To Wauz, To Life: „Wir haben alle keine Zeit. Deswegen macht was ihr wollt!“

428684_10201024352107464_1454270385_n11. Mai 2013: Ich saß um 8 Uhr im ICE nach Berlin. Auf den Ohren: Red Tape Parade. Da ist sie, die Stimme von Wauz. Die Stimme, die du außerhalb der Songs nie mehr hören wirst. Diverse Zeilen ließen einen zusammenzucken. Und ja: Es war eine leichte Furcht vorhanden. Die Furcht vor diesem Tag. Oder es war eher die Furcht vor der Endgültigkeit. Zu wissen, dass dies der finale Schritt ist. Der allerletzte Weg von Wauz, der einfach viel zu früh von uns gegangen ist.

Man saß in der Bahn Richtung Südstern. Das Herz machte Krawall und war kurz davor, sich in unzählige Einzelteile zu zerlegen. Der Brustkorb schnürte sich von Haltestelle zu Haltestelle immer mehr zusammen. Im Kopf hatte ich die Stimme, die mir immer sagte: „Was zum Teufel machst du hier? Komm, steig aus und fahr wieder zurück zum Alexanderplatz. Du warst doch erst vor zwei Monaten auf einer Beerdigung und es hat dich zerfetzt & du hast immer noch mit allem zu kämpfen. Und jetzt hast du die schwarzen Klamotten wieder an, die du erst verstaut hattest? Mach es nicht!“

Ich ließ mich nicht beirren.

Haltestelle Südstern. Die Sonne schien. Blauer Himmel. Und man verfluchte das Wetter und dachte immer an diesen Song von Farin Urlaub, welchen man am liebsten rausschreien wollte.

Kaum befand ich mich auf dem Friedhofsgelände, kamen mir auch schon wieder unzählige Erinnerungen hoch, die ich zwischenzeitlich vergraben hatte.

Es hatten sich bereits einige Menschen versammelt. Menschen, die Wauz liebten und schätzten. Und ihn sehr vermissten.

Diese ungeheure Ruhe war vorhanden, die nur von dem Vogelgezwitscher durchbrochen wurde. Innerlich machte mich das wahnsinnig. Die Zeit zog sich wie Kaugummi & ich musste ein paar Schritte gehen, weil ich es nicht auf einem Fleck aushielt.

Punkt 12.

Es wurden einige Reden gehalten. Es schmerzte. Auch da war das Gefühl da, dass man ausbrechen muss. Die Atmung wurde immer tiefer. Einen Ausgleich schaffen. Irgendwie. Ein Satz fiel, der sich bei mir innerhalb weniger Sekunden verankerte & mich seitdem ununterbrochen darüber nachdenken lässt:

„Wir haben alle keine Zeit. Deswegen macht was ihr wollt!“

Wahre Worte, die irgendwie so simpel sind, aber deren Bedeutung und Umsetzung man stets vergisst oder verdrängt. Aber das sollte man nicht. Nie mehr.

Der Gang nach draußen. Ein tiefer Atemzug. Das Vogelgezwitscher begleitete uns erneut. Jeder nahm sich die Zeit, die er brauchte, um sich von Wauz zu verabschieden. Da war sie: Die oben genannte Endgültigkeit, welche dir am Ende den Rest gibt.

Es war eine bewegende, traurige, aber auch schöne Beerdigung.

Danach ging es zurück zum Alex. Einchecken im Hotel. Man erzählt mir etwas über die Frühstückszeiten, W-Lan und anderen Kram. Und ich? Hörte nur mit einem Ohr zu und wollte schon fast sagen: „Gib mir doch einfach nur den Schlüssel für das Zimmer. Mehr brauche ich nicht. Vielen Dank!“

Gegessen hatte ich noch immer nichts und habe auch nicht mehr damit gerechnet, dass ich es vor dem Konzert noch schaffen würde. Recht hatte ich.

Stattdessen dachte ich eher über die bevorstehenden Interviews nach: „Wie wird es ankommen? Zu übertrieben? Sind die Fragen okay für diesen Anlass? Sollte ich es vielleicht doch nicht machen? Vielleicht hat die Band ja auch überhaupt keinen Kopf dafür, was ich mehr als verstehen könnte…“

Undundund.

Es kam irgendwie doch alles anders als befürchtet, aber darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt was erzählt. Auf jeden Fall möchte ich mich ganz herzlich bei Red Tape Parade für Zeit und Offenheit bedanken!

Das Bi Nuu füllte sich nach und nach. Und alle wussten, aus welchem Grund sie da waren.

Rechts auf der Bühne befand sich ein vergrößertes Foto von Wauz. Man fragte sich immer wieder, warum er jetzt nicht anwesend sein kann. Warum gerade er an dieser verfickten Krankheit sterben musste. Es ist einfach nicht fair.

Hell & Back machten den Anfang. Eine Band, die ich vorher noch nicht kannte, aber sie machten ordentlich etwas her. Genau das brauchte ich in diesem Moment: Krachende Musik, die gut zur Ablenkung funktionierte, weil man sich so sehr auf die Band konzentrierte. Gefiel mir. Definitiv. Schön auch, als sich Alexander beim letzten Song von der Bühne begab, um dort von links nach rechts laufend zu spielen.

Die Band um Nessi, CANDYCUNT, spielten sich danach in sämtliche Herzen. Sah ich die Dame vorher nur Solo und akustisch, so zeigte sie dort eine ganz andere Seite. Dieses „Mitten in die Fresse rein!“ und natürlich: schön laut! Am Ende wurde es dann doch noch ruhiger mit dem Song, den ich schon immer liebte und deren Songzeile ich für lange Zeit im Ohr hatte:

„You’re still more to me than just a line in a song.“

Zwischendrin gab es Songs von Senore Matze Rossi und Olli Schulz zu hören, die sie für Wauz geschrieben haben. Bewegend. Mehr als das.

Bevor Red Tape Parade ein letztes Mal die Bühne betraten, wurde eine kleine Leinwand auf die Bühne gestellt. Joey Cape konnte an diesem Abend leider nicht dabei sein, so nahm er zusammen mit Brian Wahlstrom einen Coversong auf, welcher gezeigt wurde. Ich weiß nicht wie es den anderen erging, aber mir verschlug es für kurze Minuten die Sprache.

Da waren sie: Red Tape Parade und Nathan Gray von Boysetsfire. Sie legten mit (Always stubborn, sometimes hateful) los. Einen Song, der bei mir einen hohen Stellenwert hat & mich bei jedem hören umhaut.

I’m tired of feeling angry, I’m tired of feeling sad.
and for once in my life I wanna focus on
on something that’s not wrong,
on something that feels right
and even if it’s just one of my favorite songs.

Ein dynamisches Konzert, wo jeder noch einmal alles gab. Die Songs spielen,485424_10151639029790960_1525955007_n die Wauz soviel bedeuteten. Es wurde mitgesungen, mitgebrüllt und genossen. Man wusste, dass man diese Lieder nie wieder hören wird- zumindest nicht auf der Bühne. Diese Erkenntnis war hart. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ich noch zu diesem Auftritt schreiben soll. Es war perfekt. Es war ein würdiger Abschied von Red Tape Parade. Von Wauz. Der letzte Song „Leap year of faith‘ hatte es in sich. Die Band spielte einfach nur, während vom Band der Text von Wauz kam. Man sah, wenn man sich umschaute, nur gesenkte Köpfe. Genau dort wurde es bewusst: Er wird nicht mehr wiederkommen. Er wird diese Songs nie mehr singen. Es ist Geschichte.

Nachdem dieser Song beendet wurde, kehrte wieder diese Ruhe ein. Diese gespenstische Stille. Hier und da vernahm man ein Schluchzen. Man fiel sich gegenseitig in die Arme.

Ich glaube, dass es Wauz gefallen hätte. Von der Beerdigung bis hin zu diesem Auftritt. Da bin ich mir ganz sicher!

Da ich wirklich keine weiteren Worte mehr finde, die diesen Abend beschreiben können, werde ich diesen Artikel einfach mit ein paar Worten von Oise beenden:

„You are lucky if your friends are musicians. Even when they are gone you can visit them anytime you want.“

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