Das Wort zum Samstag.

DSC01825Als ich noch in Hamburg wohnte, verbrachte ich die meiste Zeit davon ohne TV- und ich habe tatsächlich nichts vermisst. Stattdessen konzentrierte man sich auf die wirklich wichtigen Dinge- oder gelegentlich schaute man sich die Staffeln von Dr. House, Friends oder Emergency Room an. Aber hey- dabei konnte man wichtige medizinische Ausdrücke oder etwas über Freundschaften lernen. Ha! Aber jetzt nach meinem Umzug steht mir wieder das Fernsehprogramm zur Verfügung, mit dem man sich je nach Lust & Laune berieseln lassen kann.

Gebt es zu: Wer schaut nicht gerne HalliGalli und denkt sich dabei, warum der Raab eigentlich noch seine Sendung macht, die eh keiner mehr braucht? Oder Shoppingqueen- natürlich nur wegen Guido Maria Kretschmar (wer braucht da noch den Bohlen?). Aber was auch immer wieder ins Auge fällt: Die Menschen mit Tattoos werden noch immer abgestempelt.

Neulich blieb ich bei „Taff“ hängen- die Bildzeitung fürs Fernsehen. Da gab es quasi eine kleine Reportage mit dem Titel „Schwer vermittelbar“. Da darf man raten, welche 2 Kandidaten dafür rausgesucht wurden: Natürlich! Ein Mädel, über 20, tätowiert und mit Piercings in der Fresse. Dann noch ein Typ, Muskelbepackt und ebenfalls hochgradig tätowiert. Beide ohne Arbeit. Sie wurden begleitet, wenn sie auf Jobsuche gingen. Das Mädel verkörperte eher den „Gammellook“, wenn sie durch die Stadt lief um nach Arbeit zu fragen. Dieses tat sie natürlich noch mit verschränkten Armen und wunderte sich dabei noch, wenn sie keine Chancen bekam. Der Typ war nicht besser. Bei Bewerbungsgesprächen tauchte er in einem hautengen Shirt auf- Tattoos sehr gut sichtbar!- und reagierte dann wie ein trotziges Kind, wenn der Arbeitgeber etwas Negatives über die Körperkunst sagte. Kaum hatte ich diesen Beitrag gesehen, dachte ich mir auch schon: Kein Wunder, dass wir immer direkt abgestempelt werden, wenn man sowas tagtäglich im TTV präsentiert bekommt. Manche Menschen fühlen sich direkt in ihrer negativen und eingefahrenen Sicht bestätigt. aber ich frage mich auch, warum man sich dafür wieder nur die tätowierten Menschen gegriffen hat?

Oder wie heißt diese schlechte Sendung? „Berlin Tag & Nacht“, bei denen die meisten auch Piercings/Tattoos besitzen. Klar, es ist dort alles gestellt- aber die meisten Zuschauer denken garantiert, dass das auch im wahren Leben so abläuft: Irgendwelche zugehackten Prolls, die nur die Sauferei & Fickerei im Kopf haben. Nicht mehr und nicht weniger.

Man selbst merkt das natürlich auch: man läuft durch die Stadt und nimmt seine eigenen Tätowierungen fast nicht mehr wahr- bis man dann Blicke spürt. Blicke von Menschen die dich nicht kennen. Wenn man einige von denen ansieht, dann merkt man wie es bei denen anfängt im Kopf zu arbeiten:

„Ob sie mal im Knast war? Wenn ja- warum ist sie auf freiem Fuß?“

„Warum denn direkt auf dem Unterarm- wie sieht das denn aus?“

„Was macht sie wenn sie 80 ist und es ihr dann nicht mehr gefällt?“

„Hoffentlich kommen meine Kinder mal nicht so an, dann wäre aber etwas los!“

Ich glaube, dass ich es einfach so schlimm finde, weil die Menschen nicht mal dahinter schauen wollen. Sie sträuben sich regelrecht dagegen. Viele kommen direkt mit Vorurteilen auf dich zu und man muss sich versuchen zu rechtfertigen, was aber manchmal nichts bringt, weil man nicht mehr aus der Diskussion rauskommt und man schließlich nach dem Motto „Der Klügere gibt nach.“ handelt.

Fast niemand fragt, warum man sich das hat machen lassen. Niemand fragt nach der Bedeutung. Sie mustern einen nur leicht angewidert von oben nach unten, drehen sich um und gehen. Ich verstehe es bis heute nicht, warum Tattoos- gerade in der heutigen Zeit- noch immer einen schlechten Ruf besitzen, gerade in der Arbeitswelt.

Wenn Menschen endlich mal anfangen würden tiefer zu graben und Sachen zu hinterfragen- ich meine, wir beissen doch nicht. Dass bißchen Farbe unter der Haut macht uns nicht zu Unmenschen.

Aber gut- die meisten bekommen (durchs Fernsehen, usw.) ein falsches Bild eingetrichtert und wir haben am Ende daran zu knabbern: An den Menschen mit vielen Vorurteilen.

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