„Rock’n’Roll“ auch ohne Alkohol möglich?

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Erdinger. Alkohol(frei).

„Rock’n’Roll“ benutze ich jetzt einfach mal als den ultimativen Oberbegriff. Für was? Für das Tourleben, aber auch für das Leben an sich, in all seinen Facetten. In all seinen Höhen & Tiefen. Manchmal habe ich so das Gefühl, dass der Alkohol die Welt fest im Griff hat. Egal wo man hinkommt, es ist präsent: Da steht jemand lässig mit einer Bierflasche an einer Wand gelehnt und nuckelt dran. Oder Jugendliche, die sich ins Koma saufen, weil es einfach „cool“ ist sich zu betrinken. Eigentlich schon etwas traurig, oder? Und was ist mit den Menschen, die gar keinen Alkohol anrühren? Tja, man wird wirklich sehr schnell als Spießer/Spielverderber/Aussenseiter betitelt und hat dann irgendwann -verständlicherweise- keine zu große Lust mehr darauf, in irgendwelchen Bars oder Kneipen abzuhängen, weil man ständig diesen Stempel mitten auf die Stirn geklatscht bekommt. Unfreiwillig.

Wenn man dann dennoch die Frage gestellt bekommt, ob man irgendwohin mitkommen möchte, zögert man für einen Moment. „Soll ich oder nicht? Habe ich großen Bock darauf, eventuell irgendwelche Erklärungen abliefern zu müssen? Zu diskutieren? Oder versucht mich wieder eine Person zum Trinken zu überreden bis es mir endgültig reicht & ich dann irgendwann genervt in die kalte Nacht aufbreche?“

Es kommt auch dann noch zusätzlich auf die jeweilige Tagesform darauf an: Fühlt man sich gut? Ist der Tag zufriedenstellend verlaufen? Gesellschaftshungrig? Sitzen Lieblingsmenschen mit an dem Tisch? Lust, in einer Bar/Kneipe/sonstwo zu verweilen & alles um einen herum aufzusaugen wie ein Schwamm? All das wirbelt für kurze Sekunden im Kopf rum. & wenn die innere Ampel am Ende dann ein leuchtendes Grün hervorzaubert, dann bleibt nichts mehr anderes übrig als „Ja“ zu sagen & manchmal werden solche Nächte in dem Ordner „Unvergessliche Stunden.“ abgelegt.

Alkohol & ich. Ich & Alkohol.

Ich weiß noch, dass ich es mal versuchte. Wie alt war ich da? 12/13/14/15?  Ich kann mir sowas schlecht merken. Aber ist ja auch nicht so wichtig! Damals habe ich mich an Bier, Alkopops und solch einen Kram wie „Kleiner Feigling“ versucht. Es hielt tatsächlich nicht lange, diese „Liebe“, & schneller als gedacht ließ man das „Hochprozentige“ wieder links liegen & wechselte zu den normalen Getränken zurück.

Es gibt für mich auch bestimmte Gründe, warum ich dieses Zeug nicht anrühren möchte, aber die stehen auf einem ganz anderen Blatt und gehören nicht hier her.

Aber es gibt wahnsinnig oft diese Zeiten, in denen es mir mehr als schlecht geht & sich dabei das Selbstwertgefühl eine gefühlte Ewigkeit verpisst. & ich kann mich zum Beispiel noch daran erinnern, als ich noch in Hamburg wohnte, psychisch total kaputt war & bei einem Konzert von Tigeryouth in der Astra Stube war & dort tatsächlich irgendwann eine Bierflasche in der Hand hielt. Einerseits hatte ich den Drang zu trinken, aber auf der anderen Seite bekam ich davon fast nichts runter. Denn: Wenn ich mit beiden Füßen bereits bedrohlich am Abgrund stehe, sehe ich nicht viele Auswege. Ich muss zugeben, dass ich dann daran denke, mit dem Trinken anzufangen. Hört sich komisch an, oder? Warum ich diesen Gedanken habe? Ich weiß darauf auch keine genauere Antwort, um ehrlich zu sein. Wahrscheinlich, weil ich versuchen will den inneren Schmerz zu betäuben, auch wenn es sich nur um wenige Stunden handelt oder einfach nur um den Kopf abzustellen/zu benebeln. Weg von Kummer, Problemen, Sorgen & Zukunftsängsten. Man redet sich irgendwie ein, dass der Alkohol helfen könnte. Seelentröster. In der Not greift man halt nach jedem Grashalm, sei er noch so absurd.

Kennt ihr eigentlich auch diese sinnlöööösen Gespräche, die man manchmal so im Alltag zufällig mitbekommt?

„Und? Was hast du am Wochenende gemacht?“

„Ich war mit ein paar Kumpels feiern gewesen. Ich habe so viel gesoffen, dass ich mich an NICHTS mehr erinnern kann. War voll geil!“

Unverständnis Part 1: Ich weiß nicht wie es euch da geht, aber ich kann sowas nicht verstehen. Warum ist das denn bitte so geil, wenn man sich an nichts mehr erinnern kann? Wenn man nicht mehr weiß, was man angestellt hat? Was passiert ist? Man darf mich gerne aufklären. Vielleicht bin ich dafür einfach zu anti?

Gut. Es ist nicht immer leicht sich zu erinnern. Denn diejenigen, die wirklich komplett ohne Alkohol mit in einer Kneipe sitzen, die merken sich wirklich ALLES, was an dem Abend getan/gesagt wird. Ab und an war das ein Fluch, weil der eine oder andere Abend so eine katastrophale Wendung bekam & man selbst alles im Kopf behielt (und immer behalten wird)- nur derjenige, der einen im betrunkenen Zustand zur Sau gemacht und alles ruiniert hat, konnte sich an nichts mehr erinnern. Für mich persönlich einfach schlimm, weil ich ein Kopfmensch bin. Ich denke viel zu viel nach & habe lange an gewissen Sachen zu nagen.

Unverständnis Part 2: Noch schlimmer sind dann nur noch die Leute, die sich betrunken hinter das Steuer klemmen müssen.

Unverständnis Part 3: Menschen, die sich bei einem Konzert schon bei der Vorband volllaufen lassen müssen, um sich dann bei der Hauptband entweder aggressiv in der Menge zu bewegen oder ständig mit lauten Zwischenrufen den Fremdscham der anderen Besucher auf sich ziehen.

Ich mag Stumpfsinn. Ich bin ein Fan von blöden Sprüchen. Manchmal reicht mir auch nur ein simpler „Umberto!“-Ausspruch. Ich kann es tatsächlich ganz gut zwischen Leuten aushalten, die einen gewissen Alkoholpegel intus haben & sich über Gott und die Welt unterhalten, oder es zumindest versuchen. Ich mag es Leute zu beobachten. Ich kann dann auch gut abschalten & für einen gewissen Moment alles vergessen.

Und wenn ich auf „Tour“ bin, dann bin ich auch ganz froh, dass ich nicht trinke. Denn so kommt man wenigstens noch ganz gut am nächsten Morgen hoch, um mit dem Zug in die nächste Stadt zu gondeln- ohne den berühmt berüchtigten Kater. Ganz angenehm!

Ich finde es auch gut, dass man ab und an auf Leute trifft, die einen nicht sofort abstempeln, nur weil man kein Alkohol trinkt. Leute, die es eher interessant finden, hinnehmen & mal einen blöden Spruch auf den Lippen haben. Damit kann ich wirklich mehr als gut leben. Denn ich schlage ja auch niemanden das Bier aus der Hand, weil ich es scheiße finde, dass derjenige es trinkt. Wenn alles im Rahmen bleibt, ist doch alles super!

Ich kann euch auch nicht wirklich sagen, warum ich diese Zeilen geschrieben und auch noch veröffentlicht habe, obwohl es eher weniger mit Musik am Hut hat. Es kribbelte in den Fingern & ich habe mich vorhin wieder dabei erwischt, wie ich daran dachte, einfach etwas zu trinken. Den ganzen angesammelten Frust wegzuspülen, den Selbstzweifel zu vernichten.

Aber ich glaube, dass ich bei der einzigen Droge bleiben werde, die mir immer wieder den Arsch rettet & mich vor Dummheiten bewahrt: Diese Droge nennt sich Musik & ich wüsste tatsächlich nicht, wo ich heute wäre, wenn ich all die Songs nicht um mich herum hätte. All die guten Bands. All die unzähligen Konzerte in den verschiedensten Städten und Ländern. Musik ist mein persönliches Trostpfaster & meine große Liebe.

Für immer.

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