„Aber das Auto sieht aus…“

408550_10151190331371126_1277250856_nPetula, mein Lieblingslooperjunge aus Berlin, hatte damals mein Herz im Sturm erobert. Er faszinierte mich. Dieser ständige Wechsel zwischen zartem Gesang, der unaufdringlichen Gitarre, diversen Geräuschen, Fußakrobatik und der charmant verpeilten Ansagen. All das sorgte dafür, dass sich dieser Musiker, der schon öfters als Support für ClickClickDecker das Steuer übernehmen durfte, in etliche Köpfe einbrannte. Und mächtig Eindruck hinterließ. So erklärte er sich tatsächlich ein viertes (!) Mal dazu bereit, mir einige Fragen zu beantworten. Dabei ging es selbstverständlich um sein neues Werk, welches den Titel „Don’t forget me, Petula! Don’t forget everything, Petula!“ trägt und für mich jetzt schon ein mehr als heißer Anwärter ist, wenn es um die Frage geht: „Album des Jahres 2013?“ Es ist bezaubernd geworden. Mehr als das. Ich weiß noch, als ich die Songs zum ersten Mal hörte. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd und hatte bei dem einen oder anderen Song schon leicht feuchte Augen, weil ich es so wunderbar fand und noch immer finde. Mein Herz fuhr Achterbahn. Und: Wer das Album noch nicht besitzen sollte: KAUFEN! KAUFEN! KAUFEN!

„Ich glaube, dass es nochmal was anderes gewesen wäre, wenn es in einem größeren Stil rausgekommen wäre.“ So deine Worte, als es um das Vorgängeralbum „Elephant Dresses“ ging. Wie bist du denn bei deinem neuen Werk rangegangen? Wolltest du etwas anders machen als beim Vorgänger?
Ja. „Elephant Dresses“ war im Prinzip ein Nachbau der Liveabläufe. Loops aufnehmen, herumschieben, schichten. Dadurch ist es sehr nah an der Ursprungsidee jedes Liedes, aber auch sehr starr geworden. Beim neuen Album war schnell klar, dass ich es nicht allein aufnehmen und dass ich die Aufnahmen wesentlich lebendiger und offener halten möchte, so dass die Stücke beim Aufnehmen selbst noch weiter wachsen können und nicht unter den Limitierungen der Livesituation leiden. Hinterher habe ich mir wieder Gedanken über die Liveumsetzung gemacht, hier und da etwas verändert oder auch wieder gestrichen.

„Ich glaube, das wird immer etwas speziell sein. Ich mag normale CDs einfach nicht.“ So. Nun ist es aber trotzdem passiert! Das Album ist auf CD erschienen. Wie redest du dich jetzt raus? Was ist da passiert?

Ist doch ganz einfach: Es ist keine normale CD. Es ist aus verschiedenen Gründen nicht ganz das Buch mit CD geworden, das ich mir vorgestellt hatte, aber es ist nah dran. Letztendlich war die CD-Produktion ein Schlüssel zum Vertrieb jenseits meiner eigenen Kanäle. Und es ist halt auch nicht so, als hätten am Merchtisch nicht immer wieder Leute danach gefragt. Für mich ist das Album in dieser Aufmachung ein schöner Kompromiss zwischen meinem Anspruch und meiner Geldgier.

Wer war dieses Mal für das Cover zuständig?

Die tolle Martina Hoffmann, mit der ich schon langelange arbeiten wollte. Sie hat auch schon beim ersten Album mitgesungen und ist auch auf dem aktuellen wieder zu hören. Wir haben zusammen eine schöne Umsetzung des Festhalten/Verschwimmen/Vergessen-Themas gefunden und sie hat sie ganz hervorragend ins Bild gebracht.

Welche Reaktionen kamen denn bisher zur Platte?

Gute und sehr gute. Nicht ausschließlich, aber überwiegend. Und vor allem die Konzerte waren sehr toll. Ich freue mich jetzt zwar über eine kurze Pause, aber genauso sehr darauf, dass es bald wieder losgeht.

Die ersten Tourdaten sind bereits wieder um. Wie lief die Tour? Wie wurden die neuen Songs aufgenommen? Wurde der Merchstand danach geplündert?

Die Tour lief überwiegend ausgezeichnet. Ich habe mir ja überhaupt keine Vorstellungen gemacht vorher – erste Solotour, kein Hauptact im Rücken, meist nicht einmal lokaler Support. Und es war ein großes Vergnügen mit lauter netten Leuten und schönen Orten. Vom Schnee-Auftakt in Jena bis zum Bier-und-Whisky-Finale in Hamburg eigentlich kaum zu glauben. Aber das Auto sieht aus, Mannomann.

Im letzten Jahr hast du einige Songs im Leipziger Lala Studio zum Besten gegeben. Kann man sich in diesem Jahr eventuell auf eine weitere Veröffentlichung freuen?

Eventuell, ja. Wir werden sehen. Aktuell machen wir uns in erster Linie Gedanken darüber, was wir ums und mit dem Album noch machen. Der Frühling wird’s bringen.

Achja, und: Warum wurde gerade der Song „Marry me“ für ein Video ausgewählt & wer kam mit der Idee um die Ecke? Und wo zur Hölle hattet ihr all diese Glühbirnen her?
Marry Me ist eingängig, kurz, schön und mit gutem Thema. Die Idee hatten Starregisseur Stephane Leonard und ich und die Glühbirnen gibt’s bei eBay. Schönes Licht machen die.
Damit aber noch lang nicht genug! Ich schickte Petula einen Tagesablauf von Homer Simpson rüber. Homer? Ja, Homer! Fragt bitte nicht, wie ich darauf kam. Denn das kann ich selbst nicht mehr so genau beantworten. Jedenfalls ging es darum, dass er die 11 Songs vom neuen Album der jeweiligen Situation zuordnet. Hat ganz gut geklappt, wie ich finde. Oder was meint ihr?

Springfield. Ein gewöhnlicher Montagmorgen. Während Bart, Lisa, Maggie & Marge schon längst auf den Beinen sind, dreht sich Homer erneut auf die andere Seite. Nach unzähligen Versuchen, ihren Mann aus dem Bett zu bekommen, reicht es ihr nun völlig. So steht sie unten an der Treppe und brüllt ihm entgegen:

„Sing all you want, sing all the noise, the trees, the shadows. Shout all you want, we’re never ever going home.“

Ist natürlich Quatsch, weil ums Zuhause und die Alltagsroutine soll er sich ja gerade kümmern. Aber „Sing!“ ist ein Lied vom Loslassen, vom Abfinden und vom Stellen. Denn auch wenn alles, alles, alles aussichtslos ist, werden wir uns nicht davor retten, indem wir uns auf Schlaf, Erinnerung und vergangene Großtaten zurückziehen.

Dies zeigt tatsächlich Wirkung und Homer wirft sich endlich für die Arbeit in Schale. Er hat bereits den Duft von Kaffee, gebratenen Speck, Spiegeleiern & Pancakes in der Nase. Gut gelaunt macht er sich auf den Weg in die Küche. Übersieht aber, dass die Kinder sämtliche Spielzeuge auf der Treppe haben liegen lassen. So verheddert er sich in Springseil & Co. und landet mit dem Kopf voran auf den harten Boden der Realität. Er stammelt vor sich hin:

„Ik Kan Niet Meer Het Is Teveel“

Ist doch klar. Auch wenn er das Lied dazu mit all den Maulwürfen, den Küssen und dem Niemalslernenwollen vielleicht gar nicht gehört hat.

Homer hat sich wieder gefangen, die Kinder haben sich währenddessen vor den Fernseher versammelt: Itchy & Scratchy läuft. Was auch sonst? Heute untermalt mit dem Song:

„SLLR“

Es handelt sich offenbar um eine sehr traurige Folge, sehr selbstreflexiv und voller Sorgen darum, dass nach Jahren des zelebrierten Hasses wirklich die letzte Tür zu einer besseren Welt verschlossen ist.

Homer schlingt das Frühstück runter, Marge ist mit dem Aufräumen beschäftigt. Otto, der Busfahrer, steht bereits hupenderweise vor dem Haus, um Bart & Lisa einzusammeln. Dabei hat er die Musik wieder so laut aufgedreht, dass man es mindestens bis Shelbyville hören kann! Er schnippst & wippt im Takt von:

„Juri“

Cooler, sparsamer Hipstershit. Auch gut zum Kiffen, nech. Und im Hintergrund kann man die Teller hören.

Kinder aus dem Haus. Homer verabschiedet sich, tritt aus der Haustür. Und da ist sie wieder- diese nervende Stimme von Nachbar Flanders. Homer ignoriert ihn gekonnt, steigt ins Auto & fährt los. Flanders denkt sich nichts dabei & singt folgenden Song mit viel Energie & Optimismus vor sich hin:

„We’re all cities of fortune, cities of love, cities of song“

Mir gefällt die Vorstellung, seinen Kiddelikaddelikonversationsstil als „Talking In Landslides“ zu beschreiben. Und viel optimistischer als an dieser Stelle wird das Album nicht mehr.

Mittlerweile ist Homer am Atomkraftwerk angekommen. Durch den zähfließenden Berufsverkehr ist er bereits spät dran. Was tun? Freier Parkplatz? Fehlanzeige! So fährt er bis ganz nach vorne, springt aus dem Wagen & drückt dem verdutzten Smithers die Autoschlüssel in die Hand. Während Homer zu seinem Arbeitsplatz sprintet, steht Smithers mit Aktentasche und dem Autoschlüssel ratlos vor der Tür und denkt sich:

„He called me the perfect dog.“

Zumindest indirekt hat er das. Auch wenn er etwas anders meinte als ich. Und ich würde denken, dass die Gedankengänge an dieser Stelle ähnlich wirr und ungeordnet sind wie der Text dieses Liedes.

Homer ist endlich an seinem Arbeitsplatz angekommen. Lenny & Carl sind natürlich wieder überpünktlich zur Arbeit erschienen, die Spießer. Mr. Burns dreht seine Runde- Homer ist durch den Sprint noch immer außer Atem & kurz vor einem Kreislaufkollaps. „Sie haben sich heute aber schon sehr verausgabt! Lenny und Carl können sich ruhig mal eine Scheibe von Ihnen abschneiden! Ach, wie war noch gleich Ihr Name? Ist aber auch eigentlich völlig egal! Machen Sie jetzt erstmal eine Pause. Das haben Sie sich verdient. Die Kollegen übernehmen gerne für Sie!“ Die Worte hat Mr. Burns noch nicht komplett ausgesprochen, schon befand sich Homer im Pausenraum. Donuts & Kaffee. Kaffee & Donuts. Den passenden Song zu diesem perfekten Arbeitstag liefert das Radio. Einen Song mit Ohrwurmqualität:

„November 9“

Am ehesten der „Den packe ich hierhin, weil alle anderen schon vergeben sind“-Song. Aber um Kaffee geht’s hier ja auch. Und dann der Ohrwurm. Ba, ba, ba, ba, biu!

Wie schnell so ein Arbeitstag im Atomkraftwerk rum ist! Bevor es zurück zu Marge & den Kindern geht, gibt es noch einen Abstecher zum Kwik-E-Mart, um sich mit Duff-Bier & sämtlichen Chipssorten einzudecken. Apu erzählt Homer, dass es einen neuen Werbespot über den Kwik-E-Mart gibt. Untermalt mit einer mitreißenden Melodie und einem ausdrucksstarken Text, damit die Leute scharenweise in den Laden strömen:

„All I ever wanna be is one of the millions of boys waiting right outside your door“

So sieht’s doch aus. Wer will da nicht dabeisein? Muss ja nicht gleich ums Heiraten gehen.

Zurück im Auto. Der Kofferraum voll. Unterwegs schaltet sich sein Kopf ein: „Moe! Moe! Moe! Moe! Moe! Moe! Ich will zu Moe!“ Aber nicht auf diese aggressive Art & Weise. Nein. Eher in Form eines Liedes. Ja. Fast zart kommt es um die Ecke:

„[russische Wellenlängentestsprachfetzen]“

Wenn sich da das freundliche Schlenkern von „Laika“ mal nicht schon ankündigt. Samt Thereminjaulen. Und sanftem Snaretappern.

Angekommen bei Moe. Barney bereits schon gut betrunken. Dabei ist es doch erst 18 Uhr. Homer begibt sich an die Theke. Und fängt an zu trinken. Gegen 22 Uhr ist die Stimmung auf dem Höhepunkt. Homer kratzt das letzte Kleingeld zusammen und begibt sich zur Jukebox. „Freunde! Es ist an der Zeit!“ Alle wussten bescheid, was nun folgen wird: Der Song, bei dem wirklich jeder beginnt auf dem Tisch zu tanzen:

„All we ever want is time out alone, all we ever want is to forget this“

Da haben wir sie doch, die Auszeit. Und die Party. Und das langsame Verkatern hintendran auch gleich. Und wenn wir dann noch auf die grenzenlosen Liebe, die fiebrige Blindheit und die liebenden Zweifel anstoßen: Tiptop. Prosit.

Weit nach 24 Uhr erreicht er das Haus. Betrunken. Die Familie schläft bereits. Er stolpert die Treppe hoch & verliert auf dem Weg ins Schlafzimmer sämtliche Klamotten. Kaum im Bett angekommen, fallen ihm auch schon die Augen zu & das wohlverdiente Schnarchen setzt ein. Man könnte meinen, dass es kein willkürliches Schnarchen ist. Nein! Denn wenn man genauer hinhört, dann könnte man tatsächlich behaupten, dass man mit etwas Fantasie diesen Song raushören kann:

„Tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song, tomorrow’s just another song tonight.“

Gute Nacht zusammen!

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