„Wir machen weiter!“ Kann man eine Band eigentlich heiraten?

Foto: Mimikry Berlin.
Foto: Mimikry Berlin.

Wie fängt man an, wenn man eine Geschichte erzählen möchte? Ach, ich weiß! Natürlich mit einem Intro, oder? Habt ihr gerade ein paar Minuten? Sehr gut! Herrje, ich fühle mich bereits jetzt schon wie der Erzähler von „How I met your mother“: Vor einigen Jahren lief ich unbekümmert durch die Weltgeschichte. Ich glaubte nicht an die große Liebe, von der alle immer sprachen. Paare, die jeweils den Satz des anderen beendeten waren mir suspekt.

Ebenso wie diese ekelhafte anhaltende gute Laune, die mich täglich in die Flucht trieb. Raus. Weit weg von der Zivilisation. Aber da das in einer Großstadt nicht immer möglich ist, muss man sich mit Kleinigkeiten zufrieden geben. So trat ich den Weg zu einem nahegelegenen Park an. Dort, wo man zumindest für einen kurzen Moment durchatmen und den Beobachter spielen kann. Ein kurzes Abschalten. Als ich gedankenverloren meine Runden drehte, erlangte etwas meine Aufmerksamkeit: Neben Vogelgezwitscher & Kinderlachen ertönte plötzlich Musik. Mitten auf der Grünfläche standen vier Jungs mit ihren Instrumenten: Vom Schlagzeug bis zur Gitarre war alles dabei was das Herz begehrte. Hier und da elektronische Untermalung, die sich gut ins Gesamtbild einfügte. Über ihnen ein Banner:

Raven gegen Deutschland die Natur!

Es ließ mich schmunzeln. Während ich mir die Performance der Jungs anschaute, steuerte jemand auf mich zu und drückte mir ein kleines Heft in die Hand. Passenderweise trug es den Namen Die Natur ist dein Feind. Welch ein Wunder! Ich blätterte darin rum: Songzeilen aus dem Lied mit passenden Bildern versehen. Auf der allerletzten Seite gab es eine Art Horoskop, welches aber in Glücksversprechen umbenannt wurde. Clever!

Mein persönliches Glücksversprechen sagte aus, dass ich heute eine Begegnung haben werde, die sich in Herz & Hirn einbrennen wird – und genau diese Vorhersage ist in diesem Moment eingetreten. Eine Band, die sich unbemerkt in mein Leben schlich. Die mich fesselte und zum Tanzen bewegte. Eine Band, die…Moment mal!

Ich merkte, dass die Musik schon seit einer Weile verstummt war. Ich löste mich vom Heft und schaute auf: Die Jungs waren weg, selbst die Dämmerung setzte langsam ein. Meine Güte! Wie lange stand ich denn schon hier? Und wie ist überhaupt der Name dieser Band gewesen? Leichte Panik überkam mich, so sprintete ich aus dem Park und lief zu einem Club rüber.

Der Türsteher sah mich schon vom Weiten verdutzt an und dachte, dass ihm bestimmt gleich ein Messer in den Bauch rammen würde und richtete sich auf. Außer Atem kam ich vor ihm zum Stehen, er musterte mich von Oben bis Unten und sagte nur ganz trocken:

„Du kommst hier nicht rein!“

Ich will nicht rein! Ich wollte nur eben…“

„Quatsch mich nicht voll & mach, dass du weiterkommst!“

Nicht dazu gehörn war mir nie wichtiger gewesen als in diesem Moment, als ich sah, welche Menschen sich überhaupt durch die Eingangstür quetschten: Männer in edlen Anzügen und die Haare, die wohl mit einer ganzen Tube Gel bearbeitet wurden, schmiegten sich an die Kopfhaut. Die Frauen trugen hautenge Kleider, für diese sie im Vorfeld mindestens drei Monate lang hungern mussten. Von Innen heraus tönte Musik, die mich erschauern ließ. Pop stinkt! dachte ich so bei mir und mit

„Ich habe nichts mit euch zutun, das wird auch weiterhin so bleiben. Denn ich gehöre nicht dazu!“

verabschiedete ich mich vom Türsteher und ging weiter. Es zog mich in eine kleine gemütliche Eckkneipe. Hier wollte ich einen letzten Versuch starten, da es schon ziemlich spät war und mir die Kälte in den Knochen steckte. Ich ging rüber zum Tresen und nahm auf einem Hocker Platz.

„Na, Krümel? Darf es etwas sein? Vielleicht einen Schnaps? Der wärmt gut von Innen!“

Oh oh..einen Schnaps? Obwohl… klar, gib mir einen rüber!“

Ich befreite mich aus der Jacke, ließ das Heft „Die Natur ist dein Feind“ unachtsam auf den Tresen fallen.

„Ach, das ist ja super! Das ist mein Lieblingssong!“

„Was? Sie kennen diese Band?! Ich bin schon die ganze Zeit auf der Suche nach einer Person, die mir endlich den Bandnamen verraten kann! Es macht mich ganz irre es nicht zu wissen!“

„Eine großartige Band ist das! Ich durfte schon viele Konzerte erleben und jedes einzelne brachte mich zum Überkochen und Ausflippen! Sie machten wahre Raubzüge durch Deutschland und brannten regelrecht sämtliche Bühnen nieder, die sie betraten. Das witzige war, dass sie sich immer mal verschiedene Namen gaben!“

„Echt? Welche denn zum Beispiel?“

„Ich kann mich zum Beispiel noch gut an Neurosen im Garten erinnern! Aber mit Abstand das WITZIGSTE, was sie sich ausgedacht hatten, war: Die Band der Vollidioten! Wunderbarer Name, der für einige Lachanfälle sorgte und sich gut auf T-Shirts machte!“

„Das glaube ich gerne!“

„Aber in Wirklichkeit nennen sich die vier Jungs Egotronic! Großartige Typen, die mit ihrer Meinung nicht hinter’m Berg halten, sondern ein Statement setzen. Eine Band, die aufrütteln möchte und sagt: Nehmt nicht alles so leichtfertig hin, wie man es euch servieren möchte! Wacht auf, unternehmt etwas und schaut nicht nur von den billigen Plätzen zu. Dennoch sind sie pflegeleicht und besitzen eine große Portion Humor. Ich habe auch gehört, dass Torsun, der Sänger, der Liebling vieler Journalisten ist. Zumindest, wenn es um das Thema Interviews geht! Ihre musikalische Karriere ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil: Sie fängt jetzt gerade erst so richtig an!“

„Wunderbar! Diese Information hilft mir wirklich sehr weiter! Vielen Dank!“

„Gerne! Ach, wenn wir mal eben zum Fußball wechseln wollen: Edwin van der Sar…“

Da ich aber mit Fußball nie was anfangen konnte und auch nie werde, donnerte ich ihm stattdessen eine Frage entgegen, über die er wohl noch heute nachdenken wird:

„Warum haben wir keinen Vulkan, der kotzen muss wie ich?“

Outro: Das, liebe Kinder, war die Geschichte darüber, wie ich meine große Liebe fand! Egotronic schlich sich damals in mein Herz und ließ mich seitdem nie wieder los. Die Konzerte, die ich besuchte, waren geprägt von Mitschreiparts, Extase & schweißnassen Klamotten.

Egotronic werden am 14. März das Album „Die Natur ist dein Feind“ bei Audiolith Records veröffentlichen und lasst euch das gesagt sein: Es ist anders als bisher. Die elektronischen Beats sind eher in den Hintergrund gerückt, dennoch sind diese ein Teil vom Ganzen geblieben. Mittlerweile ist Egotronic zu einer vierköpfigen Band gewachsen, die nun mehr auf die Punk-Schiene drückt. Mehr Schlagzeug, mehr Gitarre, mehr Krawall! Mir machte es regelrecht Spaß, all diese neuen Songs anzuhören, weil eine Veränderung stattgefunden hat, mit der ich mich persönlich gut anfreunden konnte – und ich hoffe sehr, dass das bei euch auch der Fall sein wird!

Album bestellen: Klick!

Hier noch die Tourdaten! Bitte zahlreich erscheinen!

07.03. Lübeck – Treibsand

08.03. Flensburg – Volksbad

14.03. Hagen – Pelmke

15.03. Wiesbaden – Schlachthof

16.03. Düsseldorf – Tube

17.03. Münster – Café Sputnik

18.03. Bonn – Bla

19.03. Stuttgart – Keller Club

20.03. Heidelberg – Häll

21.03. Würzburg – Cairo

22.03. Saarbrücken – Garage

21.04. Lindern – Osterrock

06.06. Halbinsel Pouch -Sputnik Spring Break

20.06. Scheeßel – Hurricane Festival

22.06. Neuhausen ob Eck – Southside Festival

26.06. St. Gallen (CH) – Open Air St. Gallen

08.08. Saalburg – SonneMondSterne Festival

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