Über das Touren, die Musik und Danksagungen.

13007246_10209143888850808_8089547519809112919_nWie ich hier gerade so sitze, im ICE von Hamburg nach München, dachte ich plötzlich darüber nach, warum das überhaupt der Fall ist. Also: Warum fahre ich gerade runter nach Bayern? An meinem freien Tag? Obwohl ich kein großer Fan von diesem Bundesland bin? Warum setzt man sich für fast 6 Stunden in den Zug und lässt die Landschaft an sich vorbei rauschen? Warum lässt man diese paar hellen Stunden, die der Winter parat hat, einfach so im Geschwindigkeitsrausch verpuffen? Die Familie würde sagen, dass man mit dem Geld und der Zeit doch viel mehr hätte anfangen können und man doch auch keinen Partner findet, wenn man oft unterwegs ist.

 

 

Gott sei Dank habe ich dann doch ganz andere Prioritäten und kann alles so fortsetzen, wie ich es vor ungefähr 10/11 Jahren auch angefangen habe. 10 Jahre. Das ist schon eine mächtige Zahl, wenn ich so darüber nachdenke. Ich schlidderte damals in den großen Grand Hotel van Cleef Kosmos, wurde umzingelt von wunderbaren Bands und Musikern, das Herz fing immer mehr an zu poltern und verlangte, dass man nicht nur mehr nach Berlin fährt, um sich irgendwelche Konzerte anzuschauen. Nein, es darf auch mal darüber hinaus gehen. Und da ich am Ende ja doch meistens auf das Herz höre, fing ich irgendwann damit an. Damals hatten meine Rundreisen sehr viel mit Olli Schulz, Thees Uhlmann/Tomte und ClickClickDecker zu tun. Hier und da gerne auch Madsen, Kettcar, Muff Potter. und wie sie alle hießen. Heute bin ich zum Beispiel eher bei Matze Rossi, Joey Cape, Dave Hause, Northcote, Chuck Ragan undundund anzutreffen.

Ich war schon immer sparsam, wodurch ich mir mit meinem mickrigen Ausbildungsgehalt tatsächlich einiges leisten konnte. Unterkünfte waren bei mir da noch nicht so angesagt, oft hing ich in der Nacht an irgendwelchen Bahnhöfen rum, um in den ersten Zug Richtung Heimat zu steigen.

Ich habe keine Ahnung, wieviel Konzerte ich insgesamt bis zu diesem Zeitpunkt schon gesehen habe. Ich hatte mal mit einer Liste angefangen, die ich aber irgendwann vergaß weiterzuführen. Schade, irgendwie.

Warum tourt man durch die Gegend?

Ich weiß das gar nicht wirklich. Es wurde einfach irgendwann ein Feuer im Inneren entfacht: aus einem anfänglich entzündeten Streichholz wurde ein großes wärmendes Flammeninferno. Bis heute. Während sich andere den neuesten Technik Schnickschnack oder die teuersten Klamotten kaufen, checke ich stattdessen diverse Konzertdaten aus und bestelle die Tickets. Eigentlich interessant, dass ich für meinen Teil tatsächlich nicht viel benötige. Solang ich ein Dach über den Kopf habe, mir im Supermarkt paar gute Dinge leisten und ab und an die Reisetasche packen kann, ist die Welt für mich in Ordnung.

Ich bin letztens über einige Profile von ehemaligen Schulkameraden gestolpert. Einige sind verheiratet, die anderen halten stolz ihren Nachwuchs in die Kamera. Schon als Kind wird einen eingebläut, dass man später im Leben den/die perfekten/perfekte Partner/in zu finden hat, kurz danach die Heirat, Kinder. Und nur nicht vergessen, zwischendurch ein Haus zu bauen und den berühmten Baum zu pflanzen. Denn nur dann wird man von der Familie und der Verwandtschaft nicht unter ‚VersagerIn‘ eingeordnet. Man hätte somit etwas bewiesen.

Und ich? Ich kann nichts be- und vorweisen. Mein Leben läuft meistens nach dem ‚One Step Up And Two Steps Back‘ Prinzip ab (Schön, dass ich gerade Bruce Springsteen höre und mir diese Zeile direkt im Hirn kleben blieb). Einige Bruchlandungen, die falsche Berufssparte erwischt und man kommt nicht mehr raus aus dieser Misere. Und manchmal bin ich einfach nur noch müde. Müde von der eigenen Ausweglosigkeit, den ganzen Hass auf dieser Welt und die täglichen Nachrichten im Radio/TV/oder in der Zeitung.

Für mich ist die Musik eine Art Pflaster, welches man zu jeder benötigten Zeit auf die blutende oder neu aufgerissene Wunde kleben kann. Schmerzstillend, tröstend, aufbauend und zu wirklich jeder Uhrzeit abrufbar. Vielleicht bin ich deswegen auch gerne auf Tour: Um den Alltag zu entkommen, die sich immer weiter drehenden Zeiger zumindest etwas außer Kraft zu setzen. Da ist auch dieses kleine Gefühl namens Freiheit zu spüren, welches sich im ganzen Körper auszubreiten scheint. Ich kann mir den Tag so gestalten, wie ich möchte: Entweder begebe ich mich auf einen Spaziergang durch eine fremde oder geliebte Stadt, klappere Plattenläden ab, sitze (wenn natürlich vorhanden) an einem Gewässer rum und lasse die beruhigende Natur auf mich wirken oder ich treffe mich mit herzensguten Menschen, die ich sonst viel zu selten sehen würde, weil da viel zu viele Kilometer im Wege sind. Natürlich gibt es auch so Tage, wo ich dann einfach ganz gerne im Hotelzimmer bleibe, weil ich das auch zwischendrin einfach brauche.

Musik erfüllt und hält mich tatsächlich am Leben. Klingt jetzt abgedroschen, aber es ist einfach so. Eine Tatsache, die nicht von der Hand zu weisen ist. Nehmt mir das weg und ich kann euch sagen, wie es dann mit mir weitergehen würde.

Außerdem habe ich durch diese ganze Geschichte, durch die ganzen Konzertbesuche, auch wunderbare Menschen kennenlernen dürfen, mit denen ich wohl sonst nie in Berührung gekommen wäre. Das ist Fakt! Und weil ich ja solche Sachen wie ‚Eure Alben des Jahres 2016!‘ einfach nicht mag, gibt es eben an dieser Stelle eine kleine ‚Vielen Dank, dass ihr mich schon so lange aushaltet!‘ und ‚Schön, dass wir uns durch die Sache namens Musik kennenlernten!‘ Liste!

Vielen Dank an:

Jess (Die bessere Hälfte von SCTYS!)
Matze Rossi & Passati (Danke. Für alles.)
Herr Zille (Bester Merchtyp.)
Esther & Nico (Internetherz!)
Tigeryouth (Liebe, ey!)
Frau Z. (Kennengelernt bei Matze. & Alfred direkt ins Herz geschlossen.)
Stefge (Ha! Damals! Der SMS-Chat! Gute (Die Ärzte) Zeit war das!)
Steven & Stanley (Bester Schtiehwen, den ich kenne!)
Son (Braunschweig war also doch für etwas gut!)
Ara (Für immer Spinner!)
Adolfina Fuck (Lebensretterin.)
John Allen (Lieblingsbartträger.)
Michy (Deine Worte immer, ne? Internetherz!)
Laura D. (Immer überall!)
Andi Solo (Ich bin ja echt gespannt auf 2017!)
Björn/Sven Ho/Norman (Wunderbare Fotografen. Wunderbare Menschen!)
Katrin (Deine Lieblingstasse wartet auf einen erneuten Besuch!)
Yellowlove (!!!)
All die bezaubernden Menschen vom Kaos Skola Festival
Clara (Instagramstalkerin!)
Gisbert (Nächstes Mal komm ich mal wieder rum!)
Jana (Wir müssen mal wieder zu Begebernd!)
Turbobart (Da müssen echt mal mehr Konzerte von dir stattfinden!)
Felix (Irgendwann klappt das mal mit einem Kaffee!)
Sven Peks (Ich kann mich noch immer an die Ring-Geschichte aus Oberhausen erinnern.)
Grand Hotel Van Cleef/Fleet Union (Alter! Geile Schweine! Außerdem sind sie daran SCHULD, dass ich in nächster Zeit nicht nur allein von trockenen Nudeln leben muss, denn mir wurden ‚Toppings‘ zugeschickt. Echt: Dankedankedanke! Beweisfoto:)

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Puh. Ich habe letztens überlegt, was ich denn wohl schon alles an Geld ausgegeben habe. Für all die Bahnfahrten, Unterkünfte und Tickets. Gott sei Dank habe ich diesen Gedanken ganz schnell wieder zur Seite geschoben, weil mir wahrscheinlich nur bei einer ganz groben Schätzung schwindelig geworden wäre. Ich hätte mir bestimmt schon 2 Autos, einige Urlaubsreisen und ein halbes Haus (mindestens!) leisten können.

Aber ganz ehrlich: Ich möchte all diese Erinnerungen, all die schönen Momente gegen nicht anderes eintauschen. Denn wenn die innere Stimme ‚AUFBRUCH!‘ schreit, kann ich diese nicht ignorieren. Zumindest nicht lange. Obwohl ich es mittlerweile etwas hasse, die Tasche ständig auf’s Neue zu packen, somit hebe ich mir das immer bis zum Schluß auf.

Fazit: Kein gepflanzter Baum, keine Kinder, kein Ehemann- aber dafür stolpere ich mit vielen unbezahlbaren Momenten durch die Weltgeschichte und das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl!

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