SMILE & BURN: Tigeryouth vs. Darius von The Deadnotes, Teil 2.

smileandburn_00001_c_maxthrelfall_small-jpgYEAH! Die Platte Get Better Get Worse von der Smile & Burn Bande geistert nun schon seit etlichen Tagen im Musikkosmos umher und da mich normale Reviews, in denen nur ich meine ausufernde Meinung niederschreibe, oft langweilen, holte ich mir zwei super gute Menschen und Musiker mit ins Boot: Nämlich Darius von The Deadnotes und Tigeryouth! Welch eine schöne Kombination, oder? Eben! Die zwei stellten sich gegenseitig Fragen zur Band und zum Album- der erste Teil davon wurde bereits veröffentlicht, hier folgt nun der zweite und letzte Part!

Nochmal ein großes DANKESCHÖN an Darius und Tigeryouth für ZEIT, BOCK und SCHREIBLAUNE und ich hoffe sehr, dass ihr ein wenig Spaß an diesem Experiment hattet!

Tilman: Verrückterweise habe ich mich noch nie so richtig mit den Texten der Bois beschäftigt. Dabei sind Texte normalerweise krasses Ausschluss-Kriterium bei Bands, die ich höre. Gerade neue Platten fallen oft durch bei mir, wenn mir die Texte nicht gefallen. Wahrscheinlich war ich einfach immer schon zu nah an der Band und habe ihre Entwicklung so direkt mitgekriegt, dass die Texte irgendwie keine richtige Rolle mehr gespielt haben. Bei der neuen Platte war es das erste Mal so, dass ich auch wissen wollte, worum es geht. Das habe ich vorher zwar auch schon immer irgendwie mitbekommen, weil man den Phil ja auch gut versteht beim singen, aber jetzt hab‘ ich mich auch hingesetzt und mir die Texte durchgelesen. Dabei hatte ich das Gefühl, mich in vielen Songs wiederzufinden. Gerade so Situationen wie im Opener nehmen mich mit. Ich bin großer Fan von klaren Ansagen in Songtexten, ohne große Metaphern und Bilder. Und das machen Smile and Burn ziemlich gut, ohne sich zu stumpf und einfach auszudrücken. Good enough ist da ’n super Beispiel und mein Lieblingstext der Platte.

Ich hab‘ jetzt auch rausgefunden, warum Home in meiner Wahrnehmung so abgefallen ist. Mittlerweile finde ich den sogar sehr gut. „Drag me to the telephone / singing to the dial tone / you know I’d rather be / with you I just gotta be home“ könnte mensch sich direkt tätowieren lassen. Das einzige was mich stört ist das „it“ bei „I don’t understand it“. Auch nur, weil es sich so out of place anhört, wenn Phil es singt und ich glaube, das hätte auch rausgelassen werden können. Es sind bei mir oft so Kleinigkeiten, die mich stören. Aber wie gesagt: Der Song ist wieder auf der Plus-Liste.

Nochmal zurück zu Smile and Burn live. Ich habe die Bois leider schon lange nicht mehr live gesehen. Wer gefällt dir von denen auf der Bühne am besten? Ich war immer fasziniert von Saschi, bei dem immer alles so wahnsinnig natürlich aussieht, wenn er Gitarre spielt und abgeht dabei.

Darius: Alright. Da bin ich ziemlich bei dir. Good Enough ist definitiv mein textlicher Höhepunkt der Platte. Was emotionalere Musik und Texte angeht bin ich auch der weniger Metaphern, mehr „straight from the heart“ Typ. „Not Happy“ fällt da für mich eher ab. Die Social Media Thematik des Songs ist für mich definitiv problematisch, allerdings auch so omnipräsent. Da bringen Smile & Burn für mich wenig neue Aspekte rein außer der Erkenntnis, dass zu viele Leute (im Internet) ihr Maul aufreißen. Vielleicht hätte ich mir gerade  hier mehr Ebenen und Sprachbildern gewünscht. Auf der anderen Seite ist der Song so kompakt und auf die Fresse, das passt in sich geschlossen definitiv zusammen und ergibt Sinn.

Ich finde der Pressetext trifft es da ziemlich gut. „Workout-artige Live-Show ohne Absprache und Choreo“. Ich finde ziemlich genial wie jeder der fünf so krasse „Signature Moves“ bringt, die aber im Gesamtbild eine krasse Ausstrahlung und Power rüberbringen. Das sieht alles fast schon einstudiert aus aber trotzdem so authentisch. Ich habe mir ehrlich gesagt noch nie überlegt wer mir da am Besten gefällt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Saschi der absolute King auf dem Dancefloor ist. Als ich die Band vergangenen November vor den Donots gesehen hatte, war extrem auffällig wie oft Philipp die Leute zum Tanzen und Abgehen aufgefordert hat. Das war ganz hinten (man wird ja alt…pfff) ein wenig weird, aber hat vorne beim Publikum übertrieben heftig gezündet. Wall of Deaths etc.

Frage: Ich feier extrem wie Smile and Burn sich über die Jahre hinweg immer präsent gezeigt und sich Stück für Stück immer weiter hochgearbeitet haben. Ich tue mich immer etwas schwer mit dem Wort „Durchbruch“. Definitiv hatte aber schon „Action Action“ in meinen Augen das Potential richtig groß zu gehen. Glaubst du das „Get Better Get Worse“ nun in der Lage ist diesen „Durchbruch“ zu initiieren? Warum tut sich in deinen Augen deutsche (Punk-)Bands mit englischen Texten hier so schwer? Was machen Smile and Burn in der Hinsicht richtig (oder auch „falsch“)?

Tilman: Der Durchbruch wäre langsam mal angebracht. Ich glaube aber nicht, dass es jetzt passiert. Ich schätze, das braucht noch ein/zwei Alben und ein paar Jährchen. Smile and Burn machen aber alles richtig, indem sie einfach recht stur weitermachen. Wenn mich nicht alles täuscht, sind die ja auch schon im achten oder neunten Jahr. Eine Band solange zusammenzuhalten und mit der gleichen Energie am Ball zu bleiben stelle ich mir krass schwer vor. Mein erster Versuch, ’ne Punkband zu machen hat schon nach 20 Shows den Geist aufgegeben, haha. Ich hoffe einfach, dass Smile and Burn nicht die Luft ausgeht und sie dabei bleiben, Durchbruch oder nicht. Ich hab‘ Bock auf noch so zehn weitere Platten! Und irgendwann so als Rock-Opis alle zusammen am Thresen sitzen und Storys erzählen. Englische Texte von nicht-Muttersprachler_Innen sind einfach oft einfach sprachlich, bzw. lyrisch nicht so geil, hab‘ ich das Gefühl. Ich merk‘ selbst immer, wenn ich auf Englisch schreibe, wie schwer es mir fällt, wirklich ’n Text zu schreiben und nicht nur auf Füllwörter und Phrasen auszuweichen. Aber ey, Smile and Burns Texte sind sehr gut. Apropos englische Texte, ich mag‘ Blackout Problems ganz gerne, aber die Zeile „together we’re an army just as strong as black coffee“ zieht mir immer wieder den Stöpsel… Der Song ist so gut und das Thema ist wichtig und alles, aber die Zeile finde ich nur bescheuert. So. Genug gelästert für heute. Sorry, Black out Problems! Die Platte ist trotzdem sweet!

Mir gehen ein bisschen die Fragen aus. Ich würd‘ aber gerne noch deine Antworten auf deine Fragen lesen!

Darius: Nice, jau ich glaube wir sind an einem guten Abschlusspunkt angekommen. Ich hoffe natürlich für Smile and Burn das allerbeste, dass die Platte durch die Decke geht. Wie du bereits erwähnt hast. Ich bin ebenso beeindruckt wie intensiv die Jungs das durchziehen. Gerade auch in Phasen ohne viele Konzerte oder neue Platte immer super präsent zu sein. Wenige Bands hätten das meiner Meinung nach aktuell mehr verdient.

Allgemein den Punkt mit eher mittelmäßigen englischen Texten sehe ich auch. Trotzdem gibt es auch leider viel zu viele deutsche Bands mit super miesen Texten, die durch die Decke gehen. Mir persönlich fehlt bei einigen Bands eben genau das was Smile and Burn ausmacht. Einfach ihr Ding durchziehen, ohne Ende Shows spielen und verdammt noch mal Spaß daran zu haben. Ich glaube das das definitiv der beste Weg für nachhaltigen Erfolg ist. Blackout Problems ist da auch eine Band, die mich in letzter Zeit sehr intensiv bewegt hat. Viele Songs hauen mich ziemlich um, dann muss man über oben genannte Songzeilen manchmal doch ein wenig den Kopf schütteln. Trotzdem macht mir das hier nicht allzu viel aus, da hier offensichtlich unheimlich viel Arbeit, Motivation und Leidenschaft dahintersteckt. Ich habe sogar aktuell das Gefühl, dass eben solche Bands derzeit kleine Veränderung in die deutsche Musikszene bringen und die Aufmerksamkeit/das Interesse an deutschen Bands, die englischsprachigen Punk bzw. Rock spielen, größer wird. Aber falls nicht, denke ich sind wir uns einig, dass das nicht besonders relevant ist. Dann gibt es ja für alle Beteiligten immer die als Rock Opi am Tresen sitzen Nummer.

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