. Der würde dann noch triefend nass seine Gitarre schnappen und den anwesenden Köchen erst mal ins Gesicht brüllen, wo der Hammer hängt. Wir dürfen annehmen, dass die Wahl des Songs dabei auf „Neujahr“ fallen würde. Bei „Ich will jetzt noch nicht schlafen, weil ich weiß dass ich morgen schon wieder aufstehen muss.“ würde der erste vermutlich ertappt den Blick senken, bei „Mein Rückgrat liegt röchelnd auf dem Boden der Tatsachen“ Nummer 2 und Nummer 3 rasch mal eben am eigenen Rücken tasten, ob da noch alles ist wo es sein soll, und das finale „Ich verspreche stark zu sein.“ vermutlich von Nummer 4 unter WICHTIG – NICHT VERGESSEN mit dem vom herumspritzenden Mischmasch nassen Stift mit letzter Kraft ins Notizbuch gekritzelt werden. Wahrscheinlich würde sich dann eine Gasse bilden, und Tigeryouth würde mit nassen Schuhen an den Anwesenden vorbei zum Ausgang schlurfen, verschwinden und vier sehr erschütterte Köche zurücklassen, die sich gegenseitig tief in die Augen schauen und flüsternd die Frage stellen: Was um Gottes Willen haben wir da erschaffen? Bitte warm anziehen.“

(Homepage: Hier.)

Hilmar Bender: Mutter, Vater, Kind.

„Wenn man schon so derbe alt ist wie ich, hat man die Phase des Nachdenkens und Reflektierens über das »wo komm ich her und wo will ich hin« das Männer Ü40 erfasst erreicht. Hab ich neulich gelesen. Der Tigeryouth-Mann formuliert es offener, stellt es als Frage, die in Richtung Eltern zielt. Dabei drückt er die Sehnsucht aus wissen zu wollen, oder gar zu verstehen. In Teilen wird die Frage immer offen bleiben, denn ich glaube, genau das ist der Witz an ihr. Und auf der anderen Seite muss sie auch offen bleiben, weil »don’t know what I want, but I know how to get it« auch immer schon ein Antrieb war. Antrieb, bestehen zu können gegen die Welt der Angepassten und Mitlaufenden, Selbsterhaltung durch Dagegensein, die Parole aus den Anfangstagen, die einem auch immer wieder den Selbstzweifel vor Augen führt. Gehört auch dazu, die Sau. War, ist, bleibt auch eine Portion »Arschlecken«. Tigeryouth-Mann Stimme erinnert frappierend freundlich an ClickClickDeckers, oder Clickers, wie ich sagen darf, Kevin Hamanns Stimme. Das zählt als Plus. Akustik Punk als musikalische Idee zieht mir noch nicht die Hosen aus, aber kann man dann jederzeit mal ein Upgrade als »Amped Version« machen. Stecker rein und everything louder than everything else. Telefonfrage: Welche drei Bands habe ich hier verwurstet, ohne sie namentlich zu nennen? Antworten per Mail an plugged@hilmar.be“

(Homepage: Hier.)

Miriam: Feierabendbier

„Nur gute 2,5 Minuten dauert der Song „Feierabendbier“ in der neuen Liveversion, genauso wie eigentlich fast alle Lieder von Tigeryouth. Doch mehr Zeit benötigt Tilman auch nie, um die Dinge schon mindestens drei Mal auf den Punkt gebracht zu haben. Die Songs von Tigeryouth strotzen nur so vor Energie und Wut, aber ohne jemals zu selbstgerecht zu sein. Er gesteht sich ein nicht immer die Wahrheit zu sagen und vielleicht ein Träumer zu sein. Jedoch im Vergleich zum kleinbürgerlichen Vorstadtleben der Menschen, die ihr „Feierabendbier“ und ihren Stammtisch genießen, aber niemals ehrlich zu sich selbst sind, ist er dennoch ganz zufrieden mit sich und seinem Leben. Sätze wie „Du bist zu 10% du selbst und zu 90% wie der Rest der Welt.“ sind so einfach gefasst, dass ich darüber schmunzeln muss und trotzdem bin ich froh, dass sie mal jemand sagt. Ein Lied dessen Text mich schon in der Studioversion überzeugte, wirkt nun in der Liveversion durch eine harte, laute Gitarre und eine ausbrechende, emotionale Stimme als Gesamtwerk mitreißend.“

Senore Matze Rossi: Rio.

„Jasmin und ihre verrückten aber guten Ideen. Kann ich NEIN sagen, wenn ich eine Nachricht bekomme: „Bock die neue Tigeryouth zu rezensieren?“

Ich meine: Reviewerfahrungen habe ich ja schon mit meinem Punkrockfanzine „Zora“ gesammelt, was jetzt auch schon fast 19 Jahre zurückliegt, aber egal.

Tigeryouth = Tilman = mein Freund! Auch wenn wir uns nur von „zweimal Bühne teilen“ kennen. Love is in the air und so. YES! So ein guter Typ. Gibt nicht viel mehr dazu zu sagen, also erwartet jetzt kein objektives und abstraktes Musikzerlegen. Will ich nicht! Kann ich nicht! Macht keinen Sinn. Hört es euch selber an.

Das Lied „Rio“ habe ich gewählt, weil ich es noch nicht kannte. Ich bin ja immer so neugierig. Mit „Ich will nirgends lieber sein als da wo ich bin, aber manchmal holt das Fernweh mich ein“ macht er mich vom Freund zum Fan. Eine der wenigen Textzeilen die mir in letzter Zeit einen Schauer über den Rücken jagten, besonders weil die Zerrissenheit in der Stimme zu hören ist, weil da eine Geschichte dahinter steckt, weil das mehr ist als Tilman alleine, weil es nah dran ist, an allem. Also ich war noch nie in Rio am Strand. Sollte ich da aber mal flanieren, dann nehme ich das Lied und die ganze neue Platte mit. Ach ja: Das Ganze ist LIVE und besser als der ganze glattpolierte Scheiß!

Tilman, wann spielen wir wieder zusammen?“

(Homepage: Hier.)

Song „Rio“: Hier.

Marc (von Schallhafen): Robota.

„Im Song „Robota“ erhebt Tigeryouth die Metapher zum Credo und macht seinem Unmut über die ungesund normgerechte Leistungsgesellschaft Platz. Klar, das Verb „robotern“ hat längst seinen Innovationszenith überschritten und auch der Vergleich von Gesellschaft mit emotionslosen Robotern hat seine besten Tage hinter sich, aber die Wahrheit hinter diesen Verpackungen ist so aktuell wie eh und je. Man muss ja auch nicht gleich alles verklausulieren, bis selbst der letzte Vogel Verben wie „abstrakt“ und „dadaistisch“ in den Songwriter-Wald kräht. So verwundert es auch nicht, dass der Song in schrammelig-kantigen Akustikgewand daherkommt, in denen die Stimme von Tigeryouth regelmäßig , fast schon shoutenderweise ausbricht und so jeden Versicherungskaufmann treffen kann, auf den der Inhalt abzielt. Während sich Tigeryouth im Song fragt, was er denn falsch mache, frage ich mich indes, was er denn richtig macht, um sich dieser tumben Leistungskonformität zu entziehen!“

(Homepage: Hier.)

Jasmin: Meine kleine Welt.

„Meine kleine Welt: „Ich probier mal einen Song- den habe ich vorgestern erst fertig geschrieben. Mal gucken..!“ So die Ansage von Tilman. Wo man als Hörer erst mal denkt: Herrje, ob dieser Song schon ausgereift genug ist, um auf dieser Platte zu landen? Doch was soll ich sagen? Dieser Song hat mich vom ersten Moment an umgehauen. Diese eingängige Gitarrenmelodie, die zusammen mit dem ruhigeren, dennoch ausdrucksstarken Gesang einen wahrhaft prunkvollen Tanz über das Parkett vollführt. Bildlich gesehen. Kein stolpern von einem der beiden Tanzpartnern. Kein falscher Schritt. Nichts.

„Das ganze Zeug, das ihr mit euch rumschleppt ist mir viel zu schwer.“

Loslassen von Gegenständen. Loslassen von Gedanken. Wer kennt das nicht? Man grübelt zu sehr über die Vergangenheit nach. Es belastet regelrecht. So sehr, dass man irgendwann einfach nur noch die Notbremse ziehen kann, um zu sagen: Ein Neuanfang muss her! Weg mit dem ganzen Mist, der einen nur noch weiter runterreißt. Ein- wenn auch nicht leichter, Tapetenwechsel ist die einzige Möglichkeit, um aus diesem ewigen Strudel wieder ausbrechen zu können.

„Und nichts von früher hängt noch an meinen Beinen.“

Nils (niemand): Alles geht kaputt.

Alles geht kaputt. Das ist mal eine Ansage, dachte ich mir. Aber ich bin ein Freund von Endzeitstimmung in Liedern – und die findet man hier zu genüge. 2:24 Minuten Resignation, Desillusion und das in einer wunderschön verzweifelten Stimme über eine Akustikgitarre geschrien, die irgendwie schön die beschriebene freihändige Fahrt ins ungewisse repräsentiert. Für mich ein fantastisches Lied für Momente, in denen einen einfach alles ankotzt und man gar nicht so genau weiß, warum eigentlich.“

(Facebook: Hier.)

Spaceman Spiff: Schlechte Laune.

„In meinen Träumen verfolgen mich Monster, die aussehen wie ihr“
Davon, dass Tilman alias tigeryouth das alles ernst meint, konnte ich mich vor gut zwei Wochen bei 1,2,5 Bier in einer kleinen Kneipe in Osnabrück noch selbst überzeugen. Von schlechter Laune keine Spur. Es gibt eben die Leute, die von der Uni heim kommen, sich in ihrem Zimmer vergraben und ganz alleine ihre tieftraurigen Songs schreiben um ihre Musik dann zu tragen, wie ein paar hippe Schuhe oder einen feschen Hut – weil man das jetzt eben so macht mit dem Songwriter sein.

Und es gibt Leute wie tigeryouth, die offensichtlich einfach nicht anders können als sich mit dem Musikerdasein ihren Lebenslauf zu versauen. Die sich an ihrer Gitarre festhalten während sie sich von Job zu Job und von Song zu Song und von Auftritt zu Auftritt hangeln. Weil es ganz einfach nicht anders geht. Das, meine Damen und Herren, ist der real shit…“

(Homepage: Hier.)

Hiermit bedanke ich mich bei allen recht herzlich fürs Mitmachen! Es war mir eine Freude! Und wie ihr lesen könnt: Daumen hoch für diese Platte! Aber wir sind noch nicht am Ende! Denn auch Tobias (Lala Schallplatten) hat einige Zeilen über Tigeryouth beigesteuert:

„Erstmals über Tigeryouth gestolpert bin ich auf einem unserer Konzerte mit I not dance, Käfer K und Krawehl, die wir einige Zeit regelmäßig in Connewitz veranstaltet haben. Er war mit Krawehl unterwegs und ich hatte mich vorher auch kaum mit der Musik von Tilman beschäftigt. Damals waren Tigeryouth noch zu zweit. Letztendlich war es damals schon Tilmans eindringliche und zugleich warme Stimme gepaart mit einer unbändigen Energie und intelligenten Texten die für mich den Reiz oder das besondere an Tigeryouth ausmachte. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber es ist schlicht seine Präsenz auf der Bühne die einnimmt. Danach haben wir uns über ein Jahr nicht gesehen, blieben aber in Kontakt und hatten dann die Idee eines Livekonzertes mit Aufnahme in der Serie „Live at Lala Studios“, das am 15.12.2011 dann auch endlich stattfinden konnte. Ab 9.3.2012 ist „Tigeryouth – Live at Lala Studios“ dann als limitierte CD bei Lala Schallplatten im Webshop und als Download bei den üblichen Portalen erhältlich.“

(Homepage: Hier.)

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