‚…I’m dancing with my demons.‘

Ich war unterwegs. Auf Tour. Für 15 Tage. Gestehen muss ich: ein bis zwei Wochen vor Start der kleinen Rundreise dachte ich daran abzusagen. Zweifel lasteten schwer auf meinen Schultern und man bekommt mit der Zeit das Gespür dafür, ob es einen ‚gut‘ geht oder sich eben eher was vormacht. Für mich war letzteres der Fall, aber mich ängstigte es dann doch mehr, stattdessen drei Wochen alleine daheim zu sitzen. Mit meinem Kopf. Mit meinen Gedanken, die mich sicher irgendwann aufgefressen hätten. Und so zog ich es eiskalt durch, stieg in den Bus ein- hatte aber auch unterwegs sehr mit mir zu kämpfen.

Als ob sich Ungeziefer an deiner Seele zu schaffen machen, sich dort festkrallen, alles infizieren und dich lähmen. Ich erkenne mich selbst schon viel zu lange nicht mehr wieder, das innere Sterben hat schon längst seine sichtbaren Kreise gezogen und so langsam aber sicher ist es an der Zeit die Notbremse zu ziehen, eh man sich von der Klippe stürzt. Ohne Sicherungsseil.

Deine Schwächen? Deine Stärken? Wie würdest du deinen Charakter beschreiben? Wer bist du? Kämen diese Fragen auf mich zu- eine Antwort hätte ich nicht drauf. Ich bin verloren gegangen. Vor vielen vielen Jahren bereits. Aber damals habe ich mich zumindest noch teilweise erkannt. Heute ist das nicht mehr der Fall. Es existiert nur noch die Außenhülle, die sich der Umwelt anpasst. Alles, was im Inneren liegt, schmerzt nur noch. Mal mehr, mal weniger. Ich spüre keinen Spaß mehr. Freude? Glück? Das ist alles wie ausgelöscht und ich bin mir auch gar nicht mehr sicher, ob ich diese Sachen überhaupt mal empfunden habe, sind sie mir mittlerweile doch so fremd geworden.

An anderen Tagen spüre ich so vieles gleichzeitig in mir: Wut. Trauer. Zweifel. Verlorenen Lebensmut. Alles ein Ende setzen zu wollen.

Es bricht mich. Es staut sich alles unaufhaltsam auf und dann ist da wieder dieses altbekannte beklemmende Gefühl im Brustkorb. Dieser Dämon, der sich einen Spaß draus macht, einen zu quälen. Auf fürchterlichster Art und Weise. Ja, man versucht anzukämpfen. Zu gewinnen. Diese Energie, die dabei flöten geht, kann man nicht in Worte fassen. Ein ungleicher Kampf, der dann stattfindet. Ganz alleine im Ring mit einem übergroßen Gegner, der dir gegenüber steht und nur das eine Ziel hat: Dich zu zerstören. Dich auf den kalten Boden zu schicken, bis du nur noch eine ganz flache Atmung vorweisen kannst, dann von dir ablässt und dich zum Sterben eiskalt zurücklässt.

Für mich macht das Leben 0 Sinn: du gehst zur Schule, bist da schon immer das Opfer. Lernst irgendeinen Beruf, der dich noch unglücklicher macht und wüsstest auch nicht, was du sonst machen solltest, weil man einfach keine Ahnung hat. Und sonst? Alltagsscheiße. Probleme. That’s it. Und das noch weitere 30 bis 40 Jahre? Bei diesem Gedanken wird mir regelrecht schlecht.

Es ist als würde ich im Kino sitzen, auf die Leinwand starren und mir selbst zuschauen: all die Hilflosigkeit. Einsamkeit. Die unzähligen Zusammenbrüche. Die ständigen Kämpfe und Tiefschläge, die so vieles von mir forderten und ich nun ganz ohne Reserven dastehe. Ein Balanceakt auf der vielbefahrenen Autobahn. Irgendwann wird es mich erwischen.

Und wenn man dann mit Matze Rossi und Martin Stumpf unterwegs sein darf und tagtäglich sah, wie sie in der Musik aufgehen, Leidenschaft reinstecken und einfach eine gute Zeit haben- und man selbst einfach Welten entfernt ist und sich fragt: was ist bei mir nur schief gelaufen? Und wie ich das Gefühl in der Zeit nie losgeworden bin völlig Fehl am Platz zu sein. Weil da der Kopf ist. Diese Stimme, die dir unentwegt sagt, dass du ein Niemand bist. Nichts kannst. Und dich niemand braucht.

Zumindest habe ich für mich auf der Tour gemerkt: es wird langsam so richtig gefährlich. Die einzelnen Etappen werden schwieriger, die Kämpfe härter und unberechenbarer. Irgendwas muss passieren.

Aber was? Das steht noch in den Sternen.

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Ein Gedanke zu “‚…I’m dancing with my demons.‘

  1. 😦

    Leider kann ich nicht viel helfen, außer dir anzubieten dass du mich jederzeit anrufen kannst zum reden und für dich auch immer ein Schlafplatz bei mir frei sein wird, egal zu welcher Zeit! Ich hoffe dass du findest was du suchst :-*

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