„Einfach nur zu lächeln ist ein herrlicher Protest.“

DSC01127Die letzten Wochen und Monate hatten es sprichwörtlich in sich. Meine kleine Welt bestand größtenteils aus Trauer, Tränen, Zweifel und diversen Erinnerungen. Bauchschmerzen. Wenig Schlaf. Leere. Und diesen unbeschreiblichen Schmerz, der sich im gesamten Körper ausbreitete. Zerschmettert fand man mich am Boden wieder. Am 1. März befand ich mich auf der Beerdigung und halte es selbst jetzt nicht lange am Grab aus. Wenn mir dann Menschen gute Ratschläge erteilen wollen, die sich ungefähr so anhörten: „Es war besser so. Also Kopf hoch. Trauer ausschalten.“ Alles klar. Vielen Dank für dieses Gespräch! Für solche Äußerungen hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Wo kommen wir denn hin, wenn mir jeder vorschreiben möchte, wie ich mich zu verhalten habe? Klar, es gehört zum Leben dazu, keine Frage, aber hat man dann trotzdem nicht das „Recht“, angemessen zu trauern? Sich seine Zeit zu nehmen? Verdrängen kann ich nicht. Und wenn, dann würde es irgendwann mit einem ziemlichen Aufprall enden. Irgendwann.

Am 11. Mai stand ich schon wieder auf einem Friedhof. Die Sonne schien. Die Vögel zwitscherten. Man verfluchte das Wetter. Da stand ich nun, hielt es kaum aus. Die ganzen Erinnerungen stiegen erneut hoch und holten mich ein. Mein Kopf arbeitete unaufhörlich. Wegrennen? Bleiben?

Bleiben.

Hat man es nicht mehr geschafft, sich bei Joey Cape in Berlin zu treffen, dann halt hier und jetzt. Ein letztes Mal.

So schmerzhaft die ganzen letzten Monate auch waren: Ich habe einiges gelernt.

Durch Menschen, mit denen ich sprach. Denen ich zuhörte. Angefangen bei Joey Cape, aufgehört bei den Jungs von Red Tape Parade. Etliche Aussagen brannten sich tief bei mir ein.

Man sollte das Leben viel mehr genießen. Sich an den Kleinigkeiten erfreuen, die irgendwann leider zur Gewohnheit geworden sind.

Man sollte sich öfters ins Gedächtnis rufen, dass jeder nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung hat. Da man nie weiß, wann diese endet, sollte man sich diese gut einteilen. Klar, das wird nicht immer reibungslos funktionieren. Aber es sich lieber einmal mehr vor die Augen halten, als einmal zu wenig.

Sich manche Dinge nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Sich nicht über die Sachen aufzuregen, die es nicht wert sind, dass man sich darüber sinnlos den Kopf zerbricht. Das lerne ich gerade. Mich nicht verunsichern zu lassen. Mich nicht weiter mit Menschen abzugeben, die mich am laufenden Band nur enttäuschten und auch die zehnte Chance nicht wahrnehmen wollen. Sich eher an die Menschen zu halten, die man mag. Die man liebt.

Einfach das machen, was man für richtig hält. Entweder in diesem kurzen Moment oder längerfristig betrachtet. Wichtiges vom Unwichtigen trennen.

Sich ab und an etwas gönnen. Nicht auf dem Geld sitzen zu bleiben. Denn ganz ehrlich: Was will man mit mehreren tausend Euro im Jenseits anstellen? Jemand eine Idee? Nein? Dachte ich mir!

Alles mitnehmen was geht. Für mich sind das die Konzerte. Geht es halt einfach nach London, um sich The Gaslight Anthem anzusehen. Und? Oder nach Wien. Oderoderoder. Sich tätowieren lassen. Scheiß doch drauf, was deine Nachbarn über dich denken. Entweder sie fragen dich nach dem tieferen Sinn oder lassen es. Jeder hat da so seine eigene Leidenschaft, die er gerne auslebt. Und das sollte nicht zu kurz kommen. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Eh ich das kapiert habe.

Sich von der Depression nicht unterbuttern lassen. Ankämpfen, damit sie dich nicht wieder zu Boden wirft, wo du viele Wochen regungslos liegen bleibst. Auch mal Hilfe annehmen.

Einfach das zu schätzen wissen, was man hat. Denn wenn man sich so umsieht, dann geht es so vielen Menschen schlechter als uns. Warum meckern wir eigentlich ständig? Sind wir nicht in der Lage die Dinge zu ändern, die uns stören? Ist es nur die Faulheit? Einen Schlussstrich zu ziehen und in einer anderen Stadt ganz von vorne anzufangen?

Man sollte spontaner werden. Das Auge schulen, damit man sich nicht nur von unwichtigen Quatsch umgibt.

Für mich ist dieser Schlussstrich gerade zum Greifen nah. Und was soll ich sagen? Ich freue mich drauf! Es fühlt sich richtig an. Das ist es, was am Ende doch zählt, oder?

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