Musik nervt.

DSC01564Manchmal, jedenfalls. Ich liebe Musik vom ganzen Herzen. Keine Frage! Dennoch gibt es Momente, in denen ich sie regelrecht verfluche. Vielleicht kennt ihr das ja auch: man schaut sich diverse Musikvideos an und stolpert dann plötzlich über den einen oder anderen Song, der dich ruckartig und ohne Vorwarnung am Genick packt und dich zu einer Zeit in deinem Leben zurückbringt, welcher man nur mit der allergrößten Anstrengung entkommen ist. Man denkt, dass man damit längst abgeschlossen hätte, aber in Wahrheit hat man es nur tief vergraben. Das heißt: kommt dir dann ein Song in die Quere, bricht alles wieder auf. Ähnlich wie ein Vulkan, der nach einem langen Stillstand erneut anfängt im Inneren zu brodeln. Dann sitzt man da- unfähig den Song zu stoppen. Unfähig die Ohren zuzuhalten. Unfähig wegzurennen. Man verfällt in Trance.


Das Bilderbuch in deinem Kopf wird aufgeschlagen. Du kennst diese Bilder, denn sie erzählen deine persönliche Geschichte. Das Atmen fällt schwerer. Das Herz- gefangen in einem Schraubstock. Du erkennst, dass dieser dunkle Part für immer ein Teil von dir sein wird und man bekommt es mit der Angst zu tun, weil man nicht weiß, wann es wieder aus dem passiven zum aktiven Gegner wird.

Es ist verblüffend: Musik kann dabei helfen, Wunden zu schließen. Aber das funktioniert auch andersrum: Durch Musik werden alte Wunden erneut aufgerissen.Und wenn man einmal in diesen melancholischen Strudel geraten ist, kramt man noch mehr traurige  Songs aus und weiß eigentlich, dass man sich damit nur noch weiter runterziehen lässt.

Aber vielleicht braucht man das auch ab und an? Sich an einem sowieso schon verregneten Tag den Liedern zu widmen, die nicht nur so vor positiver Einstellung triefen. Songs zu hören, die an Menschen erinnern, die leider nicht mehr bei uns sind. Situationen erneut durchleben, obwohl man das nicht wirklich möchte- aber stattdessen entzündet man das Feuer neu.

Das ist dann die sogenannte Hassliebe zur Musik. Auf der einen Seite liebt man die Songs- auf der anderen Seite tun diese verdammt weh und hinterlassen neue Kratzer im Inneren.

Aber was wären wir ohne diese Songs? Würden wir nur noch mit einem ekelhaften Dauergrinsen durch die Welt laufen, weil uns nicht mehr viel an alte Zeiten erinnert? Würden wir andere mit unserer anhaltenden guten Laune zur Weißglut treiben? Ich denke schon.

Und ich meine: wir verbinden mit diversen Songs auch gute Zeiten, an denen man sich gerne zurückerinnert. Ob an einen Urlaub, einen besonderen Abend oder an ein Konzert, bei dem man seiner großen Liebe begegnet ist. Oder man erinnert sich an eine lustige und peinliche Situation und man beginnt bei der zweiten Strophe an zu lachen. Wie man sieht: Musik kann vielschichtig sein, denn sie bringt sämtliche Erinnerungen- seien sie noch so klein- zum Vorschein.

Mal kann sie nerven, mal würden wir ihr vor Freude an den Hals springen wollen. Mal würden wir uns wünschen, dass einige Songs nie das Licht dieser Welt erblickt hätten- aber andererseits sind wir irgendwie doch froh darüber, dass sie es bis zu uns geschafft haben.

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