Welche Frage mir in letzter Zeit sehr oft gestellt wird: ‚Warst du betrunken…?!‘

Foto: Just Photographer Berlin.
Foto: Just Photographer Berlin.

Wenn mir diese entgegenschmettert, beginne ich zu lachen und meine nur: ‚Ich trinke gar keinen Alkohol!‚ Glaubt mir aber natürlich in diesem Moment keine Sau, wenn die Blicke auf den rechten Unterarm wandern. ‚Jaja, ist klar!‚ Und kurz darauf folgt noch dieses unauffällige Zwinkern mit dem Auge. Kennt ihr alle, ne? Aber dann beginnt der Kopf an zu arbeiten, was man sich natürlich nicht anmerken lässt: Was ist, wenn mir jemand etwas in das ALKOHOLFREIE Getränk gekippt hat? Oder fließt aus einem Wasserhahn doch kein übliches Wasser, wie bisher immer angenommen, sondern Geruchs- und Geschmacksneutraler Schnaps, der wirklich alle Sinne innerhalb weniger Sekunden benebelt und Gedächtnislücken auslöst? Während mir die Person gegenüber noch immer fleißig zuzwinkert, beginne ich gedanklich meine Reise in die Vergangenheit…

Ich weiß noch, dass es an einem Freitag war. Tagsüber schien die Sonne, es war weder zu warm noch zu kalt. Angenehmes schwedisches Wetter, behaupte ich an dieser Stelle einfach mal. Großflächiges Chillen war angesagt, untermalt von feinster Musik und den zärtlichen Raufereien der Hunde Ronja und Laska. Achja: Weil ich zu oft ‚Laika‘ sagte, baute ich mir eine Eselsbrücke: aLaska. Das hat mich gut gerettet- bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir die Brücke nicht mehr eingefallen ist und man eben stattdessen ‚Du! Komm mal rüber hier!‚ schrie. Musste man ganz vielleicht so 20x wiederholen, bis es funktionierte, aber immerhin!

Irgendwann setzte die Dämmerung ein, Jacken und leichte Decken kamen zum Einsatz und so saß man in friedlicher Runde am Lagerfeuer und lauschte den Klängen von Ben Barritt.

Foto: Jess.
Foto: Jess.

Während Jess und ich etwas frierend vor dem Haus rumlungerten, kam uns ein Angebot von Esther entgegen, welches man nur schwer abschlagen konnte:

‚Ihr könnt die Wärme des Wohnzimmers inhalieren, wenn sich einer von euch in die Hände von Atze Ossi begibt!‘
‚Wärme? Inhalieren? Wo muss ich unterschreiben? Da? Okay, erledigt! Obwohl, MOMENT! Wer ist eigentlich dieser…‘

Weiter kam ich nicht, denn schon zog man mich zurück Richtung Lagerfeuer. Wird man mich jetzt lebendig verbrennen? Wärme. Inhalieren. Wohnzimmer- nur eine andere Umschreibung für die lodernden Flammen, die garstig ihren Weg Richtung Himmel suchen? Da ich leider immer viel zu viel nachdenke, komme ich in verzwickten und scheinbar aussichtslosen Situationen einfach nicht dazu die Beine in die Hand zu nehmen und schreiend wegzurennen. Wie oft habe ich danach immer eine endlose Diskussion mit dem Kopf geführt? Und wie oft habe ich dabei verloren? Nichts gelernt!

Esther tippte jemanden von hinten auf die Schulter.

‚Meister?‘
‚Sprich!‘
‚Ich habe das fehlende Opfer gefunden. Der Vertrag wurde unterzeichnet, wir können sofort anfangen.‘

Ein kurzer durchdringender Blick erreichte mich. Er nickte Esther kurz zu, erhob sich unauffällig, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so liefen wir zurück zum Haus. 20150627_131804

Das ist also dieser mysteriöse Atze Ossi oder sollte man ihn eher mit ‚Meister‘ ansprechen? Ich war mir nicht ganz so sicher und hielt lieber die Klappe. Vielleicht stand auch etwas im Kleingedruckten darüber, aber das liest doch in der heutigen Zeit so und so niemand, stimmt’s?

Haus erreicht. Schuhe aus, in der Küche fast über Gorilladame Ronja gestolpert, kurz darauf High 5 mit Laska. Unsere Homies!

Die Uhr zeigte irgendwas mit 23 Uhr, als man die Wohnzimmerhalle betrat. Schummriges Licht hier und da und ein paar dunkle Gestalten irrten herum, die alle ein merkwürdiges Blitzen in den Augen und ein schelmisches Grinsen im Gesicht trugen. Manche klammerten sich an die Bierflasche, andere saßen irgendwo und schauten sich das Treiben aus den hinteren Reihen an. Ein anderer (ich nenne jetzt keinen Namen, nicht wahr, Steven?) lief angestachelt hin und her, schüttelte mit dem Kopf und fragte ab und an, ob das gerade alles REAL wäre. Ich konnte leider keine wirkliche Antwort darauf geben, denn- ich war mir auch überhaupt nicht mehr sicher. Aber die Zwangsjacke stand ihm gut, das kann ich definitiv sagen.

Kameras lagen bereits griffbereit, der Wohnzimmertisch war fein säuberlich mit Klarsichtfolie abgeklebt worden. Warum? Damit man sich nachher nicht um die lästigen Blutspritzer kümmern muss? Und somit der Putzfrau am nächsten Morgen keine Erklärung abgeben muss? Eigentlich sehr schlau, oder?

Nico ging rüber zu Atze, welcher sich gerade die Hände wie ein Vollprofi desinfizierte und im Anschluß stylische Handschuhe drüber zog. Sie saßen sich gegenüber, der Meister hatte seine Angestellten für Licht, Tupfer und diversen anderen Sachen am Start und bestens im Griff. Ein mehr als angenehmes Brummen durchtränkte den Raum, es wirkte fast etwas hypnotisch auf alle Beteiligten.

Leider konnte ich nicht genau sehen, was dort passierte und welches Symbol unter die Haut gebracht wurde. Aber die Schmerzensschreie ließen nichts Gutes erahnen. Ohne zu zucken malträtierte er Nico weiter, bis dieser irgendwann aufgab, mit dem Kopf auf der Tischplatte lag und immer irgendwas von ‚Egal, egal!‚ säuselte, was sich bei mir bis tief in die Gehirnrinde einbrannte.

Nach unzähligen Minuten wurde er erlöst, sein Unterarm wurde eingetütet und schon hieß es:

JASMIN!

Foto: Just Photographer Berlin.
Foto: Just Photographer Berlin.

Ich ließ meinen Blick schweifen und hatte gehofft, dass sich Ronja schützend vor mich stellt und mich irgendwie aus der Nummer befreit, aber sie schnarchte stattdessen noch immer friedlich vor sich hin. Nunja, hätte ja funktionieren können.

Als Begleitmusik wählte ich Muff Potter. aus, da kann man schreien wie man will- es passt immer zum laufenden Lied. Sehr praktisch!

Ein diabolischer Blick vom Meister erreichte mich, er hatte scheinbar Blut geleckt. Es fing erneut an zu Brummen und während sich die Nadel ihren Weg in die Haut suchte, versuchte ich zu erahnen, was ich dort gerade -FÜR UMME- auf den Unterarm getackert bekam. Da Atze es aber etwas spannend halten wollte, verschmierte er etwas viel von der schwarzen Farbe auf die nicht betroffenen Partien und lachte sich ins Fäustchen. Ganz bestimmt!

Da ein grader Strich, hier ein kleiner Verwackler- Schluß. Aus. Ende! Prozedur überstanden und schon wurde der Arm notdürftig von all der Farbe befreit und ich konnte endlich erkennen, was ich ab sofort bis zum Lebensende mit mir rumtragen werde:

Den Idiotenstempel.

Foto: Just Photographer Berlin.
Foto: Just Photographer Berlin.

Wahnsinn. Was hatten wir für eine geile Zeit beim Kaos Skola Festival in Schweden! Esther und Nico haben so etwas schönes und berauschendes auf die Beine gestellt, dass noch immer die Worte fehlen. Vielen Dank!

Vielen Dank auch an Matze, der sich tatsächlich als Tätowierer versuchte und den Spaß mitmachte. Was aus einer anfänglichen Schnapsidee alles werden kann, herrlich! Wie es für den Meister war? So:

das tätowieren war schon heftig für mich! was mir dabei durch den kopf gegangen ist: oh man, was geht denn jetzt ab?!
ich habe mich dann konzentriert und alles so gut gemacht wie ich es konnte. eigentlich wie konzerte spielen!

Bald folgt dann auch wirklich der Bericht über das Festival!

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