„…und versuche nicht umzufallen.“ City Light Thief berichten von unterwegs, Teil 3.

city light thiefSolch ein Tourtagebuch ist doch wunderbar, oder? Super für diejenigen, die beim jeweiligen Konzert ebenfalls anwesend waren & so lesen können, wie der gelaufene Abend überhaupt für die Band gewesen ist. Aber auch für all die Menschen gut, die es aus verschiedenen Gründen einfach zu keinem Konzert schaffen und somit ein kleines Trostpflaster erhalten. So wie ich: Ich wollte so gerne nach Berlin, aber krankheitsbedingt musste ich es schweren Herzens doch noch absagen.

Irgendwie hat man aber das Gefühl, dass man dennoch dabei war, wenn man sich die geschriebenen Zeilen von Benni so durchliest. Hier nun der dritte Teil, der sich um Einbrüche, illegale Fahrstunden & kulinarische Kreationen dreht:

Hello again von der A5,

gerade fahren wir von Marburg nach Potsdam. Wir zerschneiden mit unseren Bus derzeit quasi das Land. Köln-Berlin-Marburg-Potsdam in vier Tagen. Wie im Eintrag davor erwähnt, nutzten wir die Heisskalt- pfeffiTour-Off-Days, um zwei Konzerte mit Seahaven zu spielen. Tag 8, Hose 1.

Am Montag waren wir im Tsunami Club in Köln. Die Bühne im Tsunami ist tatsächlich noch kleiner als ich sie in Erinnerung hatte. Ich denke, es ist die kleinste Bühne auf der wir bisher überhaupt gespielt haben. Casi und Tobi stehen vor der Bühne, aber insgesamt passt dann doch irgendwie alles. Jakub, der Veranstalter ist sehr freundlich zu uns, Seahaven sind nicht unfreundlich, aber eher reserviert, und ich glaube sehr, sehr müde. Als wir gegen 20 Uhr beginnen, ist das Tsunami schon randvoll – im Laufe des Abends ist das Konzert auch so gut wie ausverkauft.

Das Konzert ist – für mich – das bisher unangenehmste auf dieser Tour, die Erkenntnis trifft mich relativ unvorbereitet. Bevor wir anfangen ist alles gut, aber schon in den ersten Sekunden merke ich, dass ich es heute schwer haben werde. Ich fühle mich urplötzlich unendlich dehydriert, die Luft steht auf der Bühne & ist unglaublich heiß, der Schweiß läuft mir schon nach der ersten Strophe in die Augen. Beim zweiten Song passiert mir etwas, dass ich bisher noch nicht erlebt hab: ich sehe Sterne vor den Augen und es zischt in meinem Kopf, für eine Sekunde denke ich dass ich das Gleichgewicht verliere & umkippe. Zum Glück passiert nichts dergleichen, aber ich beschließe es ruhiger angehen zu lassen heute Abend und bewege mich so wenig wie möglich. Unterm Strich geht doch alles gut, aber so abwesend und bewegungsunfähig habe ich mich auf der Bühne noch nie gefühlt. Wir spielen heute ein anderes Set als bei den Heisskalt-Shows, streuen ein paar ruhigere Momente ein, „Helicopter Youth“ zum Beispiel, einer meiner Lieblingssongs von unserer zweiten Platte.

Es sind einige Freunde da – Bob von The Tourist, Anne & Jürgen von Rookie Records und auch Bringo ist wieder im Publikum. Heute allerdings gibt es keinen Einsatz von ihm am Bass. Dank unserer Entourage ist die Stimmung beim Konzert glaube ich in Ordnung, Tobi und Casi machen vor der Bühne angenehme Randale, ich bin wie gesagt eher mit mir selbst beschäftigt und versuche nicht umzufallen. Insgesamt glaube ich kommen wir „in Ordnung“ an, aber so richtig springt der Funke heute nicht über. Aber das ist schon okay.

Das Ausladen/Einladen erweist sich heute als nervig, da wir unseren geliebten Punker-Bus leider abgeben müssen und am nächsten Morgen in einen Van von einer anderen Vermietung wechseln. Dadurch entsteht ein riesiges organisatorisches Kuddelmuddel. Als wir am Proberaum kuddelmuddelankommen, ist die Haupttür verschlossen, für die wir keinen Schlüssel haben. Mit Hilfe von Roman breche ich auf der Rückseite des Proberaumkomplexes quasi durch ein offenes Fenster in unseren eigenen Proberaum ein. Ein kleines Wunder, dass ich mir beim 2-Meter-Sprung vom Deckenfenster nicht irgendwas kaputtmache. Was für ein Abenteuer. Wir fahren ein letztes Mal in unsere eigenen Wohnungen zurück, am nächsten Morgen treffen wir uns um 9 Uhr wieder am Proberaum.

Platte des 5. Tages: Smile & Burn – We Didn’t Even Fight Yet.

Ich bringe den neuen Bus mit, ein recht edler Mercedes, in den unser Kram gerade so mit Ach & Krach hineinpasst. Die Gitarrenboxen müssen allerdings im Proberaum bleiben (bei Heisskalt ist es kein Problem die Backline, also sämtliche Boxen, mitzunutzen, Seahaven wollten das aus irgendwelchen Gründen nicht), und so fahren wir halt unkomplett los. Über Facebook suchen wir jemanden, der uns in Berlin Gitarrenboxen city lightleihen kann, und es dauert nur 6 Minuten, bis uns Smile & Burn ihre Boxen anbieten. Internet, wieder geil gemacht. Die Freude ist groß & wir kommen unglaublich entspannt in Berlin an. Wir treffen Sören von S&B am Cassiopeia, mit dem wir vor ziemlich genau einem Jahr auf kleiner Tour waren. Was für eine geile Band das ist. & auch die mit dem besten Humor, der mir einfällt. Dringend den YouTube Kanal durchzappen. Es ist toll Sören, am Abend auch Wolli und Chris von S&B wiederzusehen. Die Band bringt hoffentlich Ende des Jahres eine neue Platte raus & ich hab jetzt schon unendlich Bock darauf. Vor dem Konzert geben wir Gaston eine illegale Fahrstunde auf dem großen freien Platz hinterm Cassiopeia, er schlägt sich wirklich gut.

Wir hatten heute Abend ein ähnlich zurückhaltendes Publikum erwartet, doch wir liegen falsch. Die Leute sind enorm aufgeschlossenen und ich habe das Gefühl, dass wir das Gehör aller gut 100 Anwesenden haben. Das Konzert macht mir unendlich viel Spaß, vorallem auch aus Erleichterung dass ich heute nicht wieder in eine Schockstarre auf der Bühne verfalle. mahlzeitWieder sind viele Freunde da: Heisskalt-Tourleiter Niko war da, meine ehemalige Kollegin Dani, außerdem mindestens 3 deutsche Top10-Musiker, die hier anonym bleiben werden.

Nach dem Konzert gibt es wieder unzählbares Bier & tolle Gespräche, oben in der Bar läuft „Murder Ballads“ von Nick Cave durch. Sowas geht auch nur in Berlin irgendwie. Die Nacht verbringen wir wie immer auf dem besten Fußboden Berlins. Was ein toller Tag!

Platte des 6. Tages – Nick Cave & The Bad Seeds – Murder Ballads

Am nächsten Morgen geht es wieder früh raus, wir müssen nach Marburg, wo wir wieder zusammen mit Heisskalt spielen. Auf der Fahrt sehen wir einen schlimmen Autounfall auf der Gegenfahrbahn. Mir wird etwas schummerig dabei & hoffe dass uns sowas erspart bleibt.
Das Wiedersehen mit Heisskalt & Crew ist fiebrig & freudig, das KFZ wirklich ein hübscher Laden mit großer Bühne. In Marburg war ich noch nie, und habe leider auch nur knappe 20 Minuten Zeit mir die Stadt anzusehen. Aber mannometer ist das schön da. Das ist wahrscheinlich Allgemeinwissen, bisher aber an mir vorbei gegangen. Die mächtigen Ashes of Pompeii kommen aus Marburg, jetzt wo ich die Stadt gesehen habe, weiß ich nicht warum sie alle nach Köln gezogen sind. Heute abend spielen auch unsere Freunde FJØRT in der Stadt, jedoch schaffen wir es nicht uns zu sehen. Casi verwechselt den Joghurt mit der Nudelsoße am Catering, aber er gibt nicht sofort auf sondern isst seine Kreation tapfer, zumindest für einige Happen.

Beim Soundcheck müssen wir uns sputen, werden aber gerade so rechtzeitig fertig. Als wir um kurz nach 20 Uhr beginnen ist schon wieder ziemlich viel los vor der Bühne. Das ist so unglaublich. Mittwochabend, Marburg, und bei der Vorband haben die Leute schon Bock. Ich habe wieder sehr viel Spaß auf der Bühne. Das lokale Bier (Bosch) geht gut rein, mahlzeit 2von einer Konzertbesucherin bekommen wir eine Flasche Pfeffi geschenkt, die keine 4 Stunden alt wurde. Beim letzten Heisskalt-Song „Das bleibt hier“ singen wir wie jeden Abend auf der Bühne mit. Immer ein toller Abschluß der Abende – ich bin unendlich davon geschmeichelt, dass die Band unseren Bandnamen im Text des Songs verwendet, und wir da in so guter Gesellschaft genannt werden.

Heute Abend schlafen wir bei Kati, einer Marburgerin die wir gar nicht kennen. Wir haben nur einen gemeinsamen Bekannten, der uns zusammengebracht hat, wieder mit der geilen Macht des Internets. Bevor wir zu ihr fahren, legt Phil von Heisskalt wieder perfekt im Backstageraum auf. Es ist erschreckend wie gut wir uns alle verstehen. Kati ist supernett & nach ausgiebiger Sabbelei & Vernichtung der Pfeffiflasche ist Schlafenszeit. Zum Einschlafen läuft eine Folge Bibi Blocksberg. Ungelogen. Am nächsten Morgen macht uns Kati ein unglaubliches Frühstück, für dass sie fast 2 Stunden ackert. Genial.

Platte des 7. Tages – Akte-X Soundtrack

Und jetzt ist heute. Wir fahren nach Potsdam – heute Abend spielen wir im Linkin Park / Lindenpark, als weitere Vorband sind heute Zen Zebra dabei. Ich bin sehr gespannt!

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