‚Meet you in the middle‘- Überdosis Glücksgefühle bei Chuck Ragan & The Camaraderie in Saarbrücken.

IMG_2118Wir schreiben den 29. März 2015. Draußen stürmt und regnet es, man merkt – der April rückt näher. Nichtsdestotrotz ein Tag an dem mir nichts meine gute Laune rauben kann. Nicht nur, dass ich Chuck Ragan endlich wieder live erleben werde, nein, das Ganze auch noch gemeinsam mit meiner allerliebsten SCTYS-Kollegin Jasmin. Endlich wieder gemeinsam zu einem Konzert. Endlich wieder Chuck live sehen.

Jess: Und was gibt es schöneres, als wenn man sich nicht „nur“ auf den eigentlichen Headliner, sondern auch noch irrsinnig auf den Supportact freut?! Angefangen hat der Abend mit niemand geringerem als Tim Vantol. Der Club, um genauer zu sein, die Garage in Saarbrücken, war noch nicht einmal zur Hälfte voll, da stand dann plötzlich Tim auf der Bühne. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum das anfangs gar nicht wirklich realisert hatte, dass es langsam los gehen sollte. Auch ich brauchte ein, zwei Minuten, bis ich dann schnell zur Kamera griff, in den Graben huschte und nicht wusste ob ich lauthals mitsingen oder doch auf den Auslöser drücken sollte. Ich entschied mich für beides. Multitasking. Kann ich.

Tim selbst ließ sich von den Gesprächen im Publikum während des Gigs nicht beirren. IMG_1871Der niederländische Sänger, der inzwischen in Deutschland lebt, überzeugte mal wieder mit seiner authentischen Art, seiner Dankbarkeit die ihm ins Gesicht geschrieben zu sein scheint und seiner unverwechselbaren Stimme. Songs wie Hands full of dust, Dirty boots oder auch if we go down, we will go together! fanden da sehr schnell Anklang. Tim redete gerne mit dem Publikum, mal auf deutsch, mal auf englisch – aber immer mit einer gehörigen Portion Sympathie.
So äußerte er seine Meinung gegenüber den Medien, die aktuell über den Flugzeugabsturz der Germanwings herziehen und spekulieren. Daraufhin sang er den Song Nothing und forderte das Publikum zum Mitsingen auf – allerdings konnte man außer drei Kerlen, die weiter vorne standen, kaum wen hören. Da kam ihm die Idee, das Ganze auf deutsch zu singen. „Nichts ist wie es scheint“ hallte es plötzlich aus allen Ecken – das Eis war gebrochen und ab da gewann er das Publikum mehr und mehr für sich. Summa summarum ein mehr als gelungener Start in einen wunderbaren Abend.

Jasmin: YES! Da gurkt man fast 7 Stunden von Hamburg nach Saarbrücken mit dem Zug umher und stellt fest: Super, das Hamburger Wetter hängt sich auch in dieser Region mächtig ins Zeug. Da kann man schon fast sagen, dass ich mich fast wie zu Hause gefühlt habe. Aber auch eben nur fast! ‚Fuck off!‘ hätte mein australischer Lieblingskollege nur trocken dazu gesagt und ich hätte kopfnickend zugestimmt.

Konzerte sind meistens eine Reise wert, erst recht wenn man weiß, dass man dort auf Menschen trifft, die man ewig nicht mehr gesehen hat, aber dennoch immer einen Platz im Herzen haben werden. Nicht wahr, Jess und Gisbert?

Nachdem Goldlöckchen Tim Vantol die Bühne verließ, wurde alles für den nächsten Supportact vorbereitet: Skinny Lister! Zugegeben- ich habe mich mit dieser Band noch nie wirklich auseinandergesetzt. Ich weiß nur, dass ich mir damals mal die Videos von Cardinal Sessions angesehen habe und die Herrschaften selbst im tiefsten Winter den Schnee zum Schmelzen bringen konnten…

Dieses Mal standen sie vor mir. Verstärkt und nicht mehr nur akustisch, wie in dem Video. Manchmal ist es doch gut, wenn man sich im Vorfeld nicht zu sehr mit einer neuen Band beschäftigt, denn ich finde, dass man während eines Auftrittes umso mehr aufsaugen kann: Von der herrschenden Energie zwischen den Bandmitgliedern, die sich auf der Bühne in einen riesigen Wirbelsturm verwandelt und ALLES und JEDEN wegfegt. Eine Mischung aus FolkPopRockSchunkelMusik erwartete uns und die 6-köpfige Band ließ keine einzige Verschnaufspause zu.

IMG_1902Lorna, die einzige Dame in der Runde, tänzelte vergnügt umher, lächelte unentwegt und ließ sicher nicht nur die Herzen der Männer im Publikum höher schlagen: Charismatisch und einen definitiven Wiedererkennungswert in der Stimme. Während eines Liedes verkrümelte sich Lorna, um mitten im Publikum mit einigen Damen und Herren einen schönen Tanz auf’s Parkett zu legen und das kam mehr als gut an!

Ansonsten kann ich nur für mich sprechen und sagen, dass ich sehr fasziniert von Michael, dem Bassisten, war. Das, was die Frontfrau im Publikum fabrizierte, schien er wirklich die ganze Zeit mit seinem Instrument zu machen: Tanzen, von links nach rechts zu wandern und sich geschickt im Rhythmus der Musik zu bewegen, als wäre dieser sperrige Gegenstand der leichteste der Welt.  Ein Graus für die Fotografen, ein riesiger Spaß für mich und sicherlich auch für die meisten anderen im Publikum.

Skinny Lister: Eine Band, die uns einpackt und mit auf eine kleine Weltreise nimmt. Ein wunderbares Live Erlebnis und ich kann es kaum erwarten, die Bande in Hannover und Hamburg erneut zu sehen!

Nach einer kurzen Umbaupause und einem immer höher schlagendem Herzen war es endlich an der Zeit für Chuck Ragan & The Camaraderie: Die Lichter im Saal erloschen, die Jungs stürmten unspektakulär die Bühne, das Publikum jubelte und ich war der glücklichste Mensch auf Erden! Ich weiß nicht warum, aber ein Konzert von diesen Musikern fühlt sich immer wie ein riesengroßes, dennoch sehr intimes, Familientreffen an: Die bestehende ehrliche Liebe, die den Raum nur Sekunden nach den ersten Klängen durchflutete, dürfte wohl jeden einzelnen erreicht haben. Eine Wohlfühloase der ganz besonderen Art mit der wohl bodenständigsten und dankbarsten Band der Welt!

Ein Konzert ist nur dann so richtig gut, wenn:

– …man all den Seelenballast über Bord werfen kann, neuen Mut und neue Kraft schöpft und jeden Moment genießt.

– …man die Augen für einen Moment schließen kann, sich der Herzschlag dem Schlagzeugrhythmus anpasst und alles innerlich pulsiert.

– …man beim Hot Water Music Brecher ‚Drag My Body‚, allein vorgetragen von Chuck, mit Tränen in den Augen vor der Bühne steht und mitsingt, so laut es geht.

– …man sich bei den ersten Klängen von ‚Meet You In The Middle‘ fragt, aus welcher Ecke denn nun Brian Fallon gestolpert kommt.

– …man die Selfieknipser in der ersten Reihe gekonnt ignoriert.

– …man sich fragt, warum die ‚Publikumsschwimmer‘ nur bei den ruhigeren Songs auftauchen.

– …man sich wirklich über sämtliche Songs freut, die man zu Gehör bekommt: Do You Pray, Revved, The Boat, Flame In The Flood, Vagabond,…

– …man die Textzeile ‚Say what you want I don’t mind!‘ lauthals mitbrüllt.

Chuck Ragan & The Camaraderie sind etwas ganz Besonderes in dieser manchmal grauen und trostlosen Musikwelt. Sie kapseln sich nicht von den Fans ab, besitzen sehr viel Humor, Gelassenheit und ein wahnsinnig großes Herz. Sie sind überaus Dankbar für all den Support, den sie schon seit vielen Jahren bekommen und sie meinen es verdammt ernst.

Alle, die an diesem Abend nicht in Saarbrücken dabei sein konnten, hatten das Glück, dass dieses Konzert Live übertragen wurde und somit musste nun wirklich niemand traurig sein, es nicht in diese Stadt geschafft zu haben und erhielten somit ein wirklich mehr als schönes Trostpflaster!

Jess: Chuck Ragan – ob mit oder ohne Band auf der Bühne, er schafft es immer IMG_2230wieder, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Wie von Jasmin bereits erwähnt, spielte er u.a. Drag my body solo auf der Bühne – und auch für mich war das eins der vielen Highlights des Abends und ein definitiver Gänsehautmoment. Der Mann mit der Löwenstimme, die alle Herzen berührt! Ehrlich, authentisch, dankbar und gut gelaunt. Was will man mehr? Während des Gigs holte Chuck sich für do you pray niemand geringeres als Tim Vantol und Maxwell Thomas von den Skinny Listers auf die Bühne – wovon das Publikum mehr als nur begeistert zu sein schien. Die Stimmung war gut und die Crowdsurfer drehten ihre Runden. Einer der Surfer gröhlte bei einem Song lauthals mit – so laut, dass selbst Chuck auf der Bühne lachen musste – als der junge Mann dann im Graben landete, hielt Chuck ihm das Mikro hin und so entstand ein kleines Duett und als Dank gab es zusätzlich noch eine Umarmung.
Auf der Setliste fanden sowohl ältere als auch aktuellere Songs einen Platz – zudem kamen wir in den Genuss von einem brandneuen Song! Was soll ich sagen? Wir hatten eine gute Zeit und einen unvergesslichen Abend.

Und jetzt viel Spaß beim Fotos gucken!

http://chuckraganmusic.com
http://www.timvantol.com/
http://skinnylister.com/

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