Evakuierung, Unwetter & Konzerte – Tourleben am Limit.

Foto: Stadtjugendring Langenau
Foto: Stadtjugendring Langenau

Dieses Hobby „Musik“ frisst viel Zeit & Geld. Meinen zumindest die Außenstehenden- und im Grunde stimmt das auch. Aber hat das nicht fast jedes Hobby an sich? Wenn man eine regelrechte Leidenschaft dafür aufbringt, die einen nicht mehr loslässt. Die Freizeit wird geopfert, um sich mit neuer Musik auseinander zu setzen. Man denkt über neue Artikel nach, bereitet Interviews vor oder tippt bereits geführte in mühseliger Kleinstarbeit ab. Dennoch macht man es gerne. Freiwillig. Dann haben wir neben diesen Sachen noch die Konzerte. Für einen Abend ist man in einer anderen Welt. Dort interessiert nur das Dargebotene und der Arsch namens Alltag kann sich immerhin für ein paar Stunden verpissen. Was ich aber besonders hasse: wenn mir irgendwelche Menschen dieses Hobby ausreden wollen. Nur mit der Begründung, dass das alles viel zu teuer wäre und man doch andere Sachen mit dem Geld anstellen könnte. Wenn man keine Ahnung hat…

Klar besuche ich viele bis sehr viele Konzerte in einem Jahr. Größtenteils auch von Musikern, die ich vorher schon über 20x gesehen habe. Aber solang es nicht langweilig wird- was solls? Musik. Konzerte. Blogarbeit. All das hält mich am Leben und es wird für immer ein Teil von mir bleiben.

Da ich eine kleine Konzertdurststrecke hatte, entschied ich mich dafür mir den Deutschland Pass von der DB zu besorgen. Das heißt: Für einen Monat in irgendeinen Zug steigen, sich um keine Fahrkarte kümmern, durch die Gegend fahren und am Abend ein Konzert besuchen. Klingt doch mehr als verlockend, oder?

So zog es mich am 2. August nach Stuttgart. Das hieß: Fast 8 Stunden -mit Umsteigerei- im Zug verbringen. Es klappte am Anfang auch recht gut. Bis ich in Mannheim umsteigen musste. Was stand da an der Anzeige? Genau, 80 Minuten verspätet! Ich war so schon etwas spät dran und konnte somit schon den Auftritt von Leif Marcussen vergessen. So stand ich da, schaute auf die Anzeige für den nächsten Zug nach Stuttgart- 60 Minuten später. Bäm. Dass ich nicht völlig ausrastete lag an der ungeheuren Hitze. Es wurde jeglicher Rumpelstilzchen-Sprung vermieden. So nahm ich dann einen anderen Zug, der „nur 15 Minuten später ankommen sollte.

Endlich in Stuttgart angekommen freute ich mich darauf, dass mich Tigeryouth vom Bahnhof abholen würde, so war jedenfalls der Deal. Den ließ er prompt per SMS platzen, da ja Leif Marcussen gleich anfangen würde. Das hatte mir nun auch noch gefehlt. Ich hatte das Gefühl, dass sich wirklich ALLES und JEDER gegen mich gestellt hatte. Von der Bahn bis zu Tigeryouth. Ich war genervt und hatte nur noch wenig lust den Auftrittsort mit der immer schwerer werdenden Tasche auf der Schulter zu suchen. Dazu kam: Selbst Stuttgart hatte etwas gegen mich. Diese riesige Baustelle war ein einziger Irrgarten und man kam nicht vernünftig über die Straße. Somit kam ich tatsächlich noch genervter und geschaffter im vierten Stock an.

Tigeryouth&Leif Marcussen. Foto: Fabian
Tigeryouth&Leif Marcussen. Foto: Fabian

Man hatte einen guten Ausblick, das entschädigte zumindest etwas. Schon ertönten die ersten Songs von Tigeryouth. Bei mir war das Problem, dass ich noch nicht ganz an- und runtergekommen war. Ich konnte mich nicht 100%ig auf ihn konzentrieren, was natürlich mehr als schade war. Dennoch war ich froh, dass ich ihn mir mal wieder ansehen konnte, denn dieser kleine Schreihals hat schon eine ganze Weile einen Platz in meinem Herzen.

Die Hitze stieg, bei Tigeryouth übernahm langsam aber sicher der Schweiß die Oberhand. Bis zur sichtlichen Erschöpfung spielte er sich um Kopf und Kragen und das hinterließ mächtig Eindruck bei dem Publikum. Ich weiß noch, dass er einen ganz neuen Song spielte, leider habe ich nicht mehr im Kopf wie der Titel heißt. Aber da stiegen mir die Tränen in die Augen, weil mich die Zeilen zurückwarfen. An den Punkt, an dem ich mit meiner Kraft am Ende war und die Reißleine fast zu spät zog.

Nachdem Tigeryouth noch eine kleine Zugabe im Sitzen spielte, machte ich bald darauf schon wieder los.

„Kommst du morgen mit uns mit?“

Ich zögerte. Nach Langenau oder doch lieber nach Wiesbaden? Langenau gewann. Umsonst & Draussen. Akustik.998832_466544353435413_1366787388_n

Den restlichen Abend verbrachte ich bei Frau Z., die es leider nicht zum Konzert schaffte. Aber wir wurden gut von einem Mutanten, Julian, Alfred und von dem Aquarium unterhalten. So soll das sein!

3. August

Am nächsten Tag holten mich Tigeryouth und Leif Marcussen mit dem Auto ab. Achja, Klimaanlage gab es nicht, wurde nebenbei erwähnt. Gut, gibt schließlich schlimmeres. Die Jungs tobten sich in einem riesigen Musikgeschäft aus, danach wurde etwas Proviant geholt. Übrigens ein vorbildlicher Fahrer, dieser Schreihals. In Langenau angekommen, auf einer kleinen Wiese gelandet, wo gerade alles für den Abend aufgebaut wurde. Ich war gespannt, kannte ich doch die anderen Musiker nicht, die dort spielen sollten. Ob es mir gefallen würde? Die „Pausenmusik“ gab ab und an Songs von Hot Water Music wieder, was ich sehr befürwortete. Schon dachte ich daran, dass ich bald ein Interview mit dem mächtigen Chuck Ragan führen werde. Passend zur Pausenmusik gab es auch ein schickes HWM-Tattoo zu sehen.

Solitary Hearts (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Solitary Hearts (Foto: Stadtjugendring Langenau)

Das Wetter hielt. Für den Anfang. Als erstes war die dreiköpfige Band „Solitary Hearts“ an der Reihe. Das Publikum verteilte sich sitzenderweise vor der kleinen Bühne und war -wie ich- mehr als begeistert. Und wer auch noch einen Song von Chuck Ragan covert, der muss nicht mehr viel tun um mich zu überzeugen. Während der letzten Songs spürte man schon den einen oder anderen Regentropfen auf der Haut, aber es hielt sich noch gut in Grenzen.

Harry Gump danach. Schaute ich mir von der Seite an, denn ein Wolkenbruch plus einem kleinen Gewitter zwang die Leute dazu, sich schnell einen trockenen Platz im Zelt zu suchen. Dennoch tat das der Stimmung keinen Abbruch- ganz im Gegenteil. Immer wieder verblüffend, wie nur zwei Musiker die Menschen mitreißen können. Manch Refrain wurde lauthals mitgebrüllt.

Harry Gump. (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Harry Gump. (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Fallstring. (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Fallstring. (Foto: Stadtjugendring Langenau)

Der nächste junge Mann war an der Reihe. Allein stellte er sich ans Mikro. Fallstring sein Name. Er hat mich förmlich aus den Socken gehauen. Es war verblüffend: er spielte die ersten Songs und sofort hatte ich das Gefühl, dass der deutsche Dave Hause vor mir stehen würde. Zumindest von seinem Auftreten her. Die Stimme erinnerte dann wieder eher an Chuck Ragan. Eine explosive Mischung! Er vermittelte ohne große Anstrengung seine Leidenschaft zur Musik. Durch Blickkontakt mit dem Publikum und hier und da ein verschmitztes Lachen hat er selbst die letzten Skeptiker überzeugt. Wahnsinn. Ich warte ja nur darauf, dass Fallstring Dave Hause supporten wird- oder eher umgekehrt? Man weiß es nicht. Starker Auftritt! Somit musste ich mir danach noch eine Platte zulegen, auch wenn ich wusste, dass ich diese die ganze Zeit mit mir rumschleppen müsste.

Leif Marcussen. (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Leif Marcussen. (Foto: Stadtjugendring Langenau)

Leif Marcussen. Mit einer Haarpracht, bei der wohl jedes Mädel einen gewissen Neid aufkeimen lassen würde. Er verzichtete auf das Mikro und stellte sich stattdessen mit auf die Wiese, Umringt vom Publikum, die ihm andächtig zuhörten. Tigeryouth unterstützte als eine Art Backgroundsänger. Darf ich das jetzt so schreiben? Ach, ich mach das jetzt einfach mal. Mit englischen Texten, einer klaren Stimme und Hummeln im Hintern zeigte auch er, dass er sich nicht hinter den anderen Musikern verstecken musste.

Tigeryouth war der letzte auf der Liste. Headliner nenn ich das jetzt mal. Obwohl alle Headliner waren, in meinen Augen. Auch er verzichtete auf das Mikro. Bei ihm auch kein Problem, denn die Lautstärke errreicht er auch so spielend. Das Publikum schon gut angeheitert, aber in keiner Art und Weise nervig. Das erlebt man auch nicht oft, muss man sagen. Tigeryouth rundete diesen großartigen Abend perfekt ab. Jeder war zufrieden, man sah es in sämtlichen Gesichtern.

Tigeryouth. (Foto: Stadtjugendring Langenau)
Tigeryouth. (Foto: Stadtjugendring Langenau)

Danach ging es im Zelt weiter. Solitary Hearts, Harry Gump, Tigeryouth und Leif Marcussen spielten einen Klassiker nach dem nächsten. Es wurde ausgelassen gefeiert und mitgebrüllt.

Man muss schon sagen: Wunderbare Sache, die dort in Langenau auf die Beine gestellt wurde. Hut ab und weiter so!

4. August

Unwetter zog über Langenau auf. Der Sprint ins Auto gelang halbwegs. Der Wind frischte auf, der Regen wurde noch stärker, Äste befanden sich verteilt auf der Straße.

Während die Jungs weiter nach Regensburg fuhren, stand ich am Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Natürlich kam dieser später- wegen dem Unwetter! War ja klar. Meine Pechsträhne mit der Bahn sollte anhalten. Dennoch kam ich gegen 19 Uhr im Hotel in Wiesbaden an. So konnte ich immerhin noch für eine halbe Stunde die Füße hochlegen, eh ich los zum Schlachthof zu Irish Handcuffs und Teenage Bottlerocket musste.

Das Wetter: nicht zu warm und nicht zu kalt. Geradezu perfekt! Ich setzte mich bis kurz vor 21 Uhr vor den Schlachthof. Stempel abgeholt und pünktlich zum ersten Song von Irish Handcuffs betrat ich den Club. Sah ich sie das eine Mal noch im kleinen Lala (Sauna-) Studio in Leipzig spielen, hatte man dort genug Luft und Raum zum Atmen. Auch mal eine interessante Erfahrung. Gott sei Dank waren einige Leute da, um sich die Vorband anzusehen. Da die meisten im Takt mitwippten, kann man davon ausgehen, dass es gefiel, was die Handcuffs an dem Abend ablieferten. Erholt sahen sie aus, neid stieg in mir hoch. Ich hatte noch genau das Bild vom Freibad vor den Augen, welches sie Stunden zuvor bei Instagram oder Facebook posteten. So lebt es sich also als „Rockstars“. Mir gefiel der Auftritt und von mir aus hätten sie noch eine Weile spielen können. Aber man kann ja nicht alles haben. Nicht wahr?

Irish Handcuffs.
Irish Handcuffs.

Danach Teenage Bottlerocket. Das blöde: Nach dem zweiten oder dritten Song hatte ich tatsächlich keine lust mehr auf diese laute Musik. Außerdem würde ich diese Band eh in den nächsten Tagen nochmals sehen können. So verließ ich den Club und schlenderte zurück zum Hotel, wo mir relativ schnell die Augen zufielen.

Am nächsten Tag schlief ich etwas länger, da man sich mit dem Auschecken bis 12 Uhr Zeit lassen konnte. Tja, wäre ich mal zwei Stunden eher losgefahren, dann hätte ich folgende Situation nicht mitbekommen:

Der ICE, der bis nach Berlin durchfahren sollte, hatte anderes im Sinn. Er streikte. Nachdem wir vielleicht 40 Minuten unterwegs waren, hielt der Zug auf offener Strecke. Gut. Nichts ungewöhnliches eigentlich. Bis dann die Durchsage kam, dass die Zugbegleiter doch bitte mit einem F-Gerät in den ersten Wagen kommen sollten. Viele dachten sich: Häh? F-Gerät? Was soll das denn sein? Tja. Als einige Zugbegleiter mit Feuerlöschgeräten durch die Gänge liefen, fiel der Groschen. Das war kein gutes Zeichen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein anderer Zug musste her, die Leute wurden evakuiert. Die Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel, Klimaanlage fiel schon am Anfang aus. Der Zug heizte sich auf. Während ich an einer geöffneten Tür saß, ließ ich den anderen den Vortritt. Ich bin jung, ich halte das besser aus als die älteren Menschen oder Müttern mit ihren Kindern. So verließ ich den Zug bestimmt erst 2 1/2 oder 3 Stunden später. Feuerwehr, Bahnmitarbeiter, Sanitäter und Polizisten hatten alles unter Kontrolle. Es gab keine Panik, alles lief tatsächlich ganz gut ab. Dennoch muss ich solche Situation nicht noch mal haben.

Ich war froh, dass ich nach langen 10 Stunden endlich meine Heimat erreichte, fiel dennoch erst gegen 2 Uhr ins Bett. Fix und fertig! Und ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, wie schlecht es mir am nächsten Tage ging, da mir diese drei Tage besonders in den Knochen steckten.

Aber trotzdem: Es ist die Leidenschaft die treibt.

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