Tourlaub #1: Pendelei zwischen Joey Cape und Matze Rossi!

IMG_20160331_224643(1)BÄM! Kennt ihr dieses Gefühl, dass man einfach raus muss? Die eigenen vier Wände verlassen und in sämtlichen Städten aus dem Zug fallen? Den Urlaub mal ganz anders verbringen? Genau, so erging es mir und als der liebe Matze Rossi die ersten Daten seiner ‚Ich fange Feuer‘ Tour veröffentlichte, war mir eine Sache sofort klar: Da will ich hin! Das Herz schreit schon wahnsinnig laut nach Livemusik, da man diese in den letzten Wochen und Monaten stark vernachlässigt hat- aus Gründen. Plötzlich kam auch noch Joey Cape um die Ecke und somit stand es fest: 4x Joey Cape und 12x Matze Rossi!

Danach bin ich zwar offiziell PLEITE, aber man muss ja auch immer diese berühmten Opfer bringen, nicht wahr? Ich werde euch in diesem Artikel auf dem Laufenden halten, es wird täglich aktualisiert. Ob ich diese 15 Tage wirklich durchhalte, ohne Aussicht auf einen Offday. Ob die Gesundheit mitspielt oder sich wie so oft eine Erkältung anschleicht. Ob ich mich verlaufe (und ob ich das werde!) und was mich einfach tierisch nervt, wenn man von einer Stadt in die nächste fährt.

28. März: Joey Cape, Walt Hamburger, Yotam Ben Horin, Laura Mardon im Hamburger Knust

Mein persönliches Warm-Up zu der 15 tägigen Tour, die nur wenige Tage später starten sollte. Joey ist mein musikalischer Held und wenn er zur akustischen Tour lädt, dann überlege ich tatsächlich nicht lange und nehme an Daten mit, was nur geht! War es 2013 noch irgendwas mit Hamburg, Dortmund und Leipzig, bin ich mehr als froh,
es in diesem Jahr zu vier Konzerten zu schaffen: Hamburg, Leipzig, Nürnberg & München.

Hamburg. Eigentlich war ich so fertig von der Arbeit, dass ich fast in letzter Minute abgesagt hätte, ABER: Es ist Joey und ich machte mir klar, dass ich diesen Typen leider nur sehr selten sehe und ich deswegen auch die Chance nutzen sollte, wenn er schon in diese Stadt kommt. Und außerdem geht Knust immer!
Es hatten sich doch einige Leute eingefunden, um das verlängerte Osterwoche gebührend ausklingen zu lassen. IMG_20160329_140055

Laura Mardon betrat die Bühne. Ich war gespannt, kannte ich diese 3 Musiker doch eher nur durch flüchtiges Reinhören. Manchmal ist das auch in Ordnung, sich im Vorfeld nicht zu sehr damit auseinanderzusetzen und sich am Abend einfach überraschen zu lassen. Unvoreingenommen alles aufsaugen.

Aus Australien kommt die junge Dame und ich habe mich sofort in ihren wunderbar klingenden Akzent verliebt. Auf der einen Seite kam sie etwas zurückhaltend und höflich rüber, aber mit viel Witz und Charme hat sie
uns gekonnt um den Finger wickeln können. Ihre Stimme wirkte zumindest auf mich wahnsinnig beruhigend. Der Pulsschlag verlangsamte sich, ein wohliges Gefühl machte sich in mir breit & das Herz sagte mir alle 2 Minuten, dass es die richtige Entscheidung war, genau zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle zu stehen.

Walt Hamburger. Diesem Typen folgte ich seit einer Weile bei Instagram und ich wusste zumindest, dass er blaue Haare hat. Ha! Jedoch musikalisch konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagen.
Aber da stand er nun: Die Hose locker unten umgekrempelt, die eine Seite höher als die andere. Die gefärbten Harre passten gut zu seinem schelmischen Grinsen. Ein Witzbold durch und durch, leichte Anflüge von Sarkasmus enthalten und ich sollte es kurz machen: Ja, ich habe mich in Walt verliebt! Was für ein Typ und welch ein Talent an Gitarre, Gesang und Gepfeife! Er lockerte die Stimmung innerhalb nur weniger Minuten auf und das muss man auch erstmal schaffen! Joey und Yotam kamen für einen kurzen Moment mit auf die Bühne, spielten ‚Three Tattoos‘ & ‚Whiskey & Jen‘, außerdem befand sich auch ein Teil der Walt-Familie im Publikum, was ihn sichtlich erfreute. Der liebenswerte Schlumpf lieferte eine fulminante Show ab und bewies damit, dass man wirklich nicht viel dafür braucht.

Yotam Ben Horin. Ich konnte mir diesen Namen für eine lange Zeit wirklich nicht merken. Irgendein Fehler schlich sich ständig ein, bis ich schon leicht genervt war, weil ich ständig nachschauen und berichtigen musste. Aber jetzt, JETZT!, habe ich es endlich raus und ich könnte nicht stolzer sein. Naja. Wollen wir nicht gleich so übertreiben, ne? Yotam von der Band Useless ID, mit denen ich bisher nur namentlich in Berührung kam. Er IMG_20160328_232632überwiegend in Schwarz gekleidet, hier und da ein Aufnäher, ein bißchen rebellischer, wenn man ihn mit
Walt, Joey oder Laura vergleichen würde. Auch er faszinierte mich augenblicklich. Mal erinnerte er mich kurz mit seinem ausufernden Geschrei an Laura Jane Grace, mal erreichte er mich mit seinem eher ‚einfachen‘ melancholischen Gesang. Ein Typ, mit dem ich mich in Zukunft definitiv viel mehr auseinandersetzen werde.

Joey Cape. Kaum startete seine Show, schon wurde herzlich gelacht. Warum? Ganz einfach: Genau vor Cape befand sich plötzlich ein junger Herr, der eine Art Ausdruckstanz vollführte und das nicht nur zu den ersten Liedern, nein, er zog es konsequent bis zum Schluß des Konzertes durch! Es brachte Joey am Anfang doch etwas aus dem Konzept und hier und da folgte ein kleiner Lachanfall. Es war herrlich und irgendwie gehörte dieser Typ irgendwann dazu. Bei einem Song verließ er plötzlich seinen Platz, alle waren doch etwas verdutzt darüber. Bis er kurze Zeit später mit drei (!) Bierflaschen an die Bühne zurückkehrte und somit nochmal alle zum Lachen brachte. Ich muss auch noch erwähnen, dass das Publikum wirklich sehr aufmerksam war, nicht nur bei Joey, und das gefiel!

International You Day, May 16, I must be hateful, Violins…es wurde sich munter durch das Set gespielt, auch einige Kracher von Lagwagon waren darin zu finden. Yotam und Walt begleiteten ihn bei einigen Songs, wodurch diese in ein völlig anderes Gewand gehüllt wurden und zu begeistern wussten. Ein Abend, der ewig hätte weitergehen IMG_20160331_203602können. Dass ich danach nur 2 Stunden Schlaf zur Verfügung hatte, eh ich wieder los zur Arbeit musste, erwähne ich mal nicht weiter…

31. März: Joey Cape, Walt Hamburger, Laura Mardon, Yotam Ben Horin im Leipziger Werk2

TOURSTART! Und das nach dem siebten Arbeitstag. So schwang ich mich direkt zum Hauptbahnhof, stieg in den pünktlichen Zug, der mich nach Leipzig brachte. Dort angekommen, kaufte ich jemanden erstmal ein Ticket für den Abend ab, begab mich danach auf Hotelsuche. Grau, leichter Regen, Wind. Wunderbar. Nachdem ich mich doch kurz 1x verlief, war ich endlich auf dem richtigen Weg und erreichte das Hotel, als es halbwegs anfing zu schütten. ‚Welch ein Start!‘, dachte ich mir. Eingecheckt, Zimmer inspiziert, kurz zur Ruhe gekommen. Kurz darauf packte ich meine 7 Sachen zusammen und merkte auf dem Weg, dass ich den Schal liegen lassen hab. ‚WELCH EIN START!‘, dachte ich erneut. Es war ungemütlich, dennoch entschied ich mich für den 30 minütigen Marsch zum Werk2. Angekommen. Nass. Im Inneren haben sich jetzt nicht ganz so viele Leute eingefunden. So ähnlich wie damals, als Joey im Conne Island spielte und es wahnsinnig übersichtlich war.

IMG_20160331_212543Laura Mardon. Etwas angeschlagen. Wenn die Erkältung einmal zuschlägt, nicht wahr? Dennoch merkte man es ihr beim Singen überhaupt nicht an. Die Stimme weder wacklig, noch brüchig oder kratzig. Sondern einfach nur schön anzuhören. Da lehnt man sich gerne zurück, schließt die Augen und lässt sich von ihren Songs berieseln und zu anderen Ufern bringen. Die Leute hielten sich eher im hinteren Bereich des Raumes auf, sodass vor der Bühne ein wenig gähnende Leere herrschte. Auch hier: jeder hörte aufmerksam zu und erfreute sich an der wunderschönen Musik!

Walt Hamburger. Er konnte es natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass das Publikum so weit entfernt stand und animierte dazu, doch ein Stückchen Richtung Bühne zu kommen und da er es so freundlich einforderte, kam man da natürlich gerne ein paar Schritte auf Walt zu. Ein Typ, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und an Lockerheit kaum zu übertreffen ist. Drink, Three Tattoos, Batman is a scientist,… und immer ganz schön, wenn er direkt nach einem Song fragt, ob das okay war. Völlig unverhofft. Aber an der Reaktion des Publikums hat man genau gemerkt: Es war mehr als nur okay!

Yotam Ben Horin. Hach. Wie ich seine leicht angeraute Stimme mag, die manchmal einen kleinen Schlenker in die klare Richtung macht, um in der nächsten Kurve wieder in das steinige Gebiet abzutauchen. Es ist kein schnödes Runterspielen seines Sets, nein, es macht einfach nur Spaß ihm beim Spielen zuzusehen und er neben Useless ID IMG_20160331_220058auch die ruhigeren Töne anschlagen kann. Da die Akustik in diesem Raum wirklich mehr als fantastisch war, spielte er gerne die leiseren Songs, so auch den über seine verstorbene Tante, die wie eine zweite Mutter für ihn war und auch sein Lied über Tony Sly führte zu einem äußerst großen Klos im Hals.

Joey Cape. Auch wenn der Raum vielleicht nur ‚leicht‘ gefüllt war, tat das der Stimmung alles andere als einen Abbruch. Die einen tanzten, andere wippten mit Kopf und Fuß oder saßen und genossen die Show. Ein intimer Rahmen im Werk2, während es draußen weiter regnete und regnete und regnete und sich fast keine Menschenseele mehr in den Straßen aufhielt. Auch ihm gefiel der Sound außerordentlich gut und baute somit ab und an ruhige Songs ein, die Anklang fanden. Als Yotam und Walt ebenfalls wieder auf der Bühne erschienen, fiel auf, dass Walt in der einen Hand ein Glas Wein hatte und in der anderen irgendetwas Essbares. Er kaute genüßlich vor sich hin, als wäre es das Natürlichste auf der Welt und brachte damit Herrn Cape zum Lachen. Außerdem fragte er noch, da es ja ‚Joey Cape is bullshit‘ gibt, was man stattdessen noch für ein Wort nehmen könnte. Einer rief ‚Scheißkopf!‘ rein, welches sehr gut aufgenommen wurde. Mal sehen, was die Zukunft an neuen Shirtmotiven bringen wird, nicht wahr?

Das Highlight: Nach ‚To all my friends‚ kehrte Joey nochmals auf die Bühne zurück, um den Song ‚Angry Days‚ zu spielen, den er den lieben Wauz (Red Tape Parade) widmete, 15 Minuten vor seinem Geburtstag. Da ließen die Tränen nicht lange auf sich warten!

Danach wurde die Regenjacke übergeworfen, im Schnellschritt durch tiefe Pfützen gelaufen, um am Ende fast völlig durchnässt im Hotelzimmer anzukommen. Ach Leipzig, Freunde werden wir sicher nie werden!

01. April: Joey Cape, Yotam Ben Horin, Walt Hamburger, Laura Mardon im Nürnberger K4

Von Leipzig nach Nürnberg, auf der Suche nach freundlichen Menschen. Aber auch in dieser Stadt war es eher ‚geht so‘.  Nürnberg. Eine Stadt, die ich bisher nur immer zum Umsteigen benutzte, sah also immer nur den Bahnhof mit unzähligen Menschen, die aufgeregt von A nach B liefen und wieder zurück, weil sie doch die falsche Richtung einschlugen. Im Hotel eingecheckt, um kurze Zeit später ein paar Dinge (unter anderem die Postkarten) für Joey zu 12494838_10209069744717251_8873254245736754699_nbesorgen. Kurz darauf war ich auf dem Weg zum Club, der auch nicht wirklich von außen sichtbar war, aber gut daran erkennen zu wesen, dass sich vereinzelt Menschen vor einem Gebäude aufhielten. Rein in die gute Stube, um 21 Uhr stand Laura auf der Bühne. Und was hier auffiel: Diese wahnsinnige Unruhe, welche sich im Laufe des Abends nicht so recht einstellen wollte, was die Stimmung doch etwas dämpfte. Zumindest bei mir. Wenn man mehrere Shows besucht, hat man auch Vergleichsmöglichkeiten, die eben einfach im Kopf aufploppen, da kann man sich nur schlecht dagegen wehren. Und wenn so ein getuschel herrscht, haben Musiker wie Laura, die eher die ruhigeren Töne anschlagen, keine große Chance. Schade!
Walt danach hatte in den ersten Minuten mit technischen Problemen zu kämpfen, weil sein Mikro einfach nicht funktionieren wollte und so stand er da, sagte unzählige Minuten etwas, in der Hoffnung, dass das Problem gleich behoben wird. Naja, wurde es nicht. So stellte er die Gitarre zur Seite, schlich zwischen Backstage und Bühne umher, wie so ein Löwe, der seine Beute erst in größeren Kreisen umzingelt, im Auge behält, um dann lagsam immer näher zu kommen. Aber schließlich wurde das Problem doch behoben, sodass er seine Show wie gewohnt starten konnte. Auch hier eher geteilte Aufmerksamkeit, aber er brachte die Leute wieder mehr Richtung Bühne. Wenn er merkt, dass das Publikum nicht ganz so konzentriert ist, reißt er sich sprichwörtlich den Arsch auf, um das Ruder rumzureißen, was ihm auch meistens gelingt, da er sich alles andere als ernst nimmt und mit Witzen oder einer leichten Disserei die Lacher auf seiner Seite hat. Ein Musiker zum Verlieben. Welch eine Bereicherung für die Musikwelt! Und glaubt mir: Ihr werdet in Zukunft noch einiges über Walt bei uns lesen. Dafür werde ich sorgen!
Yotam hat ebenfalls den Sprung in mein Herz geschafft. Welch charismatischer Mann, der einerseits die Songs gefühlvoll raushauen kann, auf der anderen Seite aber den Schalk tagtäglich im Nacken sitzen hat, egal, wie vergrößert die Augenringe auch am Abend ausfallen.
Danach setzte ich mich auf die Bühne, um dem Gequatsche zumindest etwas zu entkommen oder nicht ständig von dem Handy von der Person vor mir abgelenkt zu werden, die ständig bei WhatsApp abhing. Oder mal Fotos machte. Oder Videos. Um dann wieder bei WhatsApp zu landen. Man könnte an dieser Stelle natürlich wieder ausholen,IMG_20160401_212334
warum man dann 20 Euro für ein Konzert ausgibt, um nicht an diesem teilzunehmen. Naja. Verstehen werde ich es wohl nie. Bei 4 bis 5 Songs war das Publikum dann aber auch mal komplett am Start und ließ das K4 und die Musiker durch den einheitlichen Gesang erstrahlen. Geht ja doch, Nürnberg! Für mich persönlich dennoch das ’schlechteste‘ Konzert meiner kleinen CapeMardonHamburgerHorinTour.

02. April: Joey Cape, Yotam Ben Horin, Laura Mardon, Walt Hamburger im Münchner Strom

War es am Vortag noch das schlechteste Konzert, wurde es in München das allerbeste!
Okay, der kleine Laden war so voll, dass man sich irgendwann fragte, wann denn nun die Platzangst einsetzen würde. Die Stimmung wurde von Musiker zu Musiker immer besser und aufmerksamer. Bei Joey war diese dann vollständig am Siedepunkt angekommen und wie oft ich eine wahre Gänsehaut bekam, weil das Publikum so dermaßen mitsang, dass es selbst Joey, Walt, Yotam und Laura mehr als nur glücklich und sprachlos stimmte. Deswegen endet dieser Bericht über München an dieser Stelle, weil ich einfach nicht weiß, wie genau ich dieses Gefühl beschreiben soll, welches dort vorherrschte. Sorry!

03. April: Yellowknife & Matze Rossi im Frankfurter Ponyhof

Mit dem Zug unterwegs zu sein ist wie in einer riesigen WG zu wohnen: Ohne Rücksicht auf die anderen Menschen in unmitelbarer Nähe geht einfach nichts! Aber wie in einer Wohngemeinschaft gibt es sie auch in den Abteilen: Die vermeintlichen Rebellen. Die, die cool sein und auffallen wollen. Ob durch wahnsinnig laute Musik, damit auch der ganz am Ende was davon hat, oder ellenlange unwichtige Gespräche am Handy im Ruhebereich. Wer liebt diese Menschen nicht! Ach. Es könnte alles wirklich so einfach sein, wenn man einfach mehr Rücksicht und Einfühlungsvermögen ans Tageslicht bringt. Die Welt wäre somit schon ein viel besserer Ort.
Frankfurt. Eine wahre Hassstadt. Ich wohne auf der Reeperbahn, heißt: Man hat schon viel gesehen. Aber diese Stadt weiß das immer wieder zu toppen, meist nur mit einem einfachen Fingerschnippen. Solch ein Elend, wenn man sich ganz besonders rund um den Hauptbahnhof bewegt. Es stimmt mich traurig, all das zu sehen. Die kaputten Menschen, die keinerlei Zukunft haben. Allein auf der Straße, die nächsten Drogen werden besorgt und sich diese auf der Treppe einer Unterführung reingezogen. Am frühen Nachmittag. Wenn ich könnte, würde ich versuchen jeder einzelnen dort in den Straßen lebender Person zu helfen. Vielleicht wäre das auch ein Kampf gegen Windmühlen. Aber es schlägt wahnsinnig auf Magen und Herz.
So stolperte ich zwischen Obdachlosen, Junkies und Blutspuren durch die Stadt, um ungefähr 40 Minuten später am Veranstaltungsort aufzukreuzen. Dort lief man einen sichtlich glücklichen Matze in die Arme, absolvierte nochmals einen kurzen Marsch, um dann doch den Ponyhof zu betreten.
IMG_20160403_210157Ich kam rein und dachte direkt: ENDLICH MAL KEIN VERFICKTES SITZKONZERT! DANKE! Ich weiß nämlich echt nicht, wann es dazu gekommen ist, dass es immer mehr Sitzkonzerte beim Rossi gibt. Das nimmt so vieles, aber dazu dann mehr im Abschnitt über Erlangen!
Während draußen in der Gasse der Tatort gedreht wurde, nahm der großartige Yellowknife die Gitarre in die Hand und fing an zu spielen. Auf diesen Support freute ich mich im Vorfeld schon wirklich sehr, da mir auch sein letztes Album ‚Wooden Future‘ wirklich sehr sehr gut gefällt. Außerdem ist er ein grundsympathischer Typ, der zu begeistern weiß. Manieren vs. Witz und jede Menge Charme. Ohrwurmtaugliche Songs. Melancholie klopft leise an und man lässt sie gerne herein. Yellowknife: Wer ihn noch nicht kennen sollte- bitte direkt reinhören und sich ebenfalls verlieben! Ein weiterer Musiker auf der Herzensliste!
Matze. Es war tatsächlich schon drei Monate her, als ich ihn in Schweinfurt sah. Und jetzt? 12 TAGE TOUR! Für mich. Und es war die allerbeste Entscheidung, die ich nur treffen konnte! Pleite ist zwar jetzt mein allererster Vorname, aber wie würden jetzt die Lieblingsschweden sagen: EGAL EGAL!
Er schlenderte wunderbar zwischen alten und brandneuen Songs, verkackte natürlich an der einen oder anderen Stelle, aber deswegen ist man ja da. Nein, nicht um Matze dabei zuzuhören, wie er einige Stellen verhaut, sondern weil das Gesamtpaket einfach stimmt. Er ist ein bodenständiger Typ, der ein unglaublich großes Herz besitzt, über seine Fehler lachen kann und damit alle Sympathiepunkte einsammeln kann, die es gibt. Ähnlich wie bei alten Gameboyspielen, in der die Figuren irgendwas einsammeln und dabei Gegner ausschalten oder Unebenheiten bewältigen müssen. Eben ein Alltagsheld, der jede Hürde nimmt. Oder es zumindest versucht. Und das ist schon verdammt viel wert! Von Matze würde ich mir  ganz gerne die eine oder andere Scheibe abschneiden wollen. Isso.
Auf der Bühne wirkt er gelöst. Voller Liebe. Er hat sich Gott sei Dank wieder viel mehr der Musik verschrieben, denn das ist sein Ding. Darin geht er regelrecht auf und es wäre für ihn wahrscheinlich die größte Folter, wenn man ihm genau das versuchen würde zu nehmen.IMG_20160403_225230
Das Publikum war eher verhalten, traute sich auch nicht so recht nach vorne. Wunderschöner Dialog zwischen Matze und einer Dame, der ungefähr so ging:

‚Dann komm doch hier nach vorne!‘
‚Nein, dann kann ich dich nicht mehr so gut sehen!‘

Schon wurde er aus dem Konzept gebracht! Ein wunderbarer ‚Häh?‘ Moment, den man am liebsten festhalten wollte, weil er so unerwartet um die Ecke kam. Ja, genau mein Humor!
Dreh mich‚, ‚Wenn ich mal‚, ‚Alles Gute (kommt von Innen)‚, ‚Ohohoh‚, ‚Erzähl mir nichts‚, ‚Best Friends‚, um an dieser Stelle nur mal ein paar der Kracher zu nennen. Ich würde ja Matze mal wegen der Setlist fragen, aber er hat ja keine. Dabei würde sich eine an meiner Wand doch mehr als gut machen! Aber ich meinte irgendwann schon, dass ich dann weg bin, wenn er mit solch ‚professionellen‘ Kram um die Ecke kommt. Dieses würde gar nicht weiter auffallen, wenn ich nicht mehr bei den Konzerten erscheine, weil sich an jedem Abend wirklich viele Leute einfinden, um ihn da auf der Bühne spielen zu sehen. Das ist so unglaublich schön, dass mir da täglich die Worte fehlen.
Sein neues Album ‚Ich fange Feuer‚ schlug ein wie eine Bombe und der Erfolg ist nun wirklich mehr als überfällig. Er war und ist ein Arbeitstier und das wird sich endlich auszahlen!
Für mich ein weiteres Highlight: Ich habe die ganze Zeit den Rainer G. Ott Beutel bei mir und wenn man plötzlich darauf angesprochen wird und sich daraus ein Gespräch entwickelt, bei welchem man dann anfängt über diesen Mann zu schwärmen, rundet es einen perfekten Abend ab! Man hat sich wohl gefühlt, der Tatort wurde noch immer gedreht. Kurz nach drinnen geschaut: Irgendjemand sagte zu Tobi und Matze ständig, dass sie ja
deutsche Musik hasst und bei anderen Aussagen ploppte bei mir wieder der berühmte ‚Häh?!‘ Moment auf und somit ergriff ich erneut die Flucht und schaute noch ein wenig bei den Dreharbeiten zu, eh man sich dann endgültig verabschiedete.

04. April: Matze Rossi und Yellowknife im Düsseldorfer Zakk

—>KOMMT NACH!

05. April: Yellowknife und Matze Rossi in Erlangen, E-Werk

Eine Stadt, in der ich noch nie war. Schon wieder Bayern, aber immerhin eine überwiegend schöne Bahnstrecke. Aus dem Zug direkt rein in den Frühling. Huch! Die Sonne schien, mein Fußweg zum Hotel ging durch die kleine und gemütliche Einkaufszeile. Eingecheckt. Danach ging es auf die Suche nach etwas Essbarem. Im Kaufland gestrandet und fast in diesem 2 stöckigen Geschäft verlaufen. Welch ein Irrgarten und mit vielen ‚Häh?‘ Momenten gespickt. Abenteuer: Einkauf! Danach noch etwas im Hotelzimmer versackt. Ja, irgendwann holt einen der Durchhänger etwas ein. Überwältigt worden von der Resonanz auf das ‚Matze Rossi ist unterwegs und würde euch
gerne von unterwegs eine Postkarte zukommen lassen UND IST DAS ALLES AUFREGEND!‘ Gewinnspiel. An alle die mitgemacht haben: Vielen vielen Dank!
Rüber zum E-Werk, was mich gerade mal 2 Minuten gekostet hat, wenn überhaupt. Als erstes natürlich dabei erwischt worden, wie man an der Abendkasse bezahlt hat. SorryNotSorry! IMG_20160405_203621
Ernüchterung, als ich mir das Innere genau angesehen habe. Sitzen. Unbequeme Holzstühle. Abstufungen nach unten und die Bühne auf der allerletzten Ebene. Nachdem ich mir einen Sitzplatz ganz oben eingenommen haben, fing es auch schon fast direkt an mit Yellowknife. Oder auch Yellowlove genannt. Und schon rutschte man auf dem Stuhl hin und her, weil man dummerweise so ein hohes Gelände vor sich hatte, dass man zusehen musste, dass der Sänger nicht einen ewigen Balken vor dem Gesicht trug. Links. Rechts. Nach hinten gerutscht. Wieder bißchen nach vorne. Irgendwie wollte das alles nicht so, egal welche Richtung man einschlug. Für mich als Zuschauer war es schwierig: Ständig wurde man von irgendwas abgelenkt: Da bekamen Leute ihr Essen, hinter mir Gerüttel an der Theke, irgendwas führte mich immer zur Ablenkung. Konzentrieren fiel schwer. Und wer jetzt damit kommt, dass man doch nur hätte den Platz wechseln sollen: Nein. Fast alles war besetzt. Also hatte man jetzt keine wirkliche Alternative am Start.
Yellowlove streifte durch sein Set und was er immer an Souveränität an den Tag legt ist unglaublich. Aber nicht diese langweilige, nein, die äußerst aufregende! Man könnte Tobi wahrscheinlich auch mitten auf einer stark befahrenen Autobahn zum Spielen stellen. Er würde es dennoch hinbekommen, dass die Leute nur noch mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren und Aufmerksamkeit schenken. Dennoch: Irgendwas war da, dass mich mit der ganzen Situation nicht hat warmwerden lassen.
Kaum spielte Matze seine ersten Songs, war es mir klar. Es erreichte mich wirklich NULL. Die ganze Stimmung des Liedes verpuffte irgendwo im Raum und kam nicht ein einziges Mal bei mir an und das ist für mich das allerallerschlimmste: Bei einem Konzert des Herzensmusikers zu sein und die ganze Zeit nur zu denken: ‚Mmh.‘ Es ging durch diese Sitzanordnung dermaßen viel verloren, es ist nicht in Worte zu fassen. So extrem hatte ich es tatsächlich noch nie gehabt, schon gar nicht bei Rossi, der mein kleines kräftig schlagendes Musiknerdherz bisher immer erreichen konnte.
Man kam sich vor wie in einer kleinen Arena, in der man mit ansah, wie der Stier um sein Leben kämpft und am Ende doch verlor. Musik muss mich erreichen, nicht unterhalten. Ich fing an diesem Abend leider kein Feuer, nicht mal ein klitzekleiner Funke schaffte es, mich doch noch zu entzünden.
IMG_20160406_202844Somit entschied ich mich, dieses Konzert vorzeitig zu verlassen. Denn mal ganz ehrlich: Warum sollte man sich dieses bis zum Ende ansehen, wenn sich einfach alles dagegen sträubt? Innerlich ganz besonders? Eben! Dann lieber vorzeitig ein Haken an die ganze Geschichte pappen und schon ist die Sache gegessen. Passiert
einfach ab und an mal. Isso.

06. April: Matze und Yellowknife in Heidelberg, Karlstorbahnhof

Yeah! Neuer Tag, neues Glück! Zuversicht machte sich breit, ich packte meine 13 Sachen erneut in die liebgewonnene Reisetasche, schlenderte bei allerschönstem Sonnenschein bis zum Bahnhof. Ich merkte jeden Tag auf’s Neue, wie gut mir diese ganze Tourerei einfach tat und dass ich viel unbeschwerter durch die Weltgeschichte lief. Hauptberuflich: Tourer. Ich wäre sofort dabei!
Paar Stunden später strandete ich in Heidelberg, in der ich zuletzt wohl für ClickClickDecker gewesen bin, Erinnerungsfetzen kamen in unregelmäßigen Abständen hoch. Wunderschöne Stadt, bestes Wetter! Nachdem ich kurz nach dem Betreten des Hotelzimmers schon irgendwas am Fenster zerstörte (Tschuldigung!),
lief ich los Richtung Karlstorbahnhof. Noch nie dort gewesen, Maps sagte mir, dass ich ungefähr 50 Minuten zu Fuß bräuchte. Naja.
Heidelberg ist für mich noch ein wenig ungewohnt. Straßennamenschilder sah ich nur selten bis nie. Ständig musste man sich neu orientieren und das fraß ordentlich Zeit. Auch ein Drogendealer versteckte ein wenig was im Busch, an dem ich vorbeikam. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich das Zeug vertickt und das eingenommene Geld in die Tourkasse gesteckt. Aber ich wollte ja doch gerne pünktlich zu Yellowlove ankommen, da stehen die
Drogen leider nur an zweiter Stelle. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich kein Geld verdiene? Ich sollte mal darüber nachdenken! yellow
Welch eine schöne Strecke am Neckar. Wasser beruhigt mich ungemein, das war komischerweise schon immer so gewesen. Umso besser, dass ich fast direkt am Hamburger Fischmarkt wohne. Bin ich eventuell dadurch viel ruhiger und gelassener geworden? Wäre ja schön, aber wahrscheinlich liegt es nur am Alter.
Tatsächlich: Um 20.55 Uhr kam ich im Karlstorbahnhof an. Punktlandung! Stühle, welch Überraschung! Mein Problem ist einfach, dass ich wirklich nicht lange sitzen kann, das schmerzt irgendwann einfach nur noch. Ob das noch daran liegt, dass ich mich mal derbe auf die Fresse gelegt habe und sich das Steißbein auf wahnsinnig schmerzliche Art und Weise darüber aufgeregt hat? Kann sein!
Yellowlove (Der Name lässt mich einfach nicht mehr los! Vielen Dank dafür, Herr Mirtschin!) sah ich mir somit noch sitzend an. Es herrschte eine schöne Atmosphäre. Hier und da flackerte eine Kerze friedlich vor sich hin, fast hypnotisierend. Eine ungeheure aber angenehme Stille durchflutete den Raum, man rutschte tiefer in den Stuhl, der Pulsschlag passte sich den Songs an. Er quatschte mehr als an den anderen Abend, spielte einen Song, den er für seinen Bruder schrieb. Erwähnte, wie schön und entspannt die Tour mit Matze ist und dass man doch bitte am Merch zuschlagen sollte. Welch ein Set, welch ein Auftritt. Yellowknife weiß zu berühren. Er bahnt sich mit seinen Liedern den Weg in sämtliche Gehirnsynapsen und sorgt somit dafür, bis ans Lebensende bei diesem Zuhörer hängenzubleiben. Bei mir hat es jedenfalls funktioniert und wie traurig ich sein werde, wenn dieser Herr ab Braunschweig nicht mehr dabei sein wird. Matze und Tobi- welch ein Dreamteam!

Kurze Pause. Aufstehen und Beine vertreten. Matze griff zur Gitarre, ich ließ den Stuhl außer Acht und stellte mich stattdessen an die Seite. Endlich wieder zu 100% konzentrieren können! Mit der wunderbaren Einleitung ‚Jasmin, bist du noch da? Oder bist du schon wieder gegangen?‘ (Sticheln hat Matze ja voll drauf, ne?) verlor er einige wunderschöne Worte über SCTYS (Danke!) und versuchte sich an ‚Lauf, Schildkröte, lauf!‚, weil ich im
Vorfeld danach fragte. Auch dafür vielen vielen Dank!
Bald zu Hause‚, ewig nicht gehört. Einer meiner persönlichen Genickbruchsongs. ‚Best Friends‚ spielte er vor der IMG_20160406_233419Bühne, in die Stille hinein und rührte mich zu Tränen. ‚Wenn ich mal‚ stell ich mir jedes Mal direkt bildlich vor. Einerseits ein schönes Bild, dass an seinem Grab wirklich all die Menschen stehen, die er mal traf. Wie gesungen wird. Ein lachendes und ein weinendes Auge. Auf der anderen Seite ist dieser Gedanke wahnsinnig traurig, vielleicht genau irgendwann dort mal zu stehen. Aber Matze kann nicht eher gehen als ich, denn eigentlich soll er doch mal auf meiner Beerdigung ein paar Lieder spielen! Es soll ein kleines Minifestival werden, mit all meinen Herzensmusikern, die sich ihre Finger blutig spielen. Weil sie es wollen.
Die neuen Songs regen mich bei jedem Hören neu zum Nachdenken an. Ich denke über die Zukunft nach. Die berufliche Schiene. Mir ist jetzt nochmal so richtig bewusst geworden, wie krank mich die Gastronomie schon gemacht hat und noch immer macht. Es ist so und so schwer einen Job auszuführen, den man eigentlich nie machen wollte, man aber dabei bleibt, weil man so sehr an sich zweifelt und denkt, dass man kein wirkliches Talent für andere Sachen hat. Da fällt der Absprung natürlich besonders schwer. Der totale Wandel. Während der Tour hat man viel Zeit sich Gedanken zu machen. Manchmal sitzt man im Hotelzimmer, regungslos und die Gedanken klappern von der einen auf die andere Kopfhälfte oder lässt den Kugelschreiber in regelmäßigen Abständen auf den Tisch knallen. ‚Ich fange Feuer‘ ist tatsächlich teilweise ein liebgemeinter Arschtritt in die richtige Richtung. Sich die eigene Sterblichkeit vor Augen führen, Veränderungen vollziehen. Das machen, was das Herz erfüllt. Nicht in der Robotergesellschaft verharren, sondern weitergehen. Alternativen finden. Tiefschläge einstecken, aber dennoch wissen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Jeden Abend, den ich Matze spielen sehe, löst er unzählige Gedankengänge in mir aus und das ist mehr als gut.
Er ist halt auch einfach der beste Beweis dafür, dass, wenn man für eine Sache lichterloh brennt, es schafft, diese Richtung konsequent einzuschlagen. Bewundernswert! Ein sehr schöner Abend, der uns Karlstorbahnhof geboten wurde und zumindest bei mir einige Spuren hinterlassen hat. Ach, hatte ich eigentlich schon Yellowlove erwähnt..?!

07. April: Yellowlove & Atze Ossi in Bremen, Tower

Nach nur wenigen Stunden Schlaf klingelte mich der Wecker aus dem Bett, die Augenringe sprachen bereits Bände. Im leichten Regen ging es zum Hauptbahnhof, welch ein reger Betrieb in den frühen Morgenstunden. Ab und an dachte ich, vielleicht doch endlich mit dem Trinken von Kaffee anzufangen. Aber dann kam der Gedanke: ‚Quatsch. Jetzt auch nicht mehr!‘ Stattdessen gab es während der gesamten Tour allerbestes Leitungswasser für mich und sparte somit zumindest an dieser Ecke. Mit dem IC ging es nach Hamburg und wer schon einige Tage unterwegs war, der wird wissen, worauf man sich am meisten freut, wenn man kurz in der eigenen Bude verweilt: Genau, auf die Waschmaschine! Und natürlich auch auf die Couch. Einfach auf die eigenen vier Wände. Ankommen. Wäsche waschen. Füße hoch. & dann nachschauen, wann man los nach Bremen fährt- und wann zurück. Ein ‚Fuck!‘ kam mir über die Lippen. Warum? Naja, weil der letzte Zug von Bremen nach Hamburg schon nach 23 Uhr fuhr. So überlegte ich, ob sich das überhaupt für mich lohnt, wenn ich vorzeitig gehen müsste. ‚Los, du fährst! Immerhin ist das der vorletzte Auftritt von Yellowlove!‘ sagte mir mein Hirn in Dauerschleife und schließlich befand ich mich kurze Zeit später in der Bahn. Den Tower mag ich, weil er sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes befindet und weil ich diesen Club für Konzerte doch ganz schön finde. Angekommen und direkt die Lieblingsschweden getroffen. Viele Leute fanden sich leider nicht ein. Die Tür am Einlass blieb die ganze Zeit offen, sodass die Kälte den Raum durchflutete und alles andere als angenehm war, auch wenn man die Jacke anbehielt. Tobi betrat mit seiner Gitarre freudestrahlend den Club, bereitete sich vor. Er begann, wir blieben hinten stehen. Die Fläche vor der Bühne blieb frei, weil die meisten am Rand saßen oder an der Theke standen. Yellowknife ließ sich davon nicht beirren.

Sanftmütig und doch ausdrucksstark sang er sich in sämtliche Herzen und wärmte uns von Innen. Würde man bei Google nach ‚ZauberhaftCharismatischTalentiertUnterhaltsam‘ suchen- man würde direkt zu Yellowlove gelangen! Ich schwöre!

Foto: Esther.
Foto: Esther.

Bei Matze rückte das Publikum mehr zusammen, weil er dazu aufforderte und was dieser Mann sagt, wird irgendwie bereitwillig befolgt. Wie schafft er das nur? Mit dem breiten Grinsen, was er stets hinterher zeigt? Vielleicht! Er spielte, es wurde andächtig zugehört und sämtliche Aussagen wurden aufgesaugt. Ich für meinen Teil merkte die wahnsinnig kurze Nacht und ging für wenige Minuten nach hinten, weil es den Anschein hatte, dass mir gleich der Kreislauf einen Strich durch die Rechnung machen würde. Tat er dann Gott sei Dank doch nicht, so fand ich mich an der Theke wieder, genoß die Show, die Ansagen und Verspieler. Auch Matze kam etwas müde rüber, aber wer eine Autofahrt von Heidelberg nach Bremen hinter sich gebracht hat, den darf man das dann auch ruhigen Gewissens verzeihen. Ich weiß nicht warum, aber mein Kopf verglich Matze und Tobi plötzlich mit Sheldon und Leonard von The Big Bang Theory: Unzertrennlich. Nerds. Liebenswert. Perfekte Zusammenstellung. & kleine liebgemeinte Sticheleien können sie auch untereinander austauschen. Was will man bitte mehr? Eben! Während Matze gerade bei ‚Lieblingslieder‘ angekommen ist, verabschiedete ich mich, machte los zum Bahnhof- und verpasste fast den letzten Zug. Nun gut. Was steht man auch auf dem falschen Gleis rum, ne?

08. April: Atze Ossi & Yellowknife in Hamburg, Kleiner Donner

Genial, wenn man ins eigene Bett steigen kann und wie gut ich geschlafen habe! Luxus! Die Lieblingsschweden holten mich ab, wir stolzierten zur Schanze, eine kleine Mahlzeit wurde eingenommen. Danach rüber zum Donner. IMG_20160408_203653Ja, ein Club, in dem ich vorher noch nicht war, aber in der Vergangenheit irgendwie ständig vorhatte, mir dort verschiedene Konzerte anzusehen. Runter in den Keller, Platz neben der Bühne eingenommen, gewartet. Der Raum füllte sich, Yellowlove ging ein letztes Mal für die ‚Ich fange Feuer Tour‘ auf die Bühne, das Herz blutete. Was ich an Tobi ganz besonders mag, wenn er spielt? Ein kleiner Tipp: Schaut mal auf seine Füße! An diesem Abend hat mich das noch mehr fasziniert, denn die meiste Zeit stand er auf Zehenspitzen. Ich fragte mich, ob das nicht auf Dauer anstrengend wäre oder ob man da nicht ab und an das Gleichgewicht verliert und es einen etwas rausbringt. Aber bei Tobi? Profi durch und durch! An manchen Stellen erinnerte er mich an Michael Jackson, der manchmal ähnliche Bewegungen drauf hatte. Wahnsinn! Ein wenig Alkohol kam zum Einsatz und das nicht zum letzten Mal!IMG_20160408_235456

Atze danach. Wein und Mexikaner wurden seine besten Freunde auf der Bühne und man könnte schon fast behaupten, dass dieser Herr nicht viel Alkohol verträgt. Das Publikum war äußerst sicher und unterstützte hörbar beim Gesang. Das gefiel! Überall zufriedene Gesichter. Matze erwähnte immer wieder, dass er betrunken wäre. Neben seinen Füßen: Eine Flasche Wasser und eine Flasche Wein. Man sah manchmal ganz genau, dass er runterschaute und überlegte, welche der beiden er nun nehmen sollte. Erst steuerte er das Wasser an, machte dann aber einen gewaltigen Schlenker und setzte am Ende doch die Weinflasche an. Während ‚In Armen‘ schaute Matze runter, merkte, dass sein Schnürsenkel auf war, grinste und als er bei der Zeile ‚…wenn wir nur wen finden, der es gut mit uns meint..‘ ankam, schlich sich kurzerhand der wunderbare Daniel auf die Bühne und zauberte mit viel Liebe eine neue Schleife. Zwischendrin erzählte er eine Geschichte, die irgendwas mit Überschlägen, Polizei und Verfolgungsjagden innerhalb Hamburgs am Hut hatte, aber wir dürfen es ja keiner Seele erzählen, was uns da anvertraut wurde, ne? Auf jeden Fall ist er ein fantastischer Geschichtenerzähler, der ab und an doch schon ein leichtes Lallen an den Tag legte. Dieser olle Sympath! Es wurde getrunken und gelacht. Und auch eine kleine Träne verdrückt, weil Tobi nun nicht mehr auf der restlichen Tour eröffnen wird. Ein wahnsinnig schöner Abend, auch wenn es natürlich die Leute gab, die ständig labern oder sich eine Zigarette anstecken mussten. Danach noch kurz ein paar sehr gute Gespräche geführt. Vielen vielen Dank an Tobi für die herzergreifenden Worte und für die Platte!

09. April: SON & Rossi in Braunschweig, Eulenglück

IMG_20160415_102507Am nächsten Tag kam alles frisch gewaschen in die Reisetasche, begab mich Richtung Feldstraße. Es war Samstag, es war brechend voll, was an dem riesigen Flohmarkt lag. Die Sonne schien, ich ließ mich auf der Bank nieder, genoß das Wetter, eh man zusammen mit Matze ins Auto stieg und losfuhr. Ich sagte irgendwas mit ‚Ich vermisse Tobi jetzt schon!‘ und Matze irgendwas mit ‚Reiche ich dir etwa nicht?!‘. Auf diese Frage wollte ich keine Antwort geben, sonst hätte ich wohlmöglich bis ans Lebensende ein RossiKonzertVerbot bekommen! Braunschweig. Leicht trostlos. Erstmal eingecheckt im Hotel, um kurz darauf mit den Lieblingsschweden durch einen Park zu gehen und Enten zu füttern. Tourleben kann schon manchmal ganz schön sein, ne? Danach ging es auch schon zum Club, den wir aber direkt übersehen haben. Ist aber auch ziemlich versteckt, das Ding! Auto ausgeladen, ich kümmerte mich um Merch und schloß bereits SON ins Herz. Guter Typ! Und wie gut sein Merchtisch aussah, das glaubt ihr nicht! In Westerstede wird er mir auf jeden Fall mal ein bißchen Nachhilfe in der Sache ‚Wie bekomme ich einen ansehnlichen Merchtisch hin?!‘ geben. Ich freu mich drauf! Die Zeit tröpfelte vor sich hin. Ein Vater (mit LAGWAGON Shirt!) kam mit seiner Tochter Paula vorbei und guckten sich die Sachen an. Ach, solch einen Vater hätte ich auch gerne gehabt, der mich zu solch coolen Veranstaltungen mitgenommen hätte. Ohne Zweifel die besten Personen in diesem Laden! Man machte sich zusammen mit Ivonne und Atze kurz über eine Pizza her und immer diese Frage danach, ob man noch irgendwo Spinat hängen hat. SON spielte. Auch einen Song über Depressionen, über den wir uns demnächst auch nochmal unterhalten werden. Die Leute wippten mit. Die Fotografin schien einige seiner Texte zu kennen. Fand ich gut!IMG_20160409_233450

Matze danach. Ich schaute mir alles von der Seite an. Natürlich mussten da 4 Leute schon fast genau vor Rossi stehen, die schon deutlich zu viel Alkohol zu sich genommen hatten und eher negativ auffielen. Immer wieder. Selbst Nico, der ruhige Schwede (Ha!), trieb dieses Verhalten langsam zur Weißglut. Auch ich musste mich sehr konzentrieren, um nicht ständig von dieser Gruppe abgelenkt zu werden. Teilweise ein schwieriger Abend, den Matze dennoch gut meisterte und sich nicht beirren ließ. Bei ‚Best Friends‘ zog er alle auf seine Seite, unter’m Strich ein Konzert der Kategorie: Bißchen zäh, aber okay. Danach bißchen Merch verkauft und eher unsanft von den Securityleuten mit Sack und Pack nach draußen befördert worden. Irgendwann Nachts im Hotelzimmer angekommen, sich etwas vom Fernsehprogramm berieseln lassen, während draußen irgendein Geburtstag gefeiert wurde.

Joey Cape
One Week Records
Walt Hamburger
Laura Mardon
Matze Rossi
Yellowknife
Yotam Ben Horin

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