Song für Song: The Lion & The Wolf und The Cardiac Hotel.

tlatw-002Ab und an mag ich das ganz gerne: Die neue Scheibe noch nicht gehört zu haben, um beim allerersten Hördurchgang direkt WORD geöffnet zu haben, um die ersten Eindrücke, die im Kopf erscheinen, einzufangen und niederzuschreiben. Dieses Mal heißt mein Versuchskaninchen The Lion & The Wolf, der am 7. Oktober endlich mit neuen Liedern um die Ecke kommen wird- gebündelt zu finden auf ‚The Cardiac Hotel‚.

Ich drücke auf PLAY. Ich weiß, dass mir im Vorfeld dieser Name The Lion & The Wolf zwar unter die Augen trat, aber wie so oft hörte man nie wirklich rein, weil die Zeit fehlte und andere Artikel bearbeitet werden wollten. Es baut sich etwas mystisches auf, eine leichte Schwere, die sich bei Don’t Fail Me Now und Heaven Forbid wie ein roter Faden seinen Weg durch Text und Melodie sucht. Es ist, als würde man tief im Sofa versinken und ohne fremde Hilfe nicht mehr aufstehen können.

My Father’s Eyes reiht sich nahtlos in die Reihe ein. Etwas frecher im Aufbau, etwas knackiger. Leichte, fast elfengleiche Stimme trifft auf aufbauenden Instrumentenberg, der sich zur richtigen Zeit auftürmt oder sich eben zum Flachland abschwächt. Wie bei einer Wippe, ein aufwühlendes Auf und Ab.

The Hospital Floor kommt beswingt herbei, obwohl durch den Songtitel eher trübe Erlebnisse aus der Vergangenheit nach oben kommen und ein wenig die Augen feucht werden lassen. Ein Stück, was bewegt und das Herz schwer werden lässt. ‚I’ll see you on the other side.‘ Man schaut aus dem Fenster, der Song wirkt hypnotisch. Man fokussiert sich darauf und lässt die sanften Klavierklänge und den teils hämmernden Schlagzeugbeat durch den Körper jagen.

Walk On The Moon lässt wieder neuen Mut zu, greift unter die Arme, man wird von einer leichten Schwerelosigkeit umzingelt, driftet ab, bleibt aber dennoch im Rennen. Ja, wenn man den Namen The Lion & The Wolf hört, denkt man eher an einen zweiten Chuck Ragan, der einen mit einer kräftigen und rauen Stimme Sinn und Verstand raubt, dabei ist es doch alles ganz anders: Er besticht durch ruhige Klänge, die sich dennoch in sämtliche Poren fressen- und bleiben. Ein Musiker, den man mittlerweile gerne auflegt, weil seine Musik hilft und man dabei abwechselnd abschalten und tiefgründige Gedankengänge verfolgen kann, auch wenn es manchmal schmerzt.

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The Pinching Point. Auch wenn es eine ‚Bandplatte‘ ist, bleiben der Gesang und die erzählten Geschichten im Vordergrund, aber ohne, dass man kein Augenmerk mehr auf die Instrumentenwahl und das Gesamtwerk legt. Man saugt alles auf, lässt sich von der perfekt einsetzenden Geige verzaubern, die alles scheinbar zusammenführt, ohne aufdringlich oder störend zu wirken. Alles fließt unaufhörlich.

Bar Stools. Man findet sich gedanklich wirklich in einer kleinen Bar irgendwo in einer kleinen Stadt wieder. Irgendwo außerhalb des eigenen Wohnbereiches, damit man ja nicht auf bekannte Gesichter stößt. Man lässt sich ein Drink nach dem nächsten reichen, bis man schon fast doppelt sieht und man die belastenden dunklen Wolken, die einen schon länger verfolgen, zumindest für einen kurzen Moment abhängen kann, obwohl man weiß: Sie sind noch immer da und werden auch nicht so leicht zu vertreiben sein. Obwohl die Stimme von Tom leicht zerbrechlich wirkt, glänzt sie auf der anderen Seite mit einer wunderbaren Kraft, unterstützt von dem einen oder anderen Blasinstrument, um am Ende mit einer wärmenden Decke zu einem zu kommen, damit man nicht mehr friert und neue Hoffnung schöpft.

December wirkt einladend. Als wenn man in einem Kinosaal sitzt, versunken im Sitz, Popcorn, welches man kaum anrührt, weil man so tief berührt von dem Film ist, der gerade auf der Leinwand gezeigt wird. Ein kleines Drama mit vielen Tränen, schlaflosen Nächten und Ängsten. Der Saal wirkt wie leergefegt, man ist wie gelähmt. Man möchte schreien, aber man kann nicht. Kein einziger Ton verlässt die Lippen. Gefesselt sitzt man da, lässt alles auf sich einprasseln. Ähnlich wie bei einem kräftigen Regenschauer, der nicht nachlässt, sondern sekündlich mehr über einen hineinkracht und man einfach nichts findet, was schützt. Mitreißend. Durch und durch.

Past The Point Of Fair. Aufrüttelnd. Musikalisch ein wenig heller und freundlicher, man möchte also nicht direkt die Bettdecke erneut über den Kopf ziehen und sich nochmal umdrehen, sondern man möchte aufstehen und einen Schritt nach dem nächsten machen. Langsam, ja. Aber immerhin! Da ist irgendetwas, was treibt, etwas, was in die richtige Richtung schubst. Sanft aber sorgfältig.

Witness. Schleicht sich an. Wie eine herzliche Umarmung von einem liebgewonnenen Menschen, den man viel zu selten sieht und deswegen auch immer so dringend benötigt wird. Der Versuch, erneut an diverse Sachen zu glauben. Hoffnungsschimmer. Ja, es könnte sich tatsächlich ganz dort hinten ein wunderschöner Regenbogen, der in tlatw-001unvorstellbarer Schönheit erstrahlt, zeigen. Man blickt schweigend in die Ferne. Und wartet. Auf ein Wunder.

Find The Time. Ein weiter Weg wurde zurückgelegt. Man kommt etwas zur Ruhe, kann endlich mal wieder ein wenig durchatmen. ‚Until the morning light.‘ Dieses letzte Stück lässt musikalisch nochmal alles raus, was geht. Und wie oft ich mich dabei ertappte, wie ich dachte: Huch! Wie kurz die Songs doch sind! Dabei gehen diese doch immer locker über drei Minuten, aber alles verstreicht dennoch in einer gefühlt wahnsinnig kurzen Zeit, dass man sich schon sehr wundert und man sich tatsächlich am Ende nur eine einzige Sache wünscht: Möge dieses Album doch bitte nie enden!

Zierlich. Erdrückend. Ehrlich. Aufrichtig. Zu Tränen rührend. Pompöses Erscheinungsbild, ohne aufdringlich zu wirken. Sanft. Ermutigend. Düster, aber immer mit einem gewissen Blick nach vorne. All das würde mir einfallen, wenn ich das Album ‚The Cardiac Hotel‘ in nur wenigen Stichpunkten beschreiben müsste. Und das trifft es auch so ziemlich, würde ich einfach an dieser Stelle behaupten. War ich im Vorfeld noch kein Fan von diesem Musiker- jetzt bin ich es ohne Frage. Ich mag es, wenn mich Alben an die Hand nehmen und durch Höhen und Tiefen führen können und mich mit einer gewissen Sicherheit ausstatten.

Für mich eine ganz klare Kaufempfehlung, die ich aussprechen kann. Eine Platte mit gewissen Rissen, die dieses Gesamtwerk deßhalb wahrscheinlich so authentisch macht- und liebenswürdig! Der Herr geht natürlich, wie es sich eben gehört, im Oktober auf Tour. Mit Band! Und da wir ja so Spaß an Gewinnspielen haben, könnt ihr nun an dieser Stelle 2×2 Tickets für die unten stehenden Daten gewinnen! Um mitzumachen, schreibt mir einfach bis zum 7. Oktober eine Mail (mit Wunschstadt/Vollständigen Namen von dir und der Begleitperson) mit dem Betreff ‚Welcome To The Sad Club‘ an jasmin[dot]lybe[at]googlemail[dot]com. Viel Glück!

Achja: Bestellt euch dieses Album bitte beim geliebten GRAND HOTEL VAN CLEEF vor und lasst euch ebenfalls davon verzaubern, wenn ihr es daheim endlich auch auflegen könnt: Kauf mich!

THE LION & THE WOLF
The Cardiac Hotel – Full Band Tour 2016

21.10. Wiesbaden, Walhalla (mit Matze Rossi)
24.10. Köln, Stereo Wonderland
25.10. Hamburg, Hafenklang
26.10. Essen, Zeche Carl
28.10. Bremen, Tower
29.10. Bielefeld, Hafen
30.10. Berlin, Monarch

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