Plattenalarm #2: ‚Und irgendwas klingelt, jeder ist wichtig.‘

551162_10150629168070614_1170936562_nWährend wir Bands/Musiker fragen, ob sie blind in ihr Plattenregal greifen, um uns im Anschluss etwas über das gezogene Werk zu erzählen, drehe ich jetzt den Spieß etwas um: In unregelmäßigen Abständen werde ich mir gezielt ein Album greifen, welches ich vielleicht schon seit Wochen und Monaten nicht mehr gehört habe und das niederschreiben, was mir direkt in den Sinn kommt. Spaß macht es definitiv, denn so kommen die ehemaligen Lieblingsalben mal wieder zum Vorschein, so geschehen: Gestern. Und warum? Weil ich mich munter durch das Fotoalbum vom großartigen und unterstützenswerten Herzenslabel Grand Hotel van Cleef klickte: GHvC Releases.

Während ich vor mich hin klickte, kamen mir sämtliche Dinge über die Lippen:
‚Richtig gut!‘
‚BESTES ALBUM ever. Ever? EVER!‘
‚Awwwwww!‘
‚Ahja, steht noch auf meiner unbedingt KAUFEN Liste!‘
‚EAST CAMERON FOLKCORE, diese Tiere!‘

Und man kennt das ja: Sieht man nur das jeweilige Cover, fängt es im Kopf schon an zu zucken und zu blitzen und die Erinnerungen springen wie ein wildgewordener unzähmbarer Flummiball von links nach rechts und oben und unten, bis man schon fast ins Taumeln kommt. Sensationell. So wird es sein, wenn man ganz am Ende nochmals sein Leben im Schnelldurchlauf sehen kann- in diesem Fall dreht es sich aber Gott sei Dank -nur- um die musikalische Schiene, sodass an ein Ende noch lange nicht gedacht wird.

Klick.
Klick.
Klick.
Moment. Nochmal zurück.
Klick
Klick.
Stop!
Herzchenaugen.
Schnellerer Herzschlag.
Kurzer Atemstillstand.

Wenn das passiert, kann man nur über ein Album gestolpert sein: Nämlich ‚Keine Lieder über Liebe‚ von der schmerzlich vermissten Hansen Band! Bäm! Direkt wieder neu verliebt.

Was mir alles in den Sinn kam?

Zum Beispiel, dass ich Tage vorher bei dem Konzert von Zahnlückengigant Thees Uhlmann in Halle war und er ganz kurz Jürgen Vogel erwähnte, man ganz verzückt im Publikum stand und kurzzeitig die Melodie von ‚Kamera‚ im Kopf hatte.

Oder daran, dass ich mich vor einigen Jahren mit meiner heutigen Blogkollegin Jess in Berlin traf, um ein Interview mit ClickClickDecker zu führen. Und wir uns vorgenommen haben, irgendwann mal Herrn Vogel vor uns sitzen zu haben. Ach ja: Dieses Ziel werde ich in diesem Jahr tatsächlich neu aufgreifen und bitte die Daumen drücken, dass wir das bald schaffen werden!

Ich erinnere mich noch an das GHvC Fest in Potsdam. Lindenpark. 2007, glaube ich. Ich war hauptsächlich wegen der Hansen Band da, ja. Ich erinnere mich daran, dass es sehr lustig aussah, wenn Jürgen Vogel mal näher bei Marcus Wiebusch stand. Nun, auf Augenhöhe trafen sich diese beiden Männer wohl nie. Achja: Achtung: Flachwitz! Kennt ihr das auch, wenn Erinnerungen schwach, aber dennoch irgendwie stark da sind? Man sie aber nicht mehr richtig greifen kann? Bzw. liegt es extrem auf der Zunge, aber irgendwie fehlt ein Puzzleteil. Manche nennen es auch einfach das Alter.

Ansonsten hatten wir im Jahre 2008 ein Konzert von Tomte in der Berliner Columbia Halle. Und als Special Guest? Natürlich! Charmebolzen Jürgen! Wahnsinn, wie ich mich darüber gefreut habe. Da war das Anfangsstadium meiner Lungenentzündung zumindest für einige Minuten vergessen.

Gestern sprintete ich voller Vorfreude zum CD Regal, um mir das Album zu schnappen und aufzulegen. Und was soll ich sagen? Dauergrinsen war vorprogrammiert! Ich weiß tatsächlich nicht mehr, wann ich diese Songs zuletzt gehört habe, aber es fühlte sich wie eine kleine Ewigkeit an. Dennoch erinnerte sich der Kopf noch bemerkenswert gut an die Texte. Welche Zeilen ich mir direkt und ohne großes Nachdenken tätowieren lassen würde? Gute Frage! Wahrscheinlich diese:

‚Und was macht eigentlich Baby Melancholie mit einer Überdosis Zeit?‘
‚Und niemand ist gerne alleine, wenn ein Krieg ausbricht. Und niemand ist gerne zu dritt, wenn eine Träne fließt.‘
‚Zwischen Raufaser und Wand klebt die Hoffnung fremder Leben, klebt die Sehnsucht nach was Neuem, kleben Bahnen von Tapeten.‘
‚Und was man verdient ist nicht was man bekommt. Willkommen an der Front. Und irgendwas klingelt, jeder ist wichtig.‘
‚Nehme das, was passt, bau eine Festung mit tollen Mauern aus Schwachsinn und Trauer.‘

Ach, eigentlich noch viel mehr, wenn ich ganz ehrlich sein soll!

Die Texte wurden von Thees Uhlmann, Marcus Wiebusch, Max Martin Schröder und Reimer Bustorff geschrieben, was man auch merkt: Die Zeilen kommen nicht direkt sondern verkantet daher. Heißt, dass man an manchen Stellen genauer und mehrmals hinhören muss, um zu erkennen, welche Aussage dahinter steckt. Was will man mit Zeile xy übermitteln? Was genau dachte sich der Schreiber dabei? Wenn man zum Nachdenken angeregt wird kann das nie verkehrt sein, oder?

Wunderbar, was Musik von der einen auf die andere Sekunde bewirken kann. Besonders in diesem Fall hat man sich zurückgelehnt, hat einige Szenen aus dem gleichnamigen Film an sich vorüber ziehen lassen, summte und sang leise vor sich hin. Songs und ganze Alben gehören wohl mit zu den bedeutendsten Erinnerungsstücken, die wir besitzen können und ich hoffe, dass dieser Flummiball nie aufhört von der einen Wand zur nächsten zu springen.

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