‚We learned more from a three minute record, baby, than we ever learned in school.‘

john allen 2Schulzeit. Für die einen ein alltäglicher Spießroutenlauf, für die anderen eher ein riesengroßer Abenteuerspielplatz, um Mitschüler und Lehrer zu tyrannisieren. Ja, okay: Da gab es auch noch Leute, die wenigstens im täglichen Klassenchaos versucht haben etwas zu lernen. Je mehr ich auf diese Zeit zurückschaue, umso mehr frage ich mich, warum man manche Sachen lernen musste.

Oder wofür all die elendigen Verrenkungen an den beschissenen Geräten? Alles eine Art der Vorführung. Da könnt ihr mir erzählen was ihr wollt. Hatte ich überhaupt ein Lieblingsfach?

Vielleicht war es Handwerken. Kunst eigentlich auch, obwohl ich darin eine echte Niete war. Aber wahrscheinlich hat mich eher das Kreative angesprochen. Einfach mal weg von der staubtrockenen Theorie, die ich mir tatsächlich nur schwer einprägen konnte. Ausprobieren. Neue Ideen entwickeln, verwerfen, neu beginnen. ‚Und was ist mit Musik?‘ würde mich jetzt bestimmt jemand fragen. Berechtigt, ist es doch ein leidenschaftliches Hobby von mir. Aber zur Schulzeit? Nein. Ich habe nie die Sache mit den Musiknoten begriffen. Es schien mir wie ein unlösbares Rätsel. Und warum sollte ich meinen Mitschülern etwas vorsingen? Nur um diese zu quälen? Na super! Obwohl, manche hatten das tatsächlich verdient… Wie schön es einfach gewesen wäre, wenn man sich in jeder Musikstunde einen Songtext hätte raussuchen dürfen, um Aufbau und Inhalt in einer Gesprächsrunde zu besprechen.

Heute bin ich eher immer mal wieder darüber fasziniert, welche Songtexte ich mir über all die Jahre merken konnte und in welchem Ausmaß. Irgendwo im Gehirn hat man diese gespeichert und überfallen einen in den komischten oder traurigsten Momenten. Wahrscheinlich haben all die unzähligen Songtexte den bedeutungslosen Lernstoff aus der Schulzeit ausgelöscht, bzw. ersetzt. Und wie oft hatte ich dann folgenden Satz im Kopf:

‚We learned more from a three minute record, baby, than we ever learned in school.‘

Songtexte regen uns zum Nachdenken an.

Songs ergreifen uns, drücken fest zu und wringen uns wie einen nassen Lappen aus, um uns dann im Anschluss völlig entkräftet auf dem Boden (der Tatsachen) liegen zu lassen.

Songs kramen diverse verschüttete Erlebnisse hervor.

Songtexte/Songtitel lassen wir uns gerne tätowieren.

Lieder bringen unsere Augen zum Glänzen. Ob aus Freude oder aus Trauer.

Die Texte stecken voller Emotionen und das schöne daran: Jeder verbindet etwas anderes damit. Eine andere Geschichte, eine andere Begegnung.

Alben machen Lust auf mehr. Viel mehr!

Diese werden meistens in Dauerschleife gehört und bei jedem weiteren Hören entdeckt man eine weitere Kleinigkeit, die vorher noch nicht so wirklich in den Vordergrund drang. Deswegen allein lohnt sich jeder neue Hördurchgang, auch wenn man bei den ersten Malen nicht direkt damit warm geworden ist.

Bei dem zweiten Werk von John Allen namens Sophomore ist es bei mir jedenfalls so: Je öfter ich es im Auto höre, umso mehr wächst es mir ans Herz. Da sind Zeilen, die einen die Faust934810_847104355323288_4601020635017469184_n Richtung Decke oder Herz strecken lassen:

‚So here’s to all the ramblers who are still looking for direction
Put your arms around your loved ones
Those with which you roam
Sometimes happiness is closer than some of you might think
And somewhere down the road you’ll find your home
But if you’re searching for a home
Just go where your heart tells you to go.‘

Die persönlichen Lieblingslieder namens:

Home.
Springtime.
Freedom.
Famous last words.

Wenn man die Platte zum ersten Mal hört und John Allen noch nicht kennt, dann würde man mich wahrscheinlich auslachen, wenn ich dem Hörer sagen würde, dass dieser Musiker aus Hamburg stammt und nicht aus Amerika, wo man Herrn Allen mehr als gut irgendwo zwischen Chuck Ragan, Tim Barry & Frank Turner einordnen könnte.

John ging bereits vorher durch die Decke, ein regelrechter Senkrechtstarter. Durch ‚Sophomore‘ scheinen ihm jetzt auch die nächsten neuen Türen offen zu stehen und man gönnt es ihm wirklich aus tiefstem Herzen! Denn nicht nur mit seiner Musik weiß er zu überzeugen, sondern auch durch seine Art:

Arrogant? Dieses Wort könnte er sicherlich nicht mal buchstabieren.

Leidenschaft? Diese ist zu 100% am Start, wenn er auf der Bühne steht. Ob als Support oder Headliner. Ob vor kleinem oder großem Publikum. Völlig egal!

Offen. Herzlich. Talentiert. Unterhaltsam. Frech.

Doch. So würde ich jemanden John beschreiben, der ihm noch nicht begegnet ist.

Ich habe keine Ahnung, seit wann ich das Album in meinem Besitz habe, aber es wächst von Tag zu Tag. Ich weiß zum Beispiel noch sehr gut, als ich den Song ‚Famous last words‘ zum allerersten Mal gehört habe, bin ich weinend zusammengebrochen.

Ein Album muss mir Emotionen vermitteln und Neugierde wecken können. Es muss sich in Herz und Hirn einnisten. Es sollte ein treuer Begleiter werden, auch noch viele Jahre später.

All das habe ich tatsächlich mit Sophomore. Ich bin froh, dass ich damals über John Allen gestolpert bin & bin wirklich mehr als gespannt, wie es mit ihm weitergehen wird. Ich glaube, dass da noch Großes auf diesen jungen Mann zukommen wird!

john allen 1Tut mir einen Gefallen & bestellt euch diese Platte und geht an diesem Samstag (27. September!) zu seiner Record Release Show in Hamburg, Kleiner Donner! Man, was wäre ich gerne da! Aber wenn auch ihr sagt: Mist, ich schaffe es nicht nach Hamburg, bekommt ihr ganz am Ende noch ein paar Tourdaten. Da dürfte für viele von euch etwas dabei sein!

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Hier nun noch ein kleines Interview! Vielen Dank dafür, John!

Kunst- Album: Erzähl mal etwas über die gesamte und nicht unwichtige schützende Hülle für die Vinylscheibe: Wer war für die Gestaltung zuständig? Warum gerade dieses Motiv? Gab es vorher andere Entwürfe?

Das Design hat Dan Allen verbrochen, der ja auch so nebenbei mit den Ducking Punches gerade durch die Welt tourt. Ich habe ihm die Lyrics geschickt und ein paar Demos mit der Bitte einfach das zu malen, was ihm einfällt. Es gab noch einen Alternativvorschlag, aber schlussendlich stehe ich auf den maritimen Look und wir haben uns für das Cover entschieden. Schiffe sind für mich ein Stück Freiheit, die raue See, die Blitze zeigen mir dass nicht immer alles glatt läuft, aber dass es doch die Reise wert ist. Klingt philosophisch, oder? haha.

Kunst- Haut: Tattoos sind für dich …? Gibt es bestimmte Momente, an denen du dich unter die Nadel begibst? Was hast du dir zuletzt stechen lassen?

Tattoos sind für mich Lebensgefühl. Als ich ein Kind war habe ich immer diese Panini Bildchen gesammelt oder Sticker. Ein bißchen so ist es mit Tattoos, nur das ich statt Fussballern eben Momente sammle. Meine Tattoos haben für mich alle einen Bezug zu besonderen Momenten oder Songs die mich in diesen Momenten begleitet haben und wer trägt nicht gerne Erinnerungen mit sich herum? Für außenstehende ist es vielleicht nur eine Zeile aus ‚Born to Run‘ von Springsteen, aber für mich steckt da eben noch mehr dahinter. Zuletzt habe ich mir mit Joe Ginsberg und unserem Tourmanager Laurin Rüttlers ein Tourtattoo stechen lassen. Eine Hornbrille, die Zahl 2014 und “HOWL”, als kleine Verneigung an den großen Allen Ginsberg und an unsere gemeinsame Zeit auf Tour.

Wie ist es für dich, wenn sich Leute deine Songzeilen tätowieren lassen? Was ist das für ein Gefühl?

Da bin ich sehr zwiegespalten. Es macht mich unheimlich stolz, da es mir zeigt, dass meine Songs Menschen berühren und Ihnen etwas bedeuten. Man lässt sich ja in der Regel nicht einfach so etwas tätowieren was man nur “ganz nett” findet. Das ist das Eine. Auf der anderen Seite habe ich zu den Songs ja eine ganz andere Beziehung. Ich finde es schwer nachvollziehbar, dass jemandem etwas, das ich an meinem Schreibtisch zusammengezimmert habe, so viel bedeuten kann. Aber, wie gesagt, der Stolz überwiegt.

Englisch- Titel: Wenn ich mich richtig erinnere, dann hast du bei Facebook gefragt ob es Vorschläge gibt, wie das Album heißen könnte. Warum hast du quasi andere bei der Suche miteinbezogen und warum ist es am Ende ‚Sophomore‘ geworden? Welche Ideen für einen Albumtitel hattest du?

Ich dachte, wenn ich schon Crowdfunding betreibe, dann kann ich auch Ideen sammeln für einen Albumtitel. Meine eigenen Ideen haben mich alle nicht so überzeugt. “Petrol, Steel and Chrome” war so eine. Aber irgendwie passte das nicht zum Sound den ich anstreben wollte. Einen Songtitel gleichzeitig als Albumtitel zu nutzen hatte ich auch überlegt, mich dann aber dagegen entschieden weil ich nicht einen Song derart herausheben wollte. Ich weiß gar nicht mehr was ich noch hatte. “Going Home” glaube ich und “Sweet Sorrows”. Am Ende habe ich via Twitter den Vorschlag “Sophomore” bekommen und noch bevor ich mich genauer mit der Etymologie auseinandergesetzt hatte gefiel mir einfach der Klang. Dass der Rest dann auch passte, war dann umso besser.

Mathe- Crowdfunding: Wie bist du auf Crowdfunding gestoßen & was hat dich dazu bewegt, es bei dieser Plattform zu versuchen? Hattest du damit gerechnet, dass du die Summe erreichst? Würdest du erneut den Crowdfundingweg einschlagen?

Ich würde schon erneut auf Crowdfunding setzen, es hat einfach zu gut geklappt um die Alternative nicht erneut in Betracht zu ziehen, wobei ich wirklich nicht damit gerechnet hätte das es derart gut läuft. Ich war um ehrlich zu sein eher unsicher ob ich überhaupt genug Geld zusammenbekommen könnte. Das Einzige was mich wirklich nervt ist die Tatsache, dass beim Versand dann doch viel schiefgegangen ist und einige zum Teil noch immer auf ihre Platten etc. warten, weil sie unterwegs in zum Teil beachtlichen Mengen verloren gegangen sind. Auch bei den Coversong EPs habe ich mich zeitlich ein wenig verschätzt. Der Plan war eigentlich bis Juli / August alles verschickt zu haben, allerdings dauert das covern dann je nach Song doch deutlich länger als gedacht… die Qualität soll ja auch stimmen.

Musik- Reviews: Was denkst du über Rezensionen im Allgemeinen? Überflüssig oder doch eher brauchbar?

Schwer zu sagen. Also überflüssig auf keinen Fall. Im Gegenteil, ich lese recht gern Rezensionen. Wenn sie gut geschrieben sind, machen sie mir Lust das Album zu hören. Was Rezensionen zumindest bei mir nicht erreichen ist, dass sie meine Meinung vorweg bilden. Aber das sollte eben auch nicht das Ziel einer Rezension sein. Wenn eine Kritik ein Album allerdings so richtig zerreißt ist die Chance geringer, dass es den Weg auf meinen Plattenteller oder in meinen CD Spieler findet. Generell ist durch Spotify und so aber meiner Meinung nach die Wichtigkeit von Rezensionen gesunken, da sich inzwischen jeder, ohne dafür Geld zu zahlen, eine eigene Meinung bilden kann ob ihm das Gehörte gefällt oder nicht.

Wie gehst du mit schlechten Kritiken zu Sophomore um und was ist bisher das schönste, was du über dieses Album lesen durftest?

Zum Glück gab es so gut wie keine… eigentlich hat mich nur eine schlechte Kritik erreicht und die hat mich in der Tat ein bisschen getroffen. Aber ich glaube das ist einfach ein Lernprozess. Ich kann nicht erwarten – und ich erwarte auch nicht – dass meine Musik jedem gefällt, von daher wird es immer schlechte Reviews geben und das ist vollkommen ok, mir gefällt auch nicht jede Musik und jedes Album. ‚The first cut is the deepest’, wie Cat Stevens sagte. Achja und Bob Dylan hat gesagt, dass man Applaus erst dann genießen kann, wenn man das Gefühl kennt ausgebuht zu werden. Dramatisch, aber im Prinzip das Gleiche. Dank des negativen Review konnte ich die positiven noch mehr genießen.

Das schönste war eine Formulierung, ich weiß gar nicht mehr genau wo, aber sinngemäß stand drin, man würde mich gerne hassen weil ich all das in die Songs packe was man selbst sagen möchte. Man könne mich aber nicht hassen, weil ich es so gut verpacke. Das ist ein riesiges Kompliment. Achja, und laut Allschools bin ich unser aller neuer Kumpel. Auch nicht schlecht. Am Ende war das Gefühl im Rolling Stone zu stehen aber das Allesüberstrahlende. Also… wie gesagt, die Reviews waren sehr gut zu mir!

Was möchtest du in musikalischer Hinsicht noch gerne erreichen?

Schwer zu sagen. Ich würde gerne musikalisch wachsen, will heißen, zunehmend mehr Leute ziehen und erleben, wie die Shows größer werden. Langfristig würde ich auch gerne internationaler touren und aus John Allen Solo ein John Allen & Band machen.

Sport- Mannschaft: Erzähl doch mal etwas über dein baldiges Record Release Konzert am Samstag: Eine kurze Bandvorstellung? Wie ist es für dich, bald mit einer kompletten Band auf der Bühne stehen zu können? Auch in der Zukunft vorstellbar oder bleibt es eher ein Solo-Ding?

Wie gesagt, das langfristige Ziel ist in jedem Fall eine Band. Wie realistisch das für die nächsten zwei Jahre ist, das muss man einfach sehen. Auch mal abwarten wie es am Samstag läuft. Ich freue mich total, weil ich endlich den Sound auf die Bühne bekomme, den ich im Kopf habe und wir einfach eine riesige Party haben werden! Meine Band sind Lars Plogschties an den Drums, René Dlugosiewicz an der E-Gitarre, Karsten Brudy am Pedal Steel, Marcel Lichter am Klavier, Gunnar Vosgröne am Cello und Tim Grunwald am Bass. Allesamt sind das großartige Künstler.

Marcel spielt regelmäßig im Planetarium in Hamburg und will im nächsten Jahr in den Abbey Road Studios alle Beatles Songs als Soloklavierversionen aufnehmen, Gunnar hat schon mit Tomte und Thees Uhlmann gespielt, Lars hat beim neuesten EZIO Album getrommelt und und und… tolle Typen ohne Ausnahme… nur der Typ der singt…. haha!

Was kann man am Samstag erwarten? Wie würdest du fremde Menschen auf der Straße überreden, zu deinem Konzert zu kommen?

Wir spielen das Album durch, wir feiern und singen zusammen und wir werden mit Sicherheit Spaß haben. Der Kleine Donner wird wohl gut voll werden…. und warm, warm wird es mit Sicherheit!

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