Einfach mal gegen den Strom schwimmen.

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Köln.

Dass ich mir mit manchen Artikel keine Freunde mache ist mir durchaus bewusst. Aber bei mir ist das einfach so: Wenn ich etwas im Kopf habe, dann muss ich es niederschreiben. Und wer sich komplett gegen meine Meinung sträubt und sich denkt „Was für ein BULLSHIT!“, dann kann ich damit sehr gut leben. Denn man darf eine Sache einfach nicht vergessen: Bei wirklich jedem Thema gibt es verschiedene Ansichtsweisen. Jeder Mensch denkt anders, was gut ist. Man kann ja über alles diskutieren, aber wenn mir wieder irgendwelche Schimpfworte an den Kopf geknallt werden, nur weil ich eine gewisse Meinung habe, dann geht das wirklich zu weit.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer etwas dazu zu sagen hat, darf das gerne tun. ABER bitte ohne gleich persönlich zu werden. Vielen Dank! Um was es heute geht? Um Musiker, die sich nicht an die goldenen Regeln der verfickten Musikwelt halten…

Diese Schlawiner! (Och, warum ist dieses Wort eigentlich fast ausgestorben?) Ich weiß nicht warum, aber manche Menschen scheinen zu glauben, dass Musiker auf der Bühne völlige gefühlstote Monster sind, die darüber hinaus noch gefälligst mit einem (gespielten) Dauergrinsen und vermeintlich guter Laune rumtänzeln sollen, damit man als Besucher angenehm durch den Abend geschaukelt wird.

Der Musiker soll uns dazu noch massenhaft Honig ums Maul schmieren & uns bis zum Anschlag in den Arsch kriechen, damit wir ja bei der nächsten Tour wieder dabei sind. Man erwartet ein perfekt einstudierten Abend ohne Zwischenfälle. Hauptsache schön bequem und ohne aus den berühmten Rahmen zu fallen.

NICHT.

Musiker sind, ob man es jetzt glauben mag oder nicht, auch nur stinknormale Menschen mit Ecken und Kanten. Jeder von ihnen erwischt auch mal den einen oder anderen schlechten Tag. Sei es nun, weil es private Probleme gibt, Stress oder sonst was. Wenn es blöd läuft, dann kommt auch alles auf einen Schlag zusammen. Wer kennt es nicht? Und Musiker sind davon nicht ausgeschlossen.

Es gibt Musiker, die aalglatt durch die Musikweltgeschichte streunern- aber es gibt auch die andere Sorte, die sich nicht alles gefallen lassen und das ist super! Warum immer alles wie trocken Brot herunterwürgen? Es bleibt nur unnötigerweise im Halse stecken, bis man fast daran erstickt, sich ein Magengeschwür entwickelt oder am Ende noch gereizter wird.

Vielleicht weiß das noch jemand oder war ebenfalls vor Ort: Olli Schulz spielte vor einigen Jahren im Hamburger Übel & Gefährlich, oben auf der Dachterrasse. Er auf einem kleinen Podest umringt vom Publikum. Es lief auch alles super, bis ein leicht angetrunkener Typ im hinteren Bereich ständig durch nervige Zwischenrufe auffiel. Olli versuchte noch in einem ruhigen Ton mehrmals darum zu bitten, dass er es doch jetzt sein lassen sollte. Aber der Typ machte munter weiter- bis bei Olli der Geduldsfaden riss! Denn von der einen auf die andere Sekunde legte Olli seine Gitarre nieder, sprang vom Podest runter & bahnte sich schnurstracks einen Weg durch die Menge. Alle wichen erschrocken zur Seite, weil man sich diesem Riesen nur ungern in den Weg stellen wollte. Äußerst unsanft ging er mit dem nervtötenden Typen um. Dieser wurde dann auch kurzerhand von der Dachterrasse entfernt. Da passte der Spruch „Wer nicht hören will muss fühlen!“ wie die berüchtigte Faust aufs Auge! Als Olli wieder auf seinem Podest stand, herrschte eine unglaubliche Stille, weil sich wirklich niemand mehr traute, nur irgendeinen Ton von sich zu geben. Olli merkte das ziemlich schnell & versuchte die angespannte Lage wieder in den Griff zu bekommen, was auch ganz gut gelang.

Oder jetzt aktuell: Dave Hause, der in Stuttgart das Konzert abbrach. Dave ist eher der Typ, der immer einen flotten Spruch auf Lager hat, um die Flatrate-Labertaschen/Wichtigtuer/Störenfriede den Wind aus den Segeln zu nehmen. In Stuttgart gelang es ihm dagegen nicht wirklich, sodass er sich doch eher frühzeitig verabschiedete.

Aber warum versucht man ihm da gleich einen Strick um den Hals zu legen? Diese ewigen „Ratschläge“ von anderen Menschen, die immer wissen, wie man am besten mit gewissen Situationen bei einem Konzert umzugehen hat. Klar. Ihr könnt das bestimmt alle besser! Einbildung ist manchmal auch eine Bildung, oder?

Habt ihr an diesem Abend in seiner Haut gesteckt? Wisst ihr, ob nicht auch noch andere Faktoren eine Rolle bei diesem abrupten Abgang im Spiel waren? Es ist teilweise einfach dieses völlige Unverständnis, worüber ich nur den Kopf schütteln kann.

Da bin ich nämlich auch schon wieder beim Anfang: Musiker sind und bleiben stinknormale Menschen. Auch sie machen mal Fehler, reagieren anders als man es vielleicht erwarten würde. Sie sind keine abgerichteten Hunde, die für ein Leckerchen alles geben würden. Nein, ganz im Gegenteil.

Musiker sind Menschen mit Herz, Verstand & Gefühlen. Sie reisen um die Welt, um uns ihre Songs vorzustellen. Kurz gesagt: Sie opfern wirklich viel dafür, um auf Tour gehen zu können. Und man muss auch dazu sagen: Es ist ein Knochenjob, der an die Substanz geht.

Was ich eigentlich sagen möchte: Ich finde es mehr als großartig, dass es Musiker gibt, die auch mal ihre Klappe aufmachen. Zeigen, wo ihre Grenzen sind und merken lassen, dass ihnen gewisse Sachen einfach gegen den Strich gehen. Warum gleich alles verteufeln? Ich möchte authentische Leute auf der Bühne sehen und keinen Hansi Hinterseer-Verschnitt mit angetackertem Grinsen.

Vielleicht bin ich mit dieser Meinung in der Minderheit, aber das interessiert mich nicht. Mein Respekt ist den Musikern sicher, die sich auch mal gegen den Strom stellen, um ihren Standpunkt mitzuteilen. Auch ohne viele Worte.

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