„Nimmst du Anlauf oder Anker?“ ClickClickDecker & der seelische Rettungsring.

4250137205564Das Jahr ist noch relativ jung & schon wird uns ein neues Album nach dem nächsten um die Ohren geworfen- selbst der Plattenspieler ächzt langsam aber sicher nach einem Kurzurlaub. Aber für alle Musikverliebten fühlt es sich an wie das Paradies auf Erden: Man wartet ungeduldig wie ein kleines Kind auf den Postmann. Man schaut ständig auf die Uhr, weil man weiß, in welchem Dreh das Postauto um die Ecke kriecht. Hat man dieses endlich entdeckt stürmt man panisch zur Tür, reißt diese auf, noch bevor die Person in Arbeitsbekleidung die Chance hatte auf die Klingel zu drücken. Der verdutzte Blick interessiert dich nicht, denn die Augen fixieren in dem Moment nur das Päckchen- ähnlich wie Superman mit seinem Röntgenblick.

Du nimmst es entgegen, schließt die Tür, hetzt zum Plattenspieler, reißt das Päckchen auf & hältst kurz Inne, um dir das Cover anzusehen. Das schwarze kreisförmige Ding wird behutsam zum Spieler befördert, die Nadel aufgelegt. Es knistert. Und es beginnt. In dieser Woche schneite das neue Werk von ClickClickDecker bei mir rein: „Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles“. Heavy Rotation war angesagt. Der erste Durchlauf. Nebenher blätterte ich im Bildband. Fotos, in schlichter schwarz weiß Eleganz, die während der Studioarbeit von der talentierten Sophie Krische eingefangen wurden. Pantoffeln, Bärte, diverse Instrumente, Oliver Stangl, Kevin Hamann, Bananen, Aufnahmesituationen- alles dabei, was das Herz begehrt. Bebildeter Spaß für die ganze Familie.

Auch bei der beiliegenden DVD „Emmelsbüll und die letzten 12“ hatte Sophie Krische ihre Finger im Spiel, denn die Kameraführung blieb in ihrer Hand. In diesem kleinen Film schaut man auf die letzten 12 Jahre zurück & steht quasi mit im Studio, um Kevin & Oli über die Schulter zu blicken, als es um die Aufnahmen von „Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles“ geht. Anbei wurden kleine Interviews geführt, zum Beispiel mit Marcus Wiebusch (Kettcar), Gisbert zu Knyphausen oder Lars Lewerenz (Boss von Audiolith Records). Besonders gerührt war ich, als Kevin über Oliver Stangl sprach:

„Er ist kein Mitmusiker mehr den ich nur bezahle, sondern er ist eigentlich fester Bestandteil von ClickClickDecker! Der Mittelpunkt verschiebt sich, hoffe ich, immer mehr von mir weg bis zu uns beiden. Das ist so die Hoffnung, die ich jetzt habe. Nicht hoffen, aber das wünsche ich mir: Dass man uns als Duo sieht.

Und das wird man, wenn man es nicht schon längst macht. Denn mal ehrlich: Könntet ihr euch Kevin Hamann ohne Herrn Stangl an seiner Seite vorstellen? Nein, oder? Dann geht es euch wie mir!

+++++++++Zum Kurzfilm: Klick!+++++++++

Ich hasse Rezensionen wie die Pest, weil ich es einfach nicht kann! Ich kann mich nicht kurz fassen & ich möchte nichts in eine bestimmte Schublade stecken müssen. Ich möchte keine Vergleiche zu anderen Bands/Musikern ziehen- warum sollte ich auch? „Ich kenne meine Schwächen…“

Mein Hirn arbeitet ständig und kotzt mir ab und an Ideen vor die Füße und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder befördert man es in die Tonne, weil es einfach nur nutzlos ist oder man kratzt es zusammen & versucht es schmackhaft zu präsentieren.

Ich entschied mich für Punkt Nummer 2, auch wenn es von einer herkömmlichen Rezension viel zu sehr abdriftet. Folgende Idee: Aus jedem Song habe ich mir bestimmte Textzeilen rausgesucht (Okay, bei „Myoklonien“ zum Beispiel war die Auswahl sehr beschränkt!) und habe versucht, diese bildlich- mit Hilfe von Legofiguren- darzustellen. Ob es gelungen ist oder nicht müsst ihr entscheiden!

Kurze Worte zur ersten Seite. Eine Reise. Vom Tierpark in den Bus bis zum Zirkus. Hirngespinste. Gedankengänge. Nichts weiter.

Tierpark Neumünster

Auserwählte Textzeile: „Platz gibt es für die, die noch welchen bekommen.“

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„Tierpark Neumünster“. Allererste Singleauskopplung, dadurch schon länger bekannt gewesen. Anfangsmelodie wie in einer gutgelaunten Schulkapelle, sodass es leichtfüßig daher kommt. Schließt man die Augen, dann befindet man sich plötzlich in einem Tierpark. In einem Gehege. Irgendwo zwischen wilden Tieren. An einem runden Tisch, gedeckt mit den besten Lebensmitteln aus dem Frühstücksbereich. Gefangen zwischen Gesprächen, Blitzlichtgewitter & Buffettgerangel.

„Kaffee wie Schwermetall.“

Und Darüber Nachdenken Nicht Nötig

Auserwählte Textzeile: „Ich glaub eigentlich fährt diese Linie nirgendwo hin.“

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Die Zeitmaschine schaltet weiter, man wird vom Tierpark regelrecht weggezogen. Beim nächsten Augenaufschlag befindet man sich in einem Bus. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen & im Sitz versunken. Du hast keine Ahnung, ob dich diese Fahrt irgendwo hinführen wird. Endet alles in einer Sackgasse? War alles umsonst? Kommt man irgendwo an? Ungewissheit.

„Willst deinen Krieg verbuddeln, doch weisst nicht, ob es gelingt.“

Die Nutzlosen (Unentbehrlich)

Auserwählte Textzeile: „Kein Satz wird dadurch besser, dass du ihn ständig nur wiederholst.“ 

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Schon befinde ich mich auf dem Hamburger Bunker. Dort, wo einst Kevin & Oli ein unvergleichliches Dachkonzert spielten. Damals hieß der Song noch schlichterweise „Taschenmesser“, wenn ich mich richtig erinnere. Mich erwischt erneut dieser kalte Wind & lässt mich nicht mehr los. Furcht. Fragen. Unnütze Gedanken. Und dann die Zeilen, bei denen man unweigerlich mitbrüllen muss:

„Kein Satz wird dadurch besser, dass du ihn ständig wiederholst.“

Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder.

Ausbalancieren

Auserwählte Textzeile: „Dann das Ausbalancieren.“

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Nächster Standort: Ein Zirkus mitten im Nirgendwo. Umgeben von Clowns, Akrobaten, schreienden Kindern & Tieren, denen man die Freiheit genommen hat. Manege frei für den Seiltänzer in 10m Höhe. Ohne Sicherungsseil. Nein. Ein simpler Holzstab reicht scheinbar aus, um das Schlimmste zu verhindern. Ausbalancieren auf höchstem Niveau.

Geöffnete Arme. Versperrte Eingänge.

„Wo du mit Leichtigkeit gehst, würde ich gern sein. Das was du immer von mir willst, das würde ich gern sein. Das was dich einfach macht, das würde ich gern sein.“

Schaumburgen Und Ellipsen

Auserwählte Textzeile: „Wenn es uns egal war, standen sie mit offenen Mündern.“

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Man steht in einer Traube Menschen, mitten in der Stadt. Kein Durchkommen. Die Gesichter unkenntlich, doch du spürst dennoch all die durchdringenden Blicke. Die offenen Münder ragen hervor & scheinen einen verschlucken zu wollen.

„Ob es wirklich gut war konnten wir ja nicht wissen. Grade, weil es uns egal war.“

Durch die Kastanienanlagen

Auserwählte Textzeile: „Er glaubt nicht an Engel. Er hat noch nie einen gesehen.“

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Berglandschaft. Keine Menschenseele. Du bist seit Tagen, ja, vielleicht sogar Wochen unterwegs. Zeit spielt hier oben keine Rolle. Kindergelächter. Ältere Herrschaften in ihrer eingefahrenen Schiene. Verständnislos. Junge Streithähne. Entscheidungen müssen her. Alles wird aufgewühlt & man versucht zu retten, was zu retten ist- aber wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt ist.

„Keiner hat gefragt wie es so gewesen ist. Du hast dir einfach zu viel vorgenommen.“

Niemand Wird’s Gewesen Sein

Auserwählte Textzeile: „Die Augen Richtung Ausgang.“

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Man findet sich in einem runtergekommenen Haus wieder. Vieles liegt in Schutt & Asche. All die verborgenen und längst vergessenen Leichen werden aus dem fast zusammenbrechenden Schrank gezerrt. Man ist sich fremd geworden. Versucht zu vergessen.

„Die Augen Richtung Ausgang wird mir einiges klar: Wenn man immer nur zurück schaut, ist irgendwann nichts mehr da.“

Fazit: Packende Aussagen, meistens auf den Punkt gebracht. Diverse Zeilen, die man sich sofort tätowieren lassen möchte. Wenn es geht, dann direkt auf die Stirn. ClickClickDecker lässt viel Raum für eigene Interpretationen. Der Gesang teilweise minimalistisch und einfach gehalten- verfehlt aber dennoch seine Wirkung nicht. Es trifft dich dort wo es schmerzt, lässt aber ab und an eine Pfütze Hoffnung aufkeimen, in die man beherzt reinspringt.

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