„I feel like in kindergarten.“ Dave Hause in Saarbrücken.

IMG_3357-2Ende April beehrte uns Dave Hause wieder für einige Konzerte in Deutschland. Mit dabei hatte er Jonny Two Bags, den Gitarristen von Social Distortion. Am Nachmittag spielte Dave ein paar Songs im Plattenladen „Rex Rotari“, von dem ich wahrscheinlich nie etwas mitbekommen hätte, wenn mich nicht jemand darauf aufmerksam gemacht hätte. Als Begleitung hatte ich Jess dabei, eine leidenschaftliche Fotografin. Und sie macht ihre Sache gut, auch wenn sie hier und da einige Zweifel hat, die aber völlig unbegründet sind! Hier folgt nun ein Bericht, aus der Sicht von Jess und von mir, mit wunderbaren Fotos! Und wer weiß: Vielleicht wird ja Jess öfter mal für „Stay close to your soul“ tätig sein. Ha!

Jess: 26. April 2013: Nach der Arbeit fuhr ich rüber nach Saarbrücken und schaffte es tatsächlich noch mehr oder weniger rechtzeitig in den Plattenladen Rex Rotari. Um genauer zu sein: zu dem relativ spontanen Akustik-Gig von Dave Hause (The Loved Ones). Dort angekommen und noch etwas außer Atem vom Gehetze, konnte ich kaum fassen, dass ich es tatsächlich geschafft hatte – da stand er, sang einen Song nach dem anderen und ich wünschte mir, dass er damit so schnell nicht aufhören würde. Leider hatte ich die ersten paar Songs verpasst und er hat wohl insgesamt nur etwa 6 Songs gespielt – aber immerhin: ich war dabei und das Gehetze nach der Arbeit hatte sich definitiv mehr als gelohnt.

Jasmin: Dieses Wetter an diesem Tag. Schwül & regnerisch. Egal was man anhatte- es war definitiv das falsche! Den Plattenladen Rex Rotari fand ich auch erst beim zweiten Anlauf. Blöd, wenn man in der verkehrten Straße suchte. Da dieser Auftritt erst am Vortag angekündigt wurde, befanden sich nur wenige im Laden und warteten auf den Anfang. Irgendwann lief ich an Dave vorbei. Man sah ihm die letzten Monate regelrecht an. Die ständigen Touren, immer und immer wieder, dazwischen die Aufnahmen zum neuen Album (welches wohl im Herbst erscheinen wird!). All das hinterließ reichlich Spuren. Und ich musste an unser Interview denken. An die Frage, ob er nicht auch mal Angst vor einem Burn out hätte, weil er einfach NON STOP irgendetwas macht und sich nur selten eine Pause gönnt. Manchmal möchte man sich Dave greifen und sagen:

„Dave. Pass gut auf dich auf! Versprichst du mir das?“

Egal, wie müde er einen erschien: Er holte immer das Beste aus sich raus. Ich frage mich immer wieder, wie Dave das anstellt. Wirklich an jedem Tag/jedem Abend 100% zu geben, meistens sogar darüber hinaus. Respekt dafür!

Der Auftritt war kurz, aber intensiv! Ich hätte mir wahrscheinlich sehr in den Arsch gebissen, wenn ich davon erst im Nachhinein erfahren hätte. Deswegen ein herzliches DANKESCHÖN an Gisbert, der mir davon erzählte!

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Jonny Two Bags.

Jess: Anschließend erst mal Jasmin ‚Hallo‘ gesagt  und – wenn man eh schon im Plattenladen war – noch 2 neue CDs von Joey Cape (Lagwagon) gekauft.
Nachdem wir uns kurz im Hotelzimmer von Jasmin erholt und eine Kleinigkeit gegessen hatten, haben wir uns dann aufgemacht Richtung Club. Mit Kamera. Uff.
Dort angekommen hatte es dann auch tatsächlich und Gott sei Dank hingehauen:  ich durfte – auch ohne Fotopass- mit Kamera rein. Dann hieß es wieder warten.
Pünktlich um 20h stand kein geringerer als der Gitarrist von Social Distortion, aka ‚Jonny Two Bags‘ auf der Bühne. Mit Akustikgitarre. Ich muss gestehen, dass ich seine Musik, die er Solo macht, noch nicht kannte. Das gesamte Konzert habe ich aber mehr als genossen. Wobei: das Publikum war wohl nicht ganz der gleichen Meinung. Zumindest haben sich, für mein Empfinden, viel zu viele Leutchen um mich rum lautstark unterhalten. Fand ich schade. Ob denen bewusst war, was die dadurch verpasst haben?!
Plötzlich quatschte mich ein etwas angetrunkenes Mädel an: „Ey, du an meiner linken Seite! Wie heißt du?“ Ich sah sie nur verwundert an, woraufhin gleich ein “Wir werden das Konzert gemeinsam erleben, dann darf ich doch auch erfahren, wer neben mir steht, oder?“ folgte. Ich versuchte sie freundlich abzuwimmeln. Funktionierte nicht ganz.
Ich versuchte mich nichtsdestotrotz voll auf das Konzert zu konzentrieren, machte hier und da ein paar Fotos – plötzlich ertönte wieder ein: „Bist du eine professionelle Fotografin? Wo kann man die Fotos später sehen?“ Langsam war ich etwas genervt. Ich mag es einfach nicht, wenn man mich während eines Konzertes vollquatscht.  „In ihrem Blog.“ antwortete ich nur kurz und knapp. Sie hörte nicht auf zu reden. Ich erklärte ihr daraufhin, immer noch (recht) freundlich aber bestimmend: “Frag mich nach dem Konzert noch einmal.“ Sie gab noch immer nicht wirklich Ruhe, aber ab dem Zeitpunkt ignorierte ich sie nur noch.
Jonny Two Bags hingegen schien die Ruhe in Person zu sein. So wirkte er zumindest auf mich. Er erzählte davon, dass er genau das Leben führen darf was er immer führen wollte, wie dankbar er dafür ist und widmete u.a. auch einen Song an ‚George Jones‘, der an diesem Tag verstorben ist.
Ich mochte ihn und seine Musik auf Anhieb – aber wie es bei solchen Konzerten öfters der Fall ist: auch dieses Konzert ging  viel zu schnell vorbei.
Danach kurze Pause – in der wir nochmal von dem Mädel neben mir ‚entertained‘ wurden – Gott sei Dank hat sie danach aber endlich und für den Rest des Abends Ruhe gegeben.

Jasmin: Ich mag es ja überhaupt nicht, wenn man sagt: Hier, du stehst +1 auf der Gästeliste. Bei mir wächst dann vor dem Konzert die Angst, dass irgendwas nicht funktioniert und ich am Ende vor verschlossener Tür stehe. Besonders, wenn es sich um ein ausverkauftes Konzert handelt, für welches man viele Stunden mit dem Zug unterwegs war. So auch an diesem Abend: Es regnete, der Einlass verzögerte sich auch noch um einige Minuten. Man machte sich Gedanken: Was, wenn das jetzt nicht funktioniert? Werden wir dann versuchen an den muskulösen Türstehern vorbeizukommen? Je näher man der Tür kam, desto mehr stieg die Anspannung. Dann stand man da. Auf der Gästeliste wurde der Name gefunden. Aber was hab ich Depp im Hotelzimmer vergessen? Genau! Den Personalausweis! Innerlich schlug ich meinen Kopf gegen die Wand. Ich kramte in sämtlichen Taschen und betete, dass ich irgendetwas finde, wo zumindest mein Name draufstand. Und was soll ich sagen? Meine Bankkarte rettete uns! Einen schicken Fotopass gab es nicht, aber immerhin die mündliche Zusage, dass das alles klappt. Top!

Wenn ich eines hasse, ist es ja direkt in der Mitte zu stehen. Wie unangenehm. Aber das war der Platz, der noch frei war & von welchem man gute Fotos hinbekommen kann. Da Jess nur ungern alleine dort stehen wollte –was ich wirklich verstehen konnte- gesellte ich mich dazu. Kurze Zeit später betrat Jonny Two Bags die Bühne, der Gitarrist von Social Distortion. Auch ich kannte seine Musik vorher nicht. Hörte nur einige Tage davor kurz rein. Er war das ganze Gegenteil von Dave: Ruhig. Gelassen. Und keineswegs hibbelig. Leider konnte man nur schlecht verstehen, was er zwischen den Songs erzählte. Was auch daran lag, dass das Publikum keinen Respekt zeigte und sich immer mehr unterhalten mussten. Leute, ganz ehrlich: Ihr bekommt den Stempel auf eure Hand doch nicht umsonst, oder? Wenn euch die Musik nicht zusagt und ihr in der Zeit lieber etwas anderes machen wollt: Dann macht das. Aber bitte vor der Tür! Rein kommt ihr immer wieder. Denkt mal drüber nach. Wir müssen uns immer notgedrungen euer Gequatsche anhören und wenn wir euch bitten, doch die Fresse zu halten, stehen wir als die blöden Spießer da. Irgendwas läuft da doch verkehrt. Meint ihr nicht? Lange Rede, kurzer Sinn: Mir tat Jonny mehr als leid. Denn das hat einfach kein Musiker verdient. Punkt!

Dave Hause.
Dave Hause.

Jess: Dave Hause – so klein er auch sein mag – ist eine Wucht auf der Bühne. Mit irrsinniger (positiver) Energie gewinnt er das Publikum innerhalb von Sekunden für sich. Stampfte wie gewohnt den Takt lautstark mit dem Fuß mit, sodass ich Angst haben musste, dass seine Flasche Wein irgendwann auf meiner Kamera landet.  Er grinste und war sichtlich glücklich. Bewegte sich viel auf der Bühne, rannte von links nach rechts, animierte das Publikum, spielte neue und alte Lieder und scheute auch nicht davor, die Mädels zurechtzuweisen, nachdem die auf mehrmaliges Bitten hin immer noch nicht mit dem Quatschen aufhörten.

„Do I have to seperate you four?“ Aber selbst darauf reagierten die Mädels eher genervt.
„I don’t give a fuck – just have a good time!“ und spielte dann wieder weiter. Erst später, als er das Publikum darum bat sich in 2 Gruppen aufzuteilen, kam er nochmal auf die Mädels zu sprechen –  zuhören sollten sie zumindest jetzt – und mitmachen. Das Publikum sang lautstark mit und Dave rannte plötzlich von der Bühne auf die Theke und riss dabei das Kabel aus dem Verstärker. Egal – dann halt unplugged.
Auch das Konzert war viel zu schnell vorbei –  zweimal kam Herr Hause nochmal raus und hat Zugaben gespielt. Beim letzten Song meinte er nur: „That’s the very last song, I don’t have more. Thanks again for coming“.
Somit neigte sich ein großartiger Abend dem Ende zu. Danke an dieser Stelle nochmal an Jasmin – ohne die ich dass alles nicht hätte miterleben dürfen.
Und an alle diejenigen da draußen, die Dave Hause noch nicht live erleben durften – macht es. Ihr werdet es nicht bereuen.

Jasmin: Dave Hause. Zuletzt hatte ich diesen Musiker bei der Gaslight Anthem-Tour im letzten Jahr gesehen, wenn ich mich nicht ganz irre. Oder halt einige Stunden zuvor im Plattenladen. Der kleine Club war restlos gefüllt. Das Thermometer krabbelte immer weiter nach oben. So fing bereits Dave nach wenigen Songs an zu schwitzen und verabschiedete sich recht schnell von seiner Jacke. Da man so weit vorne stand, sah man jeden einzelnen Schweißtropfen, der sich auf seiner Haut befand und irgendwann auf den Boden –oder eben auf die Setlist- tropfte. So wich man automatisch etwas zurück, wenn er auf unsere Seite lief und nur wenige Zentimeter vor uns stand. Aber auch vor der Gitarre nahm man sich etwas in Acht. Warum standen wir noch gleich in der Mitte? Achja, Jess wollte ja Fotos machen! Ich glaube, dass ich schon in anderen Konzertberichten schrieb, dass man sich nicht zu auffällig in seiner Nähe benehmen sollte. Denn wenn Dave ein Opfer gefunden hatte, dann bringt er über den Abend verteilt einen Spruch nach dem anderen hervor, der meistens kein Auge bei dem übrigen Publikum trocken lässt. Dieses Mal erwischte es ein paar Leute an der Bar, welche sich auf der rechten Seite befand. Jedenfalls schnallten sie nicht so richtig, was Dave von ihnen wollte und machten munter weiter. Als er die Mädels auch nach dem x-ten Male ansprach, verdrehte zumindest das eine Mädel schon genervt die Augen.

389105_10200938805808860_1399306221_nEin anderer Typ schrie ab und an „True Believers“ ( The Bouncing Souls! Liebe!) in Dave’s Richtung. Aber in keiner nervigen Art und Weise. Es war eher amüsant. Er bot dem Typen an, auf die Bühne zu kommen, und diesen zu spielen. Oder sollte er nur singen? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Er lehnte das Angebot dann doch lieber ab. Schade eigentlich. Aber ganz ehrlich: es würden sich auch nur die wenigsten auf eine Bühne trauen. Mich eingeschlossen.

Besonders der Song „Years from now“ war atemberaubend. Wie sich der Song sekündlich steigerte und die ganzen Emotionen, die er reinsteckte. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sehr es mich berührte.

Es tat so unsagbar gut, ihn wieder zu sehen. Diese Stimmung aufzusaugen. Da gibt es tatsächlich einen Vorteil, wenn man ganz vorne in der Mitte steht: Man kann auch mal für kurze Zeit die Augen schließen und sich dem Publikumschor hingeben, der lautstark von hinten kam.

Ein gelungenes Konzert. Mehr als das. Und ich freute mich bereits, dass ich ihn ein paar Tage später in Hannover und Münster wiedersehen würde.

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