„Hier komm‘ ich her. Hier bin ich geboren.“- Thees Uhlmann & seine Gang in Hemmoor.

Foto: Fabian.
Foto: Fabian.

Ich erinnere mich noch ganz gut an das Jahr 2012, an dem es hieß: Uhlmann? In Hemmoor? In seiner Heimatstadt? Ein Konzert? Jawoll! Karte gekauft! Damals noch besser, da man in Hamburg wohnte & dies somit eher ein Katzensprung war. Am besagten Tag nahm ich das Lenkrad in die Hand und steuerte das Auto mit einigen „Insassen“ an Board souverän ( also so halbwegs, ne?) bis nach Hemmoor. Auf dem Beifahrersitz befand sich Herr Capelle, der mit seinem schlauen Mobiltelefon mit sexy Touchscreen (ach, muss man denn immer „Smartphone“ oder „Handy“ schreiben? Nee, oder?) den Weg im Blick behielt & uns somit bis zur Festhalle brachte.

Vor Ort ein fliegender Wechsel: Mein Beifahrer hieß nicht mehr Capelle, sondern Uhlmann. Ich weiß auch nicht mehr wie das kam. An was kann ich mich noch erinnern? Zum Beispiel daran, dass Rainer Grand Hotel van CleefOtt wie ein Fels in der Brandung am Einlass rumstand. Wurde er vielleicht aus dem Backstage verstoßen & hat sich somit an diesem Abend sein Geld als Türsteher verdienen müssen? Ich weiß nicht warum, aber diesem Mann würde ich ohne zu zögern meine -schwarze- Seele verkaufen! Liebeserklärungen klangen nie schöner, oder?

Was noch? Achja: Man kam rein in die Festhalle & es herrschte bereits vor eigentlichem Beginn eine ekelhafte Hitze. Kein Wunder, waren auch die Heizungen auf „NOCH HÖHER GEHT ECHT NICHT!!“ eingestellt. Auf dem Ticket wurde noch eben nachgeguckt, ob im Kleingedruckten „Saunagang inklusive“ draufstand.

Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich gerade viele Minuten darüber gegrübelt habe, wer zum Henker damals eigentlich als Support dabei war. Irgendwann hatte ich „Imaginary Cities“ im Kopf, verwarf es dann aber doch wieder. Gott sei Dank gibt es Facebook, sag ich dazu nur!

„Fabi, sach mal…wer war 2012 Vorband beim Uhlmann in Hemmoor? Ich…komme nicht mehr drauf!“

„ACH JASMIN EY!!!!“

„Hießen die so?“

„Genau! Nein, es war der wunderbare Stefan Honig. Solo.“

„Aaaaaaaaahhhhhhhhh. Stimmt!“

Honig! Genau. & da tauchte er plötzlich wieder vor meinem geistigen Auge auf. Ich weiß noch, dass mir der Auftritt ganz gut gefallen hat. Bei dieser Stimme und der Musik war das auch kein Wunder!

2011 war ein scheiß Jahr. 2012 war noch beschissener (von 2013 fang ich gar nicht erst an, ne?). Zu diesem Zeitpunkt litt ich an einer Depression, die sich gewaschen hat (was auch der Grund war, warum ich die Thees-Tour im letzten Moment absagen musste). & wer diesen Mist ebenfalls schon irgendwann in seinem Leben durchmachen musste, der weiß wie schwer es ist, dann noch unter Menschen zu gehen, stimmts? Inmitten einer Menschenmenge zu stehen löste bereits Panik aus. Die Kehle schnürt sich zu. Man fühlt sich mehr als unwohl & versteht es nicht, warum man keinen Spaß mehr empfinden kann. Alle anderen können es doch schließlich auch! Innerlich zerreißt es dich & es schmerzt in der Herzgegend. So erging es mir, als Thees mit seiner Band die Bühne stürmte: Ich zwischen all den Menschen & schon nach dem dritten Song hielt ich es nicht mehr aus und bin aus der Menge raus, um mir einen Platz neben der Bühne zu suchen. Das Ende vom Lied: Während jeder Besucher die Band abfeierte, kauerte ich an der Wand und kämpfte mit den Tränen. Ich hoffte auch wirklich sehr, dass dieses Konzert sich bald dem Ende nähern würde, damit man endlich wieder ins Auto steigen kann, um Richtung Hamburg aufzubrechen.

Und soll ich euch was sagen? Das waren meine Erinnerungen an Thees Uhlmann in Hemmoor 2012. Alles andere als erfreulich, nicht wahr?

Jetzt schreiben wir das Jahr 2013 (noch!) &  im Rahmen des „Zurück Zuhause“ Festivals zog es die Bande zurück nach Hemmoor. Die Tickets für dieses Spektakel waren schnell vergriffen & schon sah man überall das Wort AUSVERKAUFT aufleuchten. Heimspiel halt, ne? Und wie wunderbar muss es für einen Musiker sein, ein Konzert in seiner Heimatstadt geben zu können, wo alles anfing? Stellt euch doch nur mal vor wenn Thees NIE in Berührung mit Musik gekommen wäre! Es hätte NIE eine Band namens Tomte gegeben. Man hätte NIE die Zeilen von „Schönheit der Chance“ aus voller Brust mitsingen können. Man hätte NIE so viele schöne Momente bei den Konzerten erlebt & hätte nicht so viele Bekanntschaften machen können. Darüber möchte man wirklich nicht nachdenken, oder? Weiter im Text!

Derzeit kann ich schlecht irgendetwas einplanen, sodass vieles doch eher spontan mitgemacht wird. So war es mit Wien- und mit Hemmoor.

Freitag, 27.12. Kurz nach 10 Uhr. Im Halbschlaf tastete ich nach dem Handy. SMS. „Blablabla. Sie müssen erst ab Sonntag kommen.“ Erneut gelesen. Mein Hirn erwachte ebenfalls langsam aus dem Schlaf & plötzlich realisierte ich: „Fuck! Ich kann es doch noch nach Hemmoor schaffen, wenn ich jetzt meinen Kadaver aus dem Bett bekomme! SOFORT!“ Ich sprang förmlich raus & musste innerhalb von 1 1/2 Stunden alles erledigen: Tasche packen, duschen, Hotelzimmer buchen, nach einer Zugverbindung suchen & klären, ob ich überhaupt eine Chance habe, in die ausverkaufte Festhalle zu gelangen (notfalls natürlich mit Gewalt!).

Ich habe tatsächlich alles hinbekommen, sprang ins Auto, drückte auf das Gaspedal, um rechtzeitig zum Bahnhof zu gelangen & mir noch eine Fahrkarte zu kaufen. Zwei Minuten vor Einfahrt des Zuges auch das noch erledigt bekommen. Kinder, was für ein Stress!

Ich bekam alle Anschlusszüge (Wahnsinn!) und betrat gegen 17.20 Uhr  Hemmoor. Kleinstadtidylle. Das Hotel, mit dem klangvollen Namen „Hemmoortel“ zügig gefunden. Was soll ich sagen? Solch einen überaus freundlichen Empfang habe ich tatsächlich noch nie erlebt. Danke dafür! Mein Doppelzimmer war so riesig, dass ich dort locker 10 weitere Leute hätte unterbringen können. & diese Matratze- ein Traum! Schaute man aus dem Fenster, dann konnte man direkt rüber zur Festhalle sehen. Optimale Lage.

18 Uhr sollte schon Einlass sein, ich ließ mir Zeit, sodass ich keine lange Wartezeit in der Halle hatte. In meinem Beutel befand sich ein Holzkästchen.

Am Einlass wurde dann ein Blick in den Beutel riskiert.

„Was ist da drin?“

„Schachfiguren!“

Wie selbstverständlich ich das gesagt habe. Bringt doch mittlerweile jeder mit zum Konzert, oder? Der Blick der Dame war eine Mischung aus „Willst du mich jetzt verarschen?“, „Warum zur Hölle…?!“ und „Soll ich jetzt meinen Kollegen fragen, ob das mit reingenommen werden darf?“

Aber irgendwann ließ sie mich dann doch ohne Widerworte rein. Glück gehabt!

Und was fiel wieder als allererstes auf? Genau: Die verfickten Heizungen liefen auf HOCHTOUREN! Kann mir das bitte jemand erklären, warum die nicht zumindest beim Anfang des Konzertes abgestellt/runtergedreht werden können? Man starb schon vorher fast an einem Hitzetod. Gut, dass ich mich an diesem Abend für eine kurze Hose entschied!

Überall waren Kameras zu sehen. Kein Wunder, wurde es doch übertragen.

Rob Lynch machte den Anfang. Ich weiß nicht warum, aber wenn er ohne Band seine Songs zum Besten gibt, dann überzeugt er mich zu 100%! Aber mit Verstärkung ist das schon wieder nicht mein Fall. Klingt komisch? Ist aber so! Ich genoss seinen Auftritt wirklich sehr, ärgerte mich aber auch etwas über das Publikum, weil irgendwie überall in der Halle gequatscht wurde. Sehr sehr schade, denn ein Musiker schafft es leider nicht nur allein mit Gitarre & Gesang, dieses ständige Gemurmel zu übertönen. Leute, einfach mal die Fresse halten! Hat auch bißchen was mit Anstand zutun & in der Umbaupause hat man doch genug Zeit, um alles zu besprechen, oder sehe ich das falsch?

Wo wir gerade passenderweise beim Stichwort sind: Rob Lynch war mit seinem Set am Ende, Vierkanttretlager sollten danach spielen. Aber die Wartezeit zog sich wie Kaugummi. Ungelogen! Ich bin ja schon wirklich ein geduldiger Mensch, aber selbst das hat etwas den Bogen überspannt.

Vierkanttretlager. Puh. Dazu will ich mich nicht so stark äußern. Nur soviel: Musik ist & bleibt eine Geschmackssache. Die einen feiern eine Band total ab, während die andere Hälfte sich dabei eher langweilt & gähnt. Ich habe eher zu der zweiten Hälfte gehört, muss ich ehrlich zugeben. Es hat mich einfach nicht gepackt. Es hört sich mittlerweile jede zweite Band so an & deswegen hat mich das dann doch eher kalt gelassen. Aber hey: Ich halte trotzdem die Fresse, klatsche nach den Songs & hör mir das an. Und nicht wie eine Gruppe angetrunkener Menschen direkt hinter mir. Vierkanttretlager waren schon ziemlich laut, ne? Aber die Gruppe musste sich deswegen noch umso lauter anschreien. Verständlich, denn sonst würden sie sich ja nicht verstehen… Fahrt zur Hölle! Wie habe ich neulich so schön geschrieben?

„Menschen, die bei einem Konzert PAUSENLOS QUATSCHEN müssen, möchte ich ohne Vorwarnung das Genick brechen!“

Drastisch? Mag sein. Aber vielleicht die Lösung. Denkt mal drüber nach!

Vierkanttretlager. Wer die Band mag, alles super. Meinen Geschmacksnerv haben die Jungs aber leider nicht getroffen.

Danach die letzte Umbaupause.

Sah man sich im Publikum um, hatte wirklich fast jeder mindestens eine Schweißperle auf der Stirn, egal ob man sich bewegte oder nicht. Irgendwas mit Heizung und so. Immerhin wurden ab und an mal die Fenster geöffnet. Sauerstoff, oder wie nannte man das gleich?

Irgendwann stürmte Thees Uhlmann mit seiner Band die Bühne. Mittlerweile roch es im Saal leicht nach Schweiß, Alkohol & Zigaretten. Volksfeststyle. Meine Sicht beschränkte sich eigentlich fast nur auf Herrn Kuhn, was aber nicht schlecht war! So erwischte ich mich dabei, wie ich öfters dachte: „Mensch, ich hätte ja mal richtig BOCK auf ein Konzert von Monta!“

Oder andere Gedankengänge:

„Der Song ‚Vom Delta bis zur Quelle‘ ist ja schon seit Ewigkeiten mein Favorit, besonders LIVE!“

„Dafür ist ‚Das Mädchen von Kasse 2‘ mein nicht-Favorit.“

„Er hat Venushügel gesagt!“

„Warum stehen 2,50m Menschen in der zweiten Reihe?“

„Wenn ich über die Witze/Sprüche vom Uhlmann lache- ist das ein gutes Zeichen?“

„UMBERTO!“

„Hach. ‚Weiße Knöchel‘ & ‚Zugvögel‘! Love!“

„King Uhlo ist schwanger! Bierschwanger.“

„Thees hat den Part bei ‚& Jay-Z singt uns ein Lied‘ viel besser drauf als der Suppencasper!“

„Warum merke ich mir eigentlich immer nur die dämlichen Sprüche vom Uhlmann & welche wichtigen Erinnerungen wurden dafür aus meinem Gedächtnis ausgelöscht?“

„Leute! Diese verfickten ‚Ausziehn! Ausziehn!‘ Rufe sind schon seit den 90ern out!“

„Guckt euch doch nur die Kinder an, die mit Gehörschutz neben der Bühne stehen & bereits die Texte auswendig können! Warum hatte ich in diesem Alter nicht solch einen guten Musikgeschmack?

„Rhythmisches Klatschen müssen wir noch üben, ne?“

„Ist Julia eigentlich auch auf der Bühne?“

„Oah, geh mit der Kamera weg!“

„Wie perfekt ‚& all die guten, guten Geschichten passieren immer auch nur denen die sie erzählen können.‘ auf Thees zutrifft.“

„Welch wunderbare Band er um sich herum hat!“

„Bei Publikumschören ziehe ich gerne meinen Gänsehautpelz an.“

„Das ganze Konzert ist Balsam für die Seele. Danke!“

Erkennt man daran eigentlich wieder, dass ich keine Konzertberichte verfassen kann? Ja, oder?

Kurz gesagt: Es lief für mich wesentlich besser als im Jahre 2012 & ich bin froh, dass ich es doch noch spontan nach Hemmoor geschafft habe, um bei diesem Auftritt dabei sein zu können.

Vielen Dank an Rob Lynch, Vierkanttretlager & Thees Uhlmann & Band für diesen fulminanten Konzertabschluss im Jahre 2013!

Und vielen vielen Dank an Fabian für die Fotos!

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