‚I smash against the rocks again.‘

Zugegeben: Das Thema Depression habe ich etwas schleifen lassen, gar ausgeklammert. Warum? Ich weiß nicht, aber ich war größtenteils unsicher, ob ich weiterhin etwas darüber veröffentlichen möchte. Aber als ich mir die Konzerte von Nathan Gray ansah und ich da noch viel mehr spürte, dass es wichtig ist, dass man weiß, dass man mit bestimmten Sachen ganz und gar nicht alleine dasteht- weil es wichtig ist, dieses stets im Kopf zu behalten. Weil es wichtig ist darüber zu reden/schreiben/wasauchimmer. Es hilft nicht nur mir, nein, eventuell auch anderen Menschen. Menschen, die sich in den niedergeschriebenen Sätzen erkennen. Menschen, die vielleicht noch damit hadern, sich irgendjemanden anzuvertrauen. Solange ich mit einem Artikel dieser Art auch nur eine einzelne Person erreichen kann, solange werde ich weiter darüber schreiben- oder es zumindest versuchen. Wie 2017 für mich war? Hart. Äußerst hart sogar. Das wäre meine kurze Antwort auf diese Frage.

Die längere Version davon wäre: Ich habe einiges gewagt, bin am Ende aber immer wieder auf’s Maul geflogen. Da gab es nicht nur ein aufgeschürftes Knie, sondern sämtliche Brüche, die auch noch heute schmerzen und eine tiefe Narbe hinterlassen haben. Ein dichter Nebel, in dem ich ständig zu stehen schien, verschleierte mir ständig den Blick. Den Blick auf die schönen Momente im Leben. Den Blick nach oben, nach vorne. Eben auf die Dinge, die mir früher viel bedeuteten, aber gänzlich in der Versenkung verschwanden. Weil keinerlei Interesse mehr vorhanden war und die Couch mein allerbester Freund wurde, die ich dann nur noch für die Arbeit oder zum kurzen Ausflug zum Penny gegenüber verließ. Essen war und ist schon lange kein Genuss mehr für mich, sondern nur noch ein Sattmacher, den man erdulden muss. Alles schmeckte fade, alles verlor die Farbe und meine Welt erschien mir nur noch in einem tristen grau. Oft erschien es mir, als ob ich regelrecht neben mir stehen würde und alles von außen betrachte.

Wisst ihr eigentlich wie furchtbar es ist, wenn man nicht mehr weiß, wer man überhaupt ist? Wenn man die Fragen nach Stärken/Schwächen/Charaktereigenschaften nur noch mit einem zierlichen Schulterzucken beantworten kann?

Fast das gesamte Jahr war durchzogen von dieser bleiernden Dunkelheit, die sich schwer auf die Schultern legte. Ich war alles andere als fit, schlief viel zu viel (und viel zu unterbrochen und schlecht), dachte zu oft über Suizid nach, die Augen konnten wahre Geschichten erzählen- von diversen Zusammenbrüchen, Taschentuchverbrauch und co. Von den Zweifeln, die sich immer mehr aufstapelten. Diese ständige Dauerschleife ‚Ich bin und werde nie genug sein.‘ im Kopf, welche man einfach nicht ausschalten konnte. Ich dachte von all den Jahren davor, dass es nicht noch tiefer in diese Hölle gehen kann, aber das tat es.

Ich habe in der Zeit gelernt, mit welchen Menschen ich darüber reden kann und bei welchen ich es in Zukunft lassen werde. Nichts ist in diesem Zustand schlimmer als ein dahergefaseltes ‚Wird schon wieder. Such dir Hilfe!‘. Aber selbst das war für mich eine unmögliche Hürde, Hilfe zu suchen. Es ging einfach nicht. Wie eine Barrikade direkt vor einen, die man nicht überwinden kann und dann am Ende umdreht, sich der Hölle stellt und es nur noch egal ist, ob man lebend dort rauskommt- oder eben nicht.

Anfang diesen Jahres erlebte ich zur Abwechslung einen kleinen Aufschwung. Die Last von den Schultern fiel ab, die Schritte fielen mir leichter und ich konnte die Couch auch mal wieder verlassen- an freien Tagen. Einfach so. Ich konnte Wäsche waschen und diese auch direkt im Anschluss aufhängen. Klar, viele lächeln jetzt drüber, aber für mich war das oft eine mehr als schwierige Aufgabe, weil ich mich einfach nicht bewegen konnte. Die lang vermisste Liebe zur Musik ploppte endlich wieder auf -Dank Feral Hymns!-und der Spaß, für Konzerte rumzufahren, kam ebenfalls wieder.

Klar, ich merke, dass die Fassade anfängt zu bröckeln, ich mir diverse Vorwürfe mache und das Leben in Frage stelle und ich nicht weiß, ob ich genug Kraft tanken kann, um die nächste große Schlacht zu überstehen. ‚You are not alone.‘, ein Satz so simpel, aber wie er da von Nathan kam und dazu vieles sagte, was zu Tränen rührte, blieb an mir haften. Fast jeder hat(te) mit Dämonen verschiedenster Art und Weise zu kämpfen und es wird einfach immer wichtiger sich darüber auszutauschen. Um Suizide zu vermeiden. Um aufzuklären. Um andere Menschen wachzurütteln, die sich gerne über uns lustig machen und nicht wissen, was sie damit anrichten können.

Das erstmal wieder von mir und wer irgendwelche Fragen hat (die ich beim nächsten Mal mit einbauen kann) oder selber mal einen kleinen Text dazu verfassen möchte, der meldet sich einfach gerne über unsere Seite bei Facebook oder per Mail. Bis dahin:

Ever Forward.

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