Schicht im Schacht.

923075_10200974675625583_796969875_nWahnsinn. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Aussage mal als Überschrift verwenden kann, kommt sie doch so altmodisch angehaucht um die Ecke. „Aus die Maus!“ oder „Ende im Gelände!“ waren ebenfalls heiße Anwärter auf den Überschriften-Thron, aber sie mussten sich mit Platz 2 und 3 begnügen. Aber wer weiß- vielleicht haben sie irgendwann erneut eine Chance, man wird sehen. Seit 2008 schlage ich mich nun schon durch den Musikblog-Dschungel. Angefangen mit einem Interview mit Thees Uhlmann- ich entschuldige mich auch noch heute dafür, dass das so unprofessionell ablief. Aber was kann man schon erwarten, wenn man vor seinem Helden sitzen & Fragen stellen darf? Mit einem bis zum Hals schlagenden Herzen und schwitzenden Händen? Tja, man sollte vielleicht auch einfach viel kleiner anfangen! Sehr geehrter Herr Uhlmann, wir versuchen das noch ein zweites Mal, oder?

In den 5 Jahren durfte ich einigen Musikern auf den Zahn fühlen. Zum Beispiel Kolkhorst. Es zog mich damals zum BootBooHook nach Hannover und ich schaute vorher, wen ich denn vor das Diktiergerät bekommen könnte. Und ich glaube, dass das zu der Zeit noch über Myspace lief: „Ey, Kolkhorst- hättest du bock?“ „Klar, machen wir!“ Fragt mich bitte nicht nach dem Jahr. 2009 vielleicht? Ja, doch- es war 2009. Ein redegewandter junger Mann, der selbst im Schatten eine Sonnenbrille trug. Warum auch nicht? Auch heute freue ich mich sehr, wenn man sich irgendwo über den Weg läuft, was aber leider viel zu selten vorkommt.

Oder Henning Neuser musste einige Interviews über sich ergehen lassen. Es musste dafür nicht mal einen besonderen Grund (wie zum Beispiel ein neues Album) geben. Eher war es so: Ey, Henning! Hab wieder ein paar Fragen parat- lass mal da und da machen!

Es gab aber auch weniger gute Interviews. Eines werde ich auch nie vergessen. Ich werde keinen Namen nennen, nur soviel: Ich war sehr enttäuscht von dieser Band. Denn wenn dir zumindest 2 aus einer Band schon mit dem „ich habe gerade gar keine lust auf ein Interview, beantworte die Fragen nur kurz und knapp und schaue noch gelangweilt durch die Gegend“- Gesicht gegenüber sitzen, dann fühlt man sich auch irgendwann nicht mehr wohl und versucht einfach nur noch alles abzuarbeiten, um dann so schnell wie möglich den Backstagebereich verlassen zu können. Das Ende vom Lied: Ich war mit der Beantwortung der Fragen so unzufrieden, dass ich es prompt vom Diktiergerät löschte (nachdem ich es mir nochmal anhörte) und mir von da an die Band egal war und noch immer ist.

Ich meine: Ich mache das nicht beruflich. Ich -und viele andere auch- opfern viel Freizeit dafür, um ein paar interessante Fragen hinzubekommen, um sich über eine Band zu informieren oder um sich etwas spezielles einfallen zu lassen, was man einbauen könnte. Und wenn dann sowas von der ersten Minute an abläuft- ist das wie ein Tritt, der ordentlich schmerzt- auch noch Tage danach. Man beginnt automatisch an zu zweifeln und fragt sich: warum mache ich das überhaupt?

Ja, warum eigentlich? Weil man einem schönen Hobby nachgeht: zu diversen Konzerten fahren und hin und wieder ein Interview führen. Weil man seiner kreativen Ader freien Lauf lassen kann. Weil man wunderbare Menschen kennenlernt. Weil die Musik einfach eine große und bedeutende Rolle im Leben spielt. Weil man es im Blut hat- diese Leidenschaft und man weiß, dass sie dich niemals mehr loslassen wird.

Letztes Jahr erfüllte ich mir einen kleinen Traum: Ein Interview mit Dave Hause. Für Graz war es angesetzt, scheiterte aber am Informationsfluß. So kam er nach dem Konzert auf mich zu und fragte, warum es denn nicht geklappt hätte. Tja, schwierirg wenn man nicht wusste, ob er nun Zeit hatte an dem Tag und wenn ja: Wann und wo? Dann nahm er es selbst in die Hand, fragte, wo ich noch dabei wäre. Von den genannten Städten suchte er sich natürlich Hamburg aus. Ich kotzte innerlich, hatte ich doch an dem Tag die Zugstrecke von Linz nach Hamburg vor mir. Hamburg musste ich dann doch kurzerhand absagen, weil ich es zeitlich nicht mehr hätte schaffen können. Somit blieb uns nur noch St. Ingbert. Hat geklappt! Es war erstaunlich, dass er so hinterher war. Er wollte dieses Interview unbedingt machen und ließ es nicht auf sich beruhen, dass es in Graz nicht klappte. Großartiger Mann.

Den zweiten Traum erfüllte ich mir in diesem Jahr: „Ey Oise! Kann ich ein Interview mit Joey Cape machen?“ „Klar!“ Innerhalb von 2 Minuten geklärt, die Sache. Irgendwo auf der Reeperbahn, neben einem Waschsalon fand das Interview statt. Herr Cape ist nicht größer als ich, was ihn schon sehr sympathisch machte. Er strahlte etwas beruhigendes aus, sodass es auch bald mich ergriff. Während er nebenher aß, beantwortete er einige Fragen- die meisten über Tony Sly und Wauz, weil er sich fast nur auf die Tierfotos konzentrierte und die Glückskekse teilweise links liegen ließ. Somit war dieses Interview sehr emotional und ehrlich.

Den dritten Traum erfüllte ich mir vor kurzem: ein Interview mit Chuck Ragan und Joe Ginsberg. Es ist für mich nach wie vor unbegreiflich, dass sich solche Musiker (Joey Cape, Dave Hause,…) die Zeit für die ganz kleinen Musikblogs nehmen. Es wird für mich nie zur Normalität gehören- und ich bin dafür jedes Mal aufs Neue dankbar.

Nach diesem und den anderen Interviews begann ich nachzudenken: Wie heißt es immer: Wenn es am schönsten ist, dann soll man bekanntlich aufhören. Ich weiß ehrlich nicht, was noch kommen soll. Für mich war das alles schon die Spitze des Berges- sogar viel mehr als das. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was darauf noch folgen kann. Meine persönlichen Ziele habe ich erreicht. Ich konnte meinen Herzensmusikern, die mir in den letzten Jahren so viel Kraft gegeben haben, auf den Zahn fühlen- ob auf fischende Art und Weise oder mit selbstgebackenen Glückskeksen.

Schicht im Schacht? Aus die Maus? Ende im Gelände? Ich denke darüber tatsächlich nach, bin aber noch zu keinem Entschluß gekommen.

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