Verdammt & gehasst: Gästelistenschnorrer.

purzel 2Ich weiß nicht wie es euch geht, aber über manche Sachen rege ich mich heute noch immer leicht auf, obwohl ich das eigentlich nicht mehr wollte. Aus dem Kopfschütteln kommt man teilweise nicht mehr raus- höchstens erst am nächsten Tag. Auch leichter Fremdscham stellt sich an und an ein. Hier und da ein tiefsitzender Seufzer und die immer wiederkehrende Frage: Haben die Menschen eigentlich jeden Anstand/Respekt/wasauchimmer verloren?

Gästeliste. Dieser Begriff dürfte bestimmt jeder Person ein Begriff sein, oder? Genau, eine Band hat für einen Konzertabend eine bestimmte Anzahl von Gästelistenplätze zur Verfügung, welche dann auch meistens aus allen Nähten platzt. Eigentlich ja doch eine schöne Sache, wenn man genauer darüber nachdenkt: Eine Band kommt viel rum. Getourt wird in diversen Ländern. So kommt es natürlich dazu, dass die einzelnen Bandmitglieder liebgewonnene Menschen haben, die sie nur sehr selten treffen können, weil sie halt nie lange an einem Ort bleiben (können). Dann sind die Plätze doch von Vorteil: „Hey, Lukas! Wir spielen am 3. September ein kleines Konzert in deiner Stadt! Möchtest du nicht vorbeikommen? Wir haben uns schließlich schon ewig nicht mehr gesehen! Sag bescheid, dann setz ich dich auf die Gästeliste!“ Okay, okay, wahrscheinlich hält man sich kürzer, so ungefähr: „Lukas! 3.9. Konzert! Gästeliste?“ Oder vielleicht doch so: „Digga! Beweg deinen Kadaver am 3.9. zum Konzert, ansonsten setzt es was, wenn du nicht erscheinst & der Gästelistenplatz verfällt!“

Also, was ich eher damit sagen möchte: Die Plätze sind eigentlich dafür gedacht, dass man Freunden und Familienmitgliedern den Einlass zum Konzert gewähren kann, ohne dass diese Geld für eine Karte ausgeben zu müssen.

Oder etwas anderes: Es werden ja hin und wieder Gästelistenplätze verlost. Klar, auch eine gute Sache. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich vor vielen Jahren mal bei einem Gewinnspiel mitgemacht- und auch tatsächlich gewonnen. Tja, ich stand dann beim Einlass, nannte meinen Namen- und was musste natürlich passieren? Ich stand nicht drauf, ha! Das Ende vom Lied: Da ich extra nach Berlin gegondelt bin, habe ich mir halt dann doch eine Karte gekauft, sonst wäre der Weg umsonst gewesen.

Ich muss auch sagen, dass ich kein Fan von Gästeliste bin. Wenn ich meine Karte in der Hand habe, dann bin ich viel beruhigter. Gerade wenn es sich um ein Konzert in einem kleinen Club handelt und schon längst vorher ausverkauft ist. Wie letztens bei Dave Hause in Saarbrücken- Gästeliste gab es, weil ein Bericht geschrieben werden wollte & passende Bilder brauchte es dafür natürlich auch. Da hat es mit dem Namen geklappt, aber was habe ich vergessen? Na klar- der Personalausweis lag im Hotelzimmer. Innerlich: Kopf gegen Wand. Ich nehme halt selten den Ausweis zu einem Konzert mit und somit habe ich einfach nicht mehr daran gedacht. Nunja, meine Bankkarte hat uns dann doch noch gerettet!

Aber mal zu dem zurück, was mich manchmal ziemlich ärgert: Letztens auch erst ein wenig bei Chuck Ragan mitbekommen- es gibt Menschen, die denken, dass sie die GRÖßTEN wären. Sie laufen mit stolzgeschwellter Brust zum Musiker hin, der gerade einen 40-minütigen Auftritt hinter sich hat (in der prallen Sonne, wohlgemerkt), nur mit dem Ziel: Gästeliste für den Abend. Mir geht es nicht in den Kopf rein- für den Musiker wildfremde Menschen, die schnorrenderweise wegen einem Platz anfragen.

Wahrscheinlich würden mich jetzt viele fragen: ach, was regst du dich denn darüber auf? Mag sein, dass ich das vielleicht zu radikal sehe, aber was müssen sich solche Menschen, die sich nicht mal ansatzweise im Vorfeld um ein Ticket gekümmert haben, an den Musikerhals werfen? Ganz ehrlich- ich könnte das wirklich nicht! Entweder sagt man sich: „Okay, ich habe Chuck jetzt schon umsonst hier auf dem Platz spielen sehen- was will ich mehr?“ oder „Pech gehabt. Hätte ich mich mal gekümmert..“

Und es gibt zum Beispiel bei Facebook immer Leute, die noch ein paar Tickets übrig haben, weil jemand kurzfristig abgesprungen ist. Aber das wäre alles zu kompliziert und teuer, nicht wahr?

Dreister sind dann noch diejenigen, die wegen Gästeliste anfragen- OBWOHL es noch Tickets zu kaufen gibt! Wohlgemerkt auch für den Musiker unbekannte Menschen, die sich plötzlich und ohne Vorwarnung melden. Einfach so. Ohne Skrupel. Frei nach dem Motto: „Ey, wir sind uns noch nie begegnet, aber setzt du mich auf die Gästeliste in der und der Stadt?“

Unverständnis. Und nicht nur beim Musiker.

Was sind schon 15 oder 20 Euro für ein Konzert? Ich verdiene auch nicht viel, bin nicht reich oder sonst was- aber dennoch versuche ich immer, dass ich mir die Karten lange vor dem Konzert bestelle. Denn die Gästelistenplätze sollten tatsächlich nur an die Menschen gehen, die es sich gewissermaßen „verdient“ haben.

Und nicht an die Menschen, die mit ihrer „Ey, schau mich an! Ich bin so klein und süß und schaue dich mit meinen riesigen Kulleraugen an, damit ich einen Platz auf der Gästeliste bekomme.“- Masche für Fremdscham & Unverständnis bei den Leuten sorgen, die es unmittelbar mitbekommen.

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