Stumm-sche Reithalle machte den Namen alle Ehre: Senore Matze Rossi & Jawknee Music enterten die Bühne.

JKM04Dieses herrliche Gefühl, wenn man nur noch wenige Stunden vom Kurzurlaub getrennt ist. Während des letzten Arbeitstages schaut man ständig ungeduldig auf die Uhr, bis diese endlich 16 Uhr anzeigt. Die Zeit rumgebracht, schnell verabschiedet und raus in die süße Freiheit! Aber seit Jahren ist es bei mir tatsächlich so, dass ich Urlaubstage hauptsächlich für irgendwelche Konzerte verbrate und es auch gerne mache. Denn wenn ich so darüber nachdenke, war ich noch nie in diesem ‚klassischen‘ Urlaub. Nun, man muss ja nicht jeden Blödsinn mitmachen, nur weil es alle machen, oder? Neunkirchen. War ich noch nie, aber verliebte mich direkt. Kontrastprogramm zu Hamburg, aber mir gefiel es sehr. Überschaubar, keine Menschenmassen, angenehm. Eingecheckt im Hotel, welches günstigerweise nur ungefähr 2 Gehminuten vom Veranstaltungsort entfernt lag. Luxus nenne ich das!

Die Zeit raste nur so vor sich hin, was eigentlich an diesem Tag nicht ganz so gut war: Denn Jess und ich mussten noch Vorbereitungen für das gemeinsame Interview mit Senore Matze Rossi und Jawknee Music treffen und was soll ich sagen: Die Zeit wurde immer knapper und wir am Routieren.
Aber: Das Interview wird bald veröffentlicht und deswegen zu einem späteren Zeitpunkt mehr dazu!

Vor Wochen eine Karte für dieses Konzert gekauft und da noch nicht gewusst, wer als Support dabei sein wird. Später wurde bekannt gegeben: Jawknee Music. Und es folgte ein großer Freudensprung meinerseits, denn dieser Herr gehört mit zu unseren persönlichen Lieblingen bei SCTYS, ebenso wie Matze Rossi. Wie sagte ich später zu dem Neunkirchener Journalisten: Traum Line-Up!

Als wir die kleine ‚Festhalle‘ betraten, spielte Jawknee Music bereits seinen ersten Song, die Stühle waren vor der Bühne schon ganz gut besetzt, sodass wir uns erst hinten hinstellten, uns dann aber noch schnell 2 Stühle gereicht wurden. Servicewüste Deutschland? In Neunkirchen ist das sicherlich nicht der Fall!

Während Jess mit Kamera bewaffnet den Saal durchstreifte, versank ich regelrecht in den Songs von Jawknee Music. Es herrschte eine mehr als angenehme Stille beim Publikum und der Herr sang sich noch mehr in mein musikalisches Herz und hat dort einen lebenslangen Parkplatz ergattern können. Hätte ich diesen Typen erst beim Interview richtig kennengelernt, ohne die Musik jemals zuvor gehört zu haben, wäre ich wohl glatt vor Sprachlosigkeit vom Stuhl gefallen. Denn diese kraftvolle mit Sandpapier abgeschmirgelte Stimme geht durch Mark und Bein und ich habe mich irgendwann selbst dabei erwischt, wie es mir regelrecht die Luft raubte und ich mich daran erinnern musste, wieder mit dem Atmen anzufangen.

Dieses Spiel mit seiner Stimme, eine wahre Achterbahnfahrt. Erst leise vor sich hin tapsend, um dann Etappenweise immer mehr Schwung und Schnelligkeit aufzunehmen. Ähnlich wie bei einem Tornado: Es wird urplötzlich zu etwas ganz Großem, unvorgesehen. Alles wird in Schutt und Asche gelegt.

Jawknee Music brüllt seine Songs aber nicht ‚einfach so‘ ohne Sinn und Verstand raus, nein, er transportiert genau das Gefühl, welches für den jeweiligen Song angedacht ist. Er scheint regelrecht in die Zeit zurückgetragen zu werden, in der die Songs entstanden sind, bzw. zu deren Hintergrundgeschichte. Und an dieser Stelle darf ich bestimmt auch zugeben, dass ich schon oft einige Tränen lassen musste, als seine Platte ‚My Turn‚ bei mir im Wohnzimmer lief. Somit waren beim Konzert einige Momente dabei, wo die Augen etwas feuchter wurden.

Das macht Musik für mich aus: Es muss mich berühren. Mitnehmen. Ich muss es dem Musiker abnehmen können, was er in diesem Moment von sich gibt. Authentisch. Ich brauche keine große Show, ich möchte Songs hören, die mich aus der Bahn werfen, auch wenn es schmerzt. Songs, die mich andererseits aufsammeln und aufbauen. All das finde ich bei Jawknee Music. Ich bin mehr als Dankbar, dass mich damals Ben von Homebound Records anschrieb und ich somit auf diesen Musiker aufmerksam gemacht wurde. Jess und ich sind bereits mehr als gespannt, wie das zweite Album werden wird (denn die neuen Stücke klangen bereits sehr vielversprechend!) und werden weiterhin Supporter bleiben, von ganzem Herzen.

Jawknee Music, vielen Dank für diesen grandiosen Auftritt und für ‚Wayside‘!

Umbaupause. Wir entschieden uns dafür, mit unseren Stühlen auf die rechte Seite zu wechseln, denn Platz war noch genügend vorhanden. Während dieser kleinen Unterbrechung wurden wir von einem örtlichen Journalisten befragt. Da habe ich gemerkt: Man sollte mich nie nach Sachen fragen, wie: ‚Seit wann unterstützt ihr xy?‘ Sowas kann ich mir wirklich nur sehr schlecht merken, hab aber dennoch halbwegs ins Schwarze getroffen. Glück gehabt!

Danach Senore Matze Rossi.

Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass sich ungefähr 40 Leute in der Reithalle eingefunden haben. Es herrschte weiterhin diese Stille und während der Songs hätte man die berühmte Nadel hören können, wenn eine zu Boden gefallen wäre. Es war aber nicht bedrückend, wie es manchmal der Fall ist. Es ist schön, wenn Musiker die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Während sich bei Jawknee Music kaum Fehler einschlichen, kamen bei Matze ab und an die berühmten Texthänger zum Vorschein. Selbst wenn man ihm zum ersten Mal auf der Bühne sehen würde, ohne sonderliche Vorkenntnisse seiner Songs zu haben, wäre es ziemlich leicht ihn zu entlarven. Warum? Ob nun Texthänger oder eine kurzzeitig falsche Melodie auf der Gitarre: Matze verrät sich dadurch, dass er selbst über diese Fehler lachen kann und das ist auch gut so.

Denn sind wir mal ehrlich: Wer will schon ein glattgebügeltes Rossi Konzert sehen? Fehler sind einfach menschlich und in diesem Falle nicht tragisch. Es gehört dazu, es hat sich eingebürgert, wenn man so möchte. Genau wie dieser Wackelelvis Tanzstil oder die nicht vorhandene Setlist. All das ist Rossi.

Einem Mann, den man gerne begegnet, denn ihm scheint sprichwörtlich die Sonne aus’m Arsch, es ist mehr als verblüffend, denn schlechte Laune scheint in seinem Kosmos nicht zu existieren. Matze strahlt etwas ganz Besonderes aus. Ich würde fast behaupten, dass es die pure Lebensfreude ist, die ihn so erleuchten lässt. Das steckt an, denn schaut man ab und an ins Publikum, haben viele ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen und allein das spricht Bände.

Live pendelt Matze zwischen dem ‚verflixten Alter‘:

‚Was kann ich denn jetzt noch für Songs spielen?!‘

‚ernstgemeinten Blödeleien‘:

‚Ich hätte gerne eine Wackelfigur von mir, die dann beim Merch verkauft werden kann…‘

und dem ‚Kind im Manne‘:

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Was mir immer wieder auf’s Neue eine Gänsehaut beschert: Wenn es um den Song ‚Best Friends‘ geht, er über Wauz spricht und man ihm regelrecht anmerkt, wie schwer es Matze teilweise fällt, die richtigen Worte zu finden. Besonders an diesem Abend, denn der Red Tape Parade Frontmann verstarb vor fast genau 2 Jahren. Solche tiefen Risse im Herzen werden nie richtig verheilen.

Kritikpunkt aus meiner Sicht: Ich bin wirklich kein Fan von Sitzkonzerten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dadurch eine Art Distanz zwischen Musiker und Publikum entsteht und somit das gewisse Etwas abhanden kommt.

Nichtsdestotrotz: Ein wunderbarer Abend mit 2 grandiosen Musikern, denen man für die weitere musikalische Zukunft nur das ALLERBESTE wünscht.

Zum Schluß gibt es hier einige Schnappschüsse von der guten Jess!

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