Nathan Gray- Feral Hymns.

Nathan Gray, die sympathische Frontsau von Boysetsfire, wird am 19. Januar endlich sein erstes Soloalbum Feral Hymns über End Hits Records veröffentlichen. Produziert wurde dies von Pete Steinkopf, welcher bei den grandiosen Bouncing Souls an der Gitarre zu finden ist. Somit wird hier schon allen klar, dass das nur ein wahres Meisterwerk werden kann.
Und was soll ich sagen? Selbst ‚wahres Meisterwerk‘ ist hier noch stark untertrieben. Richtet euch bitte schonmal auf Lobhudelei ein!
Die Promomail von Uncle M erreichte mich bereits im letzten Jahr. Zu einer Zeit, an der ich an nichts mehr glaubte. Zu einer Zeit, in der mir Musik am Arsch vorbei ging und ich schon glaubte, dass die einstige Liebe zu dieser nun vollends bei mir im Keim erstickt wurde. Zu einer Zeit, in der ich mich wieder so tief unten befand, dass sich das Kämpfen nicht mehr lohnte, weil die benötigte Kraft fehlte.
NATHAN GRAY: Solo-Album-Bemusterung + Tour AUSVERKAUFT stand im Betreff. Ich klickte rein. Drückte auf PLAY. Ohne große Erwartungen saß ich vor’m Laptop. Irgendwo zwischen Verzweiflung und Gefühlskälte.
Die ersten Sekunden. Die ersten Minuten. Die ersten Songs. Es wurde schnell klar, dass dieses Album stark reduziert um die Ecke kommt. Heißt: Keine unnötigen Spielereien und Inszenierungen. Keine Überladung an diversen Instrumenten. Nein, nichts davon. Stattdessen abgespeckt, roh- akustisch halt. Und das in seiner allerschönsten Form überhaupt.
Akustisch ist nicht gleich akustisch. Da gibt es Sänger, die sich neben der Hauptband eben das zweite Standbein aufbauen wollen und rotzen altbekannte Songs nur noch auf Gitarre raus. Funktioniert halt nicht immer. Wenn das ohne viel Gefühl und ohne ein Fünkchen Leidenschaft rausgehauen wird, kommt man mit diesem Vorhaben einfach nicht sehr weit, das ist Fakt. Aber zum Glück gibt es Musiker wie eben Nathan Gray, die eindrucksvoll beweisen, dass sie auch ohne Band im Rücken bestehen können. Nathan brennt dafür. Es ist, als würde man gerade eine Therapiesitzung abhalten- man selbst als Therapeutin, die zuhört und sich Notizen macht, während Nathan einen gnadenlosen Seelenstriptease hinlegt, der zu Tränen rührt und die Kinnlade bis zum Boden klappen lässt. Ein Typ, der auf der einen Seite so viel an Verletzbarkeit zeigt, aber auf der anderen Seite ein wahrer Kämpfer ist. Der mit seiner Stimme immer einen gewissen Nachdruck erzeugt, dass man einerseits tief in Feral Hymns versinkt, aber irgendwie immer eine helfende Hand parat hat, die einen erneut rauszieht.
Wo wir gerade beim Stichwort Stimme sind: Ich mag Boysetsfire, ja. Aber ich war immer mehr Fan davon, wenn sie eben akustisch performt haben. Warum? Ich kann es nur schwer erklären, aber seine klare Stimme hat etwas fesselndes an sich. Genau das merkte ich nochmal mit voller Wucht, als sein Album das erste Mal bei mir lief:  sie dringt direkt tief in Seele, Herz und Kopf ein. Sie berührt ungemein. Ich kenne in meiner eigenen kleinen Musikwelt keine andere Stimme, die so viel in mir auslösen kann wie seine. Wie man sich das vorstellen kann? Mmh, vielleicht wie ein innerer Wirbelsturm, der von Song zu Song woanders rumwirbelt, aber stets seine Spuren hinterlässt. Ein Wirbelsturm, der mit sämtlichen Emotionen jongliert. Es pendelt alles zwischen ergreifend, mitreißend, gefühlvoll, verletzlich und alles explodiert innerhalb weniger Sekunden, wenn er in Songs wie Across Five Years oder Ebbing Of The Tide gegen Ende hin alles rausholt und mit seiner gewaltigen Stimme so richtig auf den Tisch haut. Da vergisst man auch kurzzeitig das Atmen, weil sich wirklich innerhalb kürzester Zeit so etwas prachtvolles aufbaut und sämtliche Gedanken förmlich Achterbahn fahren.
Beim allerersten Hördurchgang. Beim dritten Song Walk schossen mir direkt die Tränen in die Augen, denn die ersten 35 Sekunden singt er einfach nur. Ohne irgendein Instrument im Hintergrund, bis dann ganz leise eine Gitarre einsetzt. ‚There was a time I stood in silence. And there was a time you ask me to let go.‘ Vielleicht kann man dieses Album ganz gut mit einem noch nie gesehenen Theaterstück vergleichen: Man bekommt ein Ticket dafür geschenkt, geht mit einem Schulterzucken zur Aufführung. Kein anderer Mensch hat sich dafür im Saal eingefunden. So sitzt man dort alleine, überlegt schon fast wieder zu gehen, bis die Lichter ausgehen. Ein einzelner Spot zeigt auf den Vorhang, welcher nun aufgezogen wird. Dort steht ein Mann, mit einem breiten Grnsen lässt er dich wissen: Bleib sitzen- du bist genau richtig hier! Und er sollte Recht behalten. Man lässt sich in den bequemen Sessel nieder und lässt die teils düstere Atmosphäre auf sich wirken. Während er auf der Bühne ohne viel Equipment auskommt und alles nur auf das Wichtigste reduziert wurde, kommen hier und da ein Piano und Streicher zum Einsatz. Ganz unaufgeregt, perfekt integriert und unterstreicht das Schaffen des Künstlers nochmal mit einem extra dicken Edding. Es bleibt von Akt zu Akt authentisch. Mal geht es in eine dramatische und aufwühlende Ecke, um dann doch immer wieder die Kurve zu bekommen, dass es doch immer auf eine Art und Weise weiter geht. Wäre ich depremiert in dieses Stück gegangen, wäre ich auch depremiert wieder rausgekommen. Nur mit dem Unterschied, dass ich viel mehr Kraft im Gepäck hätte, um die nächsten Hürden zu meistern.
Fazit: Für mich ist und bleibt Feral Hymns bereits Album des Jahres 2018. Alles andere, was da noch kommen mag, muss sich leider dahinter anstellen. Ein Album, welches mich vom ersten bis zum letzten Song restlos begeistert und ich wirklich keinerlei Aussetzer finde, so sehr ich mich auch anstrenge etwas Negatives zu finden, aber Fehlanzeige. Ich habe mich einfach schockverliebt und ich glaube, dass es auch vielen anderen so ergehen wird! Seine Tour ist leider restlos ausverkauft, somit wahrscheinlich auch kein Konzert für mich bei den kommenden Daten. Allen, die ein Ticket ergattern konnten- habt ganz viel Spaß und lasst euch auch LIVE von seinem neuen Material überzeugen! Internetherz!

Nathan Gray
Album vorbestellen

 An Evening with NATHAN GRAY
performing acoustic versions of Boysetsfire, The Casting Out and brand new material
03.02. Köln – Jungle Club AUSVERKAUFT
04.02. Hannover – Faust AUSVERKAUFT
05.02. Münster – Pension Schmidt AUSVERKAUFT
06.02. Berlin – Baumhausbar AUSVERKAUFT
07.02. Jena – Rosenkeller AUSVERKAUFT
08.02. Nürnberg – Club Stereo AUSVERKAUFT
09.02. Wien – Rhiz AUSVERKAUFT
10.02. München – Heppel & Ettlich AUSVERKAUFT
11.02. Karlsruhe – Cafe Nun AUSVERKAUFT
Präsentiert von Visions, Fuze, More Core, Heartcore Mag
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