Dave Hause & der Barkeeper auf der Hoppetosse in Berlin.

527241_4399977994074_1296746377_nSchon Wochen vorher angekündigt und darauf gefreut: Dave Hause auf der Hoppetosse in Berlin. Aber Moment mal: Auf einem Schiff? Wird das gut gehen? Oder wird mir die Schaukelei durch den Magen gehen? Dinge, die mir im Kopf rumgeisterten. No risk, no fun! Oder wie war das nochmal? Außerdem konnte man sich das nicht entgehen lassen, da es nicht nur eine Supportshow war. Nein, Dave sollte das Schiff alleine zum Kentern bringen. Am besagten Tag wurde der Feierabend pünktlich eingeläutet & 1 ½ Stunden später saß ich im ICE nach Berlin. Eingecheckt im Hotel. Und ab in die Bahn Richtung Treptower Park.

Ausgestiegen. Bei Google-Maps sah die Entfernung von der S-Bahn bis zur Arena machbar aus. Aber was habe ich gemacht? Ich lief und lief und lief. Natürlich in die falsche Richtung! „Aber da stand doch auf dem Schild: Arena 800 Meter! Bin ich denn total bescheuert?“ Bei dieser Beantwortung auf die Frage bitte ich um Stillschweigen!

Ich schaute zwischendurch nervös auf die Uhr. Einlass sollte um 20 Uhr sein und ich pendelte nach 20 Uhr noch immer in der Gegend rum. Ich merkte später auch an der Kreuzung, dass mein Orientierungssinn förmlich schlapp machte. Nichtsdestotrotz fand ich nach 20.30 Uhr endlich den Weg zur Arena. Aber auch da ließ die Falle nicht lange auf sich warten. So drehte ich noch eine Ehrenrunde auf dem dunklen Gelände.

Endlich angekommen. Rauf aufs Schiff, wo sich schon etliche Leute versammelt hatten. Die üblichen Verdächtigen traf man ebenfalls wieder an. Mein Körper war froh, als man nach diesem Arbeitstag, der Hektik und der ganzen zusätzlichen Lauferei auch mal zum Stillstand kam. Die Müdigkeit schlug langsam zu.

21 Uhr sollte es eigentlich beginnen. Aber wie es immer so ist: Dies verzögerte sich und so kam es, dass Herr Hause sich erst gegen halb Zehn, bewaffnet mit einer Flasche Wein, einen Weg durch die Menge bahnte.

Der erste Minuspunkt an dieser Stelle: Dave ist ein kleiner Mann. Auf dem Schiff gab es kein Podest oder ähnliches. Nichts! Was natürlich sehr schade war, weil nur die ersten 2 bis 3 Reihen etwas sehen konnten. Wie schön solch eine Veranstaltung auf diesem Schiff auch ist: Aber entweder lädt man nur Musiker ein, die die 2 Meter Körpergröße erreicht haben. Oder man denkt tatsächlich mal über eine kleine Bühne nach. Schaden kann aus auf jeden Fall nicht. Ganz im Gegenteil!

Wir standen Anfangs weiter hinten. Dave fing an. Wir hörten ihn, sahen aber wirklich nichts! Und das frustrierte mich persönlich schon nach dem ersten Song. „Da bin ich nun also von Hamburg nach Berlin gefahren, um ihn nur zu hören?“

Denn man muss wissen: Dave Hause lebt seine Songs. Er ist keiner von den Musikern, die nur stumpf vor dem Mikro stehen und mit weinerlicher Stimme ihre Texte wiedergeben, ohne mit der Wimper zu zucken. Er ist das ganze Gegenteil davon! Er ist ein Vollblutmusiker.

Dave merkt man an, wie viel Spaß es ihm in diesen Moment bringt. Denn egal, wie oft ich ihn bisher auf der Bühne erleben durfte: Er gibt wirklich immer 100%! Meistens auch darüber hinaus. Egal, ob er nur eine Supportshow abliefert oder es sein eigener Abend ist. Es spielt einfach keine Rolle.

Er schreit sich die Lunge aus dem Hals. Stampft mit dem Fuß auf. Hält Blickkontakt mit dem Publikum und baut ganz gerne kleine Unterhaltungen mit ein. Es zaubert ihm ein breites Grinsen ins Gesicht, wenn ihm seine Texte lautstark um die Ohren gehauen werden.

Dave war bereits beim zweiten oder dritten Song angelangt, als wir beschlossen, uns doch einen Weg nach vorne zu bahnen. Hat funktioniert! So standen wir seitlich in der zweiten Reihe, hatten eine gute Sicht und schon hatten auch wir dieses breite Grinsen im Gesicht. So muss das sein!

Mir wurde warm ums Herz! Das war Konzert Nummer 6 für mich und dann noch an diesem speziellen Ort. Das Wetter meinte es an diesem Tag auch gut mit uns. Kein Regen, kein extremer Wind, der das Gehirn zum Einfrieren brachte. Aber gut war es schon, wenn man zumindest an etwas Langärmliges gedacht hatte.

Am Anfang war alles noch etwas verhalten. Es war so, als müsste man sich gegenseitig erst etwas annähern. Ein vorsichtiges Antasten von beiden Seiten.

Aber das verflog ziemlich schnell, als er Songs wie „Time will tell“, „Resolutions“, „Heavy Heart“ und „The Bridge“ anstimmte.

Mein persönliches Highlight war: „C’mon Kid“. Das Publikum drehte auf und übertönte sogar Stellenweise Herrn Hause, was mir eine ungeheure Gänsehaut bescherte. Das Klatschen und das Stampfen wurde ebenfalls übernommen und ich merkte, wie das Schiff immer stärker ins Wanken kam. Und ich genoss es. Ein Moment für die Ewigkeit.

Interessant wurde es dann beim Song „Shine on“. Gegen Ende spaltete er das Publikum, sodass genau in der Mitte eine kleine „Schlucht“ entstand. Ach, Schlucht ist ein tolles Wort! So konnten auch diejenigen, die ziemlich weit hinten standen, einen Blick auf Dave werfen. Herr Hause machte selbstverständlich noch einige Sprüche darüber, entschuldigte sich aber im selben Atemzug dafür, dass sie ihn überhaupt nicht sehen könnten. Der „If you got the shine- shine on“- Chor klappte perfekt und so wurde die Sicht für die hinteren Leute wieder genommen. Dave meinte irgendwas mit Wall of Death, was lachend zur Kenntnis genommen wurde, aber nicht ausgeführt wurde. Schade eigentlich!

Hinter Dave befanden sich eine Schnapsflasche, sowie etliche dazugehörige kleine Becher. Vor einem Song fragte er, wer denn den Barkeeper spielen möchte, worauf ein junger Mann in der ersten Reihe die Hand erhob. Felix sein Name, woraufhin Dave erst „Phyllis“ verstand und dementsprechend etwas irritiert reinschaute. Nachdem aber geklärt wurde, dass er Felix heißt, fiel Herr Hause doch ein kleiner Stein vom Herzen. Die Becher wurden verteilt und der Barkeeper machte sich ans Werk. Was von Dave natürlich mit einigen Sprüchen belegt wurde.

Als er später meinte, dass dies einer der besten Auftritte in diesem Jahr für ihn war, dann glaubte man es aufs Wort! Denn auch für mich stand und steht dieses Konzert auf Platz 1. Einfach, weil es an einem besonderen Ort stattfand, die Stimmung bei allen Beteiligten sehr gut war und es einfach ein Miteinander war.

Nach über einer Stunde mit vielen Songs, Gesabbel und Alkohol neigte sich der Abend dem Ende zu. Die Gitarre wurde zur Seite gelegt und Dave verschwand schnell zum Merchtisch, um sich noch mit einigen Leuten zu unterhalten, Fotos zu machen und sämtliche Dinge für kleines Geld an Mann und Frau zu bringen.

Das ist auch das Schöne: Diese Nähe. Er schottet sich nach einem Auftritt nicht einfach ab und verkriecht sich irgendwo. Ganz im Gegenteil! Er hat für alle ein offenes Ohr und manchmal auch einen frechen Spruch auf Lager.

Ich trat den Weg zum Hotel an. Ohne mich dieses Mal zu verlaufen! Und ich wusste: Am nächsten Tag geht es nach Hamburg, wo Dave Hause als Support von den Bouncing Souls im Knust spielen sollte…

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