„Schon lange was defekt.“ – Olli Schulz (in the Box).

1888703_461334440659225_1926393453_nDamals, als ich irgendwann im Grand Hotel van Cleef-Kosmos strandete, kamen mir diverse Bandnamen vor die Augen (zum Beispiel Kettcar, Pale,…), die neugierig machten. Wenn ich mich nicht irre, war zu diesem Zeitpunkt noch Myspace hoch im Kurs (kennt ihr noch, oder?), sodass man sich dort die ersten Höreindrücke holen konnte. Vieles gefiel, besonders die Songs von Olli Schulz & Der Hund Marie kamen einen Hitverdächtig vor. Man besorgte sich Tonträger und schaute sich Musikvideos an. Am 10. Dezember 2006 folgte für mich das allererste Konzert im Berliner Fritzclub (Vortyp: Walter Schreifels.).

„Sag dir immer wieder: Jetzt gerade bist du gut.“

Wenn man in irgendeinem Verzeichnis nach den Schlagwörtern „Rampensau„, „Coolnessfaktor 1000„, „Großmaul„, „Stand-up-Comedian“ „Kleine Meise, grosses Herz“ oder „Unberechenbar“ suchen würde, käme an erster Stelle immer ein Foto von Olli Schulz!

Er ist ein Typ, der sein Herz ständig auf der Zunge spazieren trägt. Egal was ihm gerade im Kopf rumschwirrt: es muss sofort den Weg nach draußen finden. Ohne Umweg. Ohne Sackgasse. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wahrscheinlich würde er sonst daran ersticken, wenn er es viel zu lange mit sich rumtragen müsste.

„In jede Richtung“

heißt da wohl seine Devise. Aber das soll jetzt von mir keine negative Kritik sein, falls es sich gerade so anhören sollte. Ganz im Gegenteil. Ich wäre manchmal gerne wie Olli: Einfach mal Menschen die eigene Meinung entgegenbringen, ohne ständig um den heißen Brei herumzureden. Die Klappe aufmachen, wenn einem etwas gewaltig gegen den Strich geht und nicht immer nur alles schlucken, bis wirklich nichts mehr geht. Aber dafür bin ich noch viel zu sehr „Kopfmensch“. Man denkt und denkt und denkt und kommt deswegen wahrscheinlich nicht weiter.

„Keiner hier bewegt sich“

Ich musste gerade etwas lachen, als ich über den Songtitel stolperte, weil es mich an eine gewisse Situation erinnert: Fragt mich bitte nicht in welchem Jahr das war, aber im Sommer spielte Olli ein Dachgartenkonzert in Hamburg. Er stand auf einem kleinen Podest, sodass auch die Leute ganz hinten einen Blick auf Herrn Schulz erhielten. Alles lief ganz gut: Er spielte seine Songs, gab massenweise Sprüche von sich, jeder hatte Spaß. Irgendwann meldete sich ein bereits angetrunkener Typ aus dem Publikum zu Wort. Dieser brüllte ständig irgendetwas dazwischen, was am Anfang kurz witzig war, dann aber doch ziemlich schnell in die Kategorie „Fremdscham“ überging. Olli versuchte es einige Male in einem ruhigen aber bestimmten Tonfall, dass er das doch bitte lassen sollte, weil es einfach nur noch nerven würde. Aber manch angetrunkene Menschen driften dann in ihre eigene verschwommene Welt ab & wissen gar nicht mehr, warum man denn nun am laufenden Band von allen Seiten böse Blicke und „Abmahnungen“ kassiert.

„Was macht man bloß mit diesem Jungen?“

Bei Olli riss plötzlich der Geduldsfaden. Er legte seine Gitarre noch behutsam auf die Seite, sprang vom Podest und bahnte sich einen Weg durch das Publikum, bis er schließlich beim Störenfried ankam. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass der angetrunkene kurz am Boden lag. Das Ende vom Lied: Der „Brüllaffe“ wurde nach draußen befördert, Olli nahm erneut seinen Platz auf dem Podest ein und ich schwöre: Das ganze Publikum war wie gelähmt! Keiner traute sich mehr zu reden oder gar zu bewegen, weil man es nicht oft miterlebt, dass ein Musiker selbst durchgreift. Schulzi versuchte dann aber die Situation zu lockern, was ihm auch ganz gut gelang. Ich bin ja generell dafür, dass sich die Musiker nicht alles gefallen lassen sollten & ab und an einfach gegensteuern. Finde ich gut, solange es ohne Blutspritzer geklärt werden kann. Wir sind ja schließlich nicht bei GWAR.

„Human of the week“

Diesen Titel verdient sich Olli an jedem Montag, denn am Abend bekommt man endlich ein gutes Fernsehprogramm eingetrichtert, dass es nur so scheppert: Zur Aufwärmung zieht man sich erst die Folgen von den Simpsons rein, danach The Big Bang Theory und zum krönenden Abschluss kann man sich mit der Sendung Schulz in the Box die aufgewärmten Lachmuskeln überstrapazieren, wenn man denn möchte.

„Das letzte Königskind“

„Jetzt stehe ich kurz vor meinem vierzigsten Geburtstag und frage mich: Was wäre, wenn ich einen anderen Lebensweg eingeschlagen hätte? Wäre ich glücklicher? Zufriedener? Oder lebe ich schon das Leben, das am besten zu mir passt? Manchmal wünsche ich mir, jemand würde mich einfach in ’ne große Kiste stecken: Briefmarke aufkleben und in ein neues Leben verschicken.“

Das ist das einfache Prinzip dahinter: Olli wird in eine Holzkiste verstaut, kommt aus dieser in irgendeinem Land gekrochen und taucht in ein neues Leben ein. Schulz nimmt uns alle als Begleiter mit, sodass auch wir die Chance haben, etwas von diesem Leben zu kosten. Es ist also nicht nur Unterhaltung, sondern man bekommt etwas von der fremden Kultur mit. Damals gab es eher diese langweiligen Reisemagazine im TV, die einfach nur das zeigten, was sich an der Oberfläche befindet. Da ging es eher um die besten Hotels oder Restaurants, nicht mehr und nicht weniger.

Olli hingegen interessiert sich da für ganz andere Sachen: Ob er sich nun als Host-Boy versucht, sich eine Familie „mietet“, sich mit einem Katzencafé anfreundet, den Sinn von Kuschelcafés sucht oder einem Milliardär auf den Fuß tritt- es ist wirklich alles dabei, was das Zuschauerherz begehrt.

Es war irgendwie immer klar, dass dieser Mann eine eigene Fernsehsendung benötigt, denn er bringt einfach alles dafür mit:

Ehrlichkeit. Eine große Schnauze. Direktheit. Humor. Trinkfestigkeit. Viel Herz. Neugier. Schlagfertigkeit.

Man kann schon sagen, dass sich dieses Format großer Beliebtheit erfreut, oder? Klar, manche können damit nichts anfangen, aber das ist vollkommen in Ordnung, weil man schließlich nicht alles mögen kann! Aber um zu zeigen, dass nicht nur ich Schulz in the Box abfeiere, gibt es hier ein paar Kommentare, die sich auf der Facebookseite tummeln:

„Beste Sendung die ich je gesehen hab!“

„Ich bin auch am nächsten Montag wieder dabei.“

„Wow, wieder eine ganz ganz tolle Folge!“

„Erfrischend gutes Fernsehn.“

„Sehr emotionale Folge mit wunderbar eindrucksvollen Bildern.“

Deswegen kann ich es euch nur ans Herz legen, einfach mal am Montag um 22.10 Uhr den Fernseher einzuschalten (Pro 7, ne?), um euch ein eigenes Bild über Schulz in the Box machen zu können. Wer weiß, vielleicht trifft es ja genau euren Nerv?

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