„Don’t forget your sunscreen, you’ve got to protect your new tattoo.“

IMG_20121127_153704Als mein Bruder vor vielen vielen Jahren mit seinem allerersten Tattoo um die Ecke kam, war ich diejenige, die es mit der Salbe versorgen musste. Auf seiner rechten Schulter prankte ab diesem Zeitpunkt an ein Teufelskopf. „Nicht schlecht!“, dachte ich mir damals. Später ließ sich auch meine Mutter tätowieren. Ebenfalls rechte Schulter. Und ihr dürft raten, wer da den Salbenverteiler spielen durfte! Und ab da wurde der Wunsch immer größer, mich selbst unter die Nadel zu legen. Da war ich aber erst 16 Jahre alt oder so. Gott sei Dank noch viel zu jung dafür gewesen, sonst würde ich heute mit einer Gwendoline auf dem Unterarm rumrennen. Aber jetzt- mit 25 Jahren- kann ich sagen: Der linke Unterarm ist dicht! Es wurde von einem großartigen Tätowierer gestochen. Schmerzen waren dabei, klar. Der Preis war auch ganz ordentlich. Aber all das ist es einfach mehr als wert gewesen! Ja, ich liebe mein Tattoo! Aber…

…es gibt manchmal solche Momente, wo ich einfach meinen Kopf gegen die Wand schlagen möchte. Ach nein, eher den Kopf anderer Mitmenschen!

Zum Beispiel muss man wirklich IMMER damit rechnen, dass man in irgendwelche sinnlosen Diskussionen zum Thema „Tattoo“ reingezogen wird. Irgendwann gelangt das Gespräch an einem Punkt, an dem ich mich entscheiden muss: „Soll ich jetzt lachen oder weinen?“

Meistens wird es die Mischung daraus.

Ich meine: Wenn mir Menschen sagen, dass sie es an dieser Stelle nicht mögen- alles schön und gut. Dass es zu auffällig ist. Oder einfach nicht ihren Geschmack trifft. Damit kann ich leben. Sehr gut sogar. Denn ich muss es ja gut finden und nicht die Menschen um mich herum.

Aber wenn mir eine Dame gegenüber sitzt und zusätzlich dazu sagt, dass sie wohl niemanden einstellen würde, der stärker tätowiert ist, kann ich das nicht nachvollziehen.

„…auch wenn es eine gute Arbeitskraft wäre.“ Was zur Hölle?

Was ist denn nur so schlimm daran? Wenn ich meine Arbeit zur Zufriedenheit meiner Vorgesetzten erledige- was spielt dabei dann die Rolle eines Bildes auf der Haut? Sieht man dadurch gefährlicher aus? Oder verknüpft man damit noch immer das Schwerverbrecher-Image?

Setzt doch weiter die Mädels an die Kasse, die Kilometer dick Make-up in der Fresse haben. Sieht selbstverständlich gleich viel besser aus als so ein tätowierter Assi, nicht wahr?

Die Dame zeigte mir dann  kurz ihre kleine Tätowierung. War es ein Herz? Oder doch ein Stern? Ich weiß es tatsächlich nicht mehr so genau. Jedenfalls ließ mich ihr genannter Grund den Kopf schütteln:

„Ich wollte damit meinen Freund ärgern…“

Entschuldigung, aber wie bescheuert muss man denn bitte sein? An dieser Stelle fehlten mir tatsächlich die Worte. Nur um eine Person zu ärgern, würde ich mich niemals unter die Nadel legen! Das ist tatsächlich reine Geldverschwendung. Nichts anderes. Wenn man das machen möchte für diesen kurzen „Bist du verrückt? Wie konntest du nur..?“-Effekt, dann kann man sich auch kurzerhand diese Abziehdinger besorgen. Viel billiger und verschwinden auch wieder.

Wenn ich mir Gedanken um die nächsten Motive mache, dann muss eine persönliche Bedeutung dahinter stehen. Ein Lebensabschnitt. Ein einschneidendes Erlebnis. Eine gute Zeit. Irgendwie verpackt in Farbe. Nichts banales. Nichts, was gerade im Trend liegt. Nein, danke. Das überlasse ich anderen.

 

Die andere Unterhaltung hatte ich nach einem Konzert.

„Warst du, als wir uns das letzte Mal sahen, auch schon so tätowiert?“

Alles recht harmlos. Irgendwann meinte ich, dass ich Zigaretten als Geldverschwendung ansehe. Darauf musste natürlich folgende Argumentation kommen:

Erstens: „Du hörst dich an wie meine Eltern!“

Zweitens: „Dann kann man aber auch sagen, dass die Farbe in der Haut ebenfalls Geldverschwendung ist!“

Äh. Das kann man nicht vergleichen. Tattoos hat man für immer. Das Geld gibt man dafür einmal aus und fertig. Aber wie sieht das bei den Zigaretten aus? Richtig! Diese lösen sich nach kurzer Zeit in Rauch auf. Super! Gut investiertes Geld, sag ich euch.

Auch dann bekam ich wieder ein Tattoo gezeigt. Ein kleiner Kringel im Nackenbereich. Und stolz wurde erzählt, dass man sich das Ding im Strandurlaub hat stechen lassen. Für zwei oder drei Euro. Und einen Schnaps gab es gratis dazu.

„Ich hatte etwas angst, dass sich das entzündet, wenn ich mit dem frischen Tattoo im Meer baden gehe…aber ist nichts passiert.“

Bäm. Mehr Glück als Verstand sage ich dazu nur.

Auch bei der Arbeit eckt man hin und wieder an. Ich persönlich sehe die Tattoos nicht mehr, da sie ein Teil von mir geworden sind. Manchmal bekommt man dann die Blicke von den Gästen zu spüren. Ein Blick auf den Unterarm, dann zu mir & wieder zurück auf den Arm. In diesen Momenten wünschte ich mir, dass ich ihre Gedanken lesen könnte.

Oder Kollegen, die dich deswegen (wirklich NUR wegen einer Tätowierung) in die Pfanne hauen wollen. Gehts noch? Kommt doch mal klar in eurer Polly Pocket Welt!

Und manchmal kommt es mir tatsächlich so vor, als ob man sich in den Augen anderer verändert hat. Nein, nicht nur äußerlich, sondern auch als Mensch im Allgemeinen. Und das bekommt man auch hin und wieder zu spüren.

Oder wenn man mit dem ICE rumgondelt. Relativ gut gefüllt. Neben mir ist noch ein Platz frei. So wirklich will sich trotzdem niemand setzen. „Ach, ist zwar echt voll der Zug, aber ich laufe lieber noch 6 Wagen weiter.“ Okay, auch gut. Mehr Armfreiheit für mich!

 

Aber man muss schon sagen: Die positiven Äußerungen überwiegen. Ob nun Gäste plötzlich fragen „Und- hat es wehgetan?“ oder sagen:

„Ich mag ihre Tattoos! Ich gucke schon die ganze Zeit darauf!“

Oder ob sich bei Konzerten plötzlich jemand zu mir umdreht, große leuchtende Augen bekommt und meint: „Oah, du hast dir einen Leuchtturm tätowieren lassen!? Darf ich mal sehen?“

Es ist halt einfach nur schade, wenn man Leuten begegnet, die sich vorneweg schon ein Urteil gebildet haben und sich auch nicht mehr davon abbringen lassen und man sich zeitweise wie ein Aussetziger fühlt.

Dennoch: Ich bereue meine Entscheidung nicht!

Ich liebe es, wenn mir der Tätowierer den Entwurf zeigt & ich sofort damit einverstanden bin.

Ich liebe dieses surren der Tätowiermaschine.

Ich liebe es, wenn man jeden einzelnen Strich spürt.

Ich liebe es, wenn man nach Vollendung in den Spiegel schaut und sagt:

„Es ist perfekt!“

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