Vinyl? CD? Oder doch MP3?

IMG_20130731_125905Ja, zugegeben: Dieses Thema wurde schon überall mehr als ausgeschlachtet. Aber noch nicht bei mir! Es fällt mir halt jeden Tag aufs Neue auf. Mehr im Unterbewusstsein. Aber es fällt auf. Und die immer wiederkehrende Frage, ob ich mich auch mal mit MP3 anfreunden könnte. Jemals. Aber die Antwort bleibt gleich: Nein, das werde ich nicht. Ich möchte es ehrlich gesagt auch überhaupt nicht. Menschen, die die Musik lieben und schätzen, möchten sich mit diesem platten Format nicht lange auseinandersetzen (müssen). Oder irre ich mich komplett?

Wir sind Jäger und Sammler. Der kleine Plattenladen um die Ecke ist unser Wald. Die meist engen Gänge durch die Regalreihen unsere Trampelpfade. Es muss alles inspiziert werden. Stundenlang kann man sich in solchen Läden aufhalten. Ständig entdeckt man irgendwelche CDs von den Lieblingskünstlern, die man noch nicht besitzt. Oder es lächelt einem gegenüber ein Plattencover verschmitzt an und man wird wie von unsichtbarer Hand zu diesem gezogen.

Ich bin ja tatsächlich froh darüber, dass keine Einkaufswagen vor Plattenläden stehen. Stellt euch doch nur mal vor: ihr schiebt diesen Wagen vor euch her. Groß ist dieser- aber auch leer. Schrecklich leer! Und wer kennt es nicht aus dem Supermarkt? Es landen Dinge im Wagen, die man eigentlich nicht auf dem Zettel stehen hatte. Genau so würde es im Plattenladen laufen: „Och, hübsches Cover! Wird mitgenommen!“ oder „Oh, dieses Album fehlt noch in meiner Sammlung!“ Zack. Eingepackt! Auf dem Weg zur Kasse schaut man über die Ausbeute, aber der Wagen scheint noch immer sehr leer.

„Der Verkäufer würde mich doch auslachen, wenn ich ihm nur die paar Teile auf dem Tresen packe. Ich dreh noch eine letzte Runde!“

Bäm! Der Wagen wird voller. Man vergisst die Zeit, weil man sich immer mehr in der Musik verliert, quasi. Und siehe da: Am Ende verlässt man den Laden mit einer vollen Tasche und einer leeren Geldbörse. Kurz gesagt: Alles richtig gemacht!

Kaum hat man die Wohnungstür hinter sich geschlossen, folgt der nächste Teil: das Auspacken und Grabschen!

Das kennen die Leute überhaupt nicht, die sich nur von dumpfen MP3-Titeln „ernähren“. Die Leute müssen nur hier und da mal einen Klick abgeben, das war auch schon die ganze Prozedur!

Man wirft sich in die Gammelklammotten, verteilt seine Beute vor sich auf dem Tisch. Man weiß nicht wo man anfangen soll. Welche Platte wird als erstes aufgelegt? Welches Booklet wird durchstöbert? Man betrachtet das Cover. Entdeckt entweder viele Details und macht sich selbst ein Bild darüber oder bewundert die Schlichtheit, die es dennoch in sich hat.

Man kommt sich vor wie ein Kind im Spielzeugparadies. Die Augen werden immer größer, sie glänzen. Man rennt von A nach B und wieder zurück. Man fühlt sich frei und konzentriert sich nur auf das Wesentliche. Alles um einen herum wird ausgeblendet.

Es gibt nur dich und die Musik. Du legst die Platte auf und lässt die Nadel vorsichtig sinken. Die ersten Töne. Die ersten Textzeilen. Das Booklet in der Hand, teilweise die Texte mitlesend. Aber dann hast du die Momente, wo du es zur Seite legst. Man schließt die Augen und saugt alles in sich auf. Jedes Detail. Jede Stimmlage. Jedes Instrument.

Und wie sieht das bei einem runtergeladenen Song oder Album aus? Trostlos. Man hört es sich zwar an, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man nebenbei mit Facebook und diversen anderen Internetseiten beschäftigt ist und man überhaupt nicht mitbekommt, was man gerade hört. Am Ende verlieren sich die Songs irgendwo in den Unweiten vom Computer und winseln leise um Aufmerksamkeit.

Okay, ich habe mir tatsächlich ein einziges Mal etwas über Amazon runtergeladen. Wauz hatte mich vor ein paar Monaten neugierig gemacht. Er brachte mir Scott Garth näher, der mir vorher unbekannt war. Er meinte, dass ich mir unbedingt den Song „Anecdote“ von Bad Astronaut anhören sollte, da auch Scott dort einen kleinen Part mitsingt und es wirklich großartig wäre. Und er hatte verdammt nochmal recht! Danke, Wauz!

Das war tatsächlich der Song, den ich mir irgendwo für kleines Geld als MP3 geholt habe. „Anecdote“ läuft noch ziemlich oft bei mir.

Aber ansonsten mache ich tatsächlich einen großen Bogen um dieses Format. Es interessiert mich einfach nicht.IMG_20130731_125607

Oder was man sich manchmal auch angewöhnt: man besitzt ein Album bereits auf CD. Es ist ein Lieblingsalbum. Dieses möchte man dann –selbstverständlich- auch auf Vinyl besitzen. So geht es mir jedenfalls. Außerdem bildet man sich ein, dass es auf Vinyl besser als auf CD klingt. Wahrscheinlich ist es tatsächlich so. Allein schon dieses kurze Knistern, bevor der Song überhaupt anfängt.

Ihr merkt schon: eine gewisse Abneigung ist bei mir gegeben, wenn es um den Downloadkram geht. Am Ende bleibt es eh eine reine Geschmackssache und es kann sich jeder Gott sei Dank aussuchen, was ihm lieber ist.

Ich für meinen Teil bleibe ein Leben lang Jäger und Sammler.

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Ein Gedanke zu “Vinyl? CD? Oder doch MP3?

  1. Ich bin auch Jäger und Sammler, seit 33 Jahren,
    und kann deine doch sehr konservative Meinung so gar nicht teilen. Ich habe vor drei Jahren komplett umgestellt auf MP3 und vermisse weder CD noch Schallplatte. Seitdem ich MP3 höre, hat sich mein Musikgeschmack verbreitert. Blues, Chansons, Jazz – keine Unbekannten mehr in meinem Universum. Es gibt nichts Aufregenderes als der Gedanke, dass sich in meinem Wohnzimmer der größte Plattenladen der Welt befindet. Ich kann mir jedes Album der Welt, wann ich will, herunterladen. Fantastisch. Die Audioqualität könnte ein Argument dagegen sein. Aber für mich ist es ok, und du führst es auch nicht auf. Also – let us agree to disagree.

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