#fuckdepression 2.

Oft, wenn wir uns in einer Abwärtsspirale befinden, kommt uns auch ganz gerne wieder die Vergangenheit besuchen. Wir stolpern über alte Fehler, über Dinge, die wir einfach nicht loswerden, alles wiederholt sich unaufhörlich. Es gibt keinen Pausenknopf, den man beliebig drücken kann. Nein, das sind Momente und Erinnerungen, alte aufkeimende Gefühle, durch die wir schwimmen müssen und kurz vor’m Ertrinken sind und weit und breit ist kein Ufer oder Rettungsanker zu sehen.

Wenn wir uns jemanden öffnen und versuchen zu erläutern, was uns gerade im Kopf rumspukt. Über alte angedeutete Geschichten. Kaum benutzt man die Vergangenheitsform, kommt vom Gegenüber ein: Du musst nach vorne sehen! Die Vergangenheit ist vorbei, daran kannst du eh nichts mehr ändern, also lass es hinter dir, mach einen Haken dran.

Ja, danke.

Klar, es ist auch für uns einleuchtend, diese Aussage, keine Frage. Aber wir können das nicht einfach mit einem lapidaren Fingerschnippen abschütteln, uns umdrehen und nur noch der Zukunft zuwenden. Dem Hier und Jetzt. Das funktioniert einfach nicht, so ist unser Kopf nicht gestrickt. Und ganz ehrlich: ich glaube niemanden der behauptet, dass er mit allem, was mal war, abgeschlossen hat. Jeder wird sich mal dabei ertappt haben, irgendwo im Gedankenüberfluss zu stecken, wie von Sinnen auf der Unterlippe zu beißen, wegzudriften und sich in der Lage von damals wiederzufinden. Mit all den hochkochenden Gefühlen, die man verspürte- sie sind plötzlich wieder da. Die Schuldgefühle, die nagende Frage ‚Was wäre gewesen, wenn…‘ auf Dauerrepeat.

Die Vergangenheit ist ein Teil von uns. Sie wird in einer Art und Weise immer präsent sein, uns verfolgen in viel zu langen Nächten, uns oftmals von Innen auffressen.

Es ist alles andere als gesund, diese zur Seite zu schieben, in einer Kiste zu verstauen und auf den Dachboden in der dunkelsten Ecke zu verstecken, denn dann wird sie dich irgendwann mit geballter Wucht treffen und zu Boden reißen. Dieses immer wiederkehrende Runterschlucken von Geschehnissen, Situationen macht es nur schlimmer, weil sich alles im Inneren sammelt, staut und es irgendwann zur Explosion kommt.

Ja, es ist hart, wenn das Hirn mit solchen Dingen um die Ecke kommt und sagt: Ey, erinnerst du dich noch? Das war vor einem Jahr. Man, ging es dir da dreckig, weil…‘ Die Geschichten klettern die Speiseröhre hinauf, bis dir die Kotze schon aus den Ohren kommt. Lecker, ich weiß.

Aber ich glaube, dass es wichtig ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dass man versteht was da passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Warum einen der Fehler passiert ist, warum es aus dem Ruder lief. Warum man nicht anders reagieren konnte. Warum es an den Nerven nagt und einen bis in den Traum verfolgt. Es schmerzt sich dort durchzukämpfen. Es kostet enorme Kraft, viele Tränen und trägt dabei noch einen harten Kampf mit sich selbst aus, der es in sich hat. Denn man beginnt sich klein zu machen, an sich zu zweifeln und dieser Wunsch nicht mehr zu existieren und anderen eine Last weniger zu sein.

Dennoch ist es auf der anderen Seite irgendwo hilfreich, sich durch dieses schwerwiegende Schlamassel zu ziehen, weil man draus lernt, denn irgendetwas nimmt man immer mit, auch wenn man erst viele viele Jahre später darauf kommt, sich das Dunkel ein wenig erhellt und eine andere neue Perspektive erreicht wird.

Ja, ich befinde mich oft in der Vergangenheit und ich kann es nicht ändern, auch wenn mir solche schlauen Sprüche entgegengebracht werden, die nur so voller positiver Energie und Hippietum triefen. Vielleicht wünschen wir uns einfach nur ein wenig mehr Akzeptanz, denn wir sind einfach so, wie wir sind. Unser Hirn tickt oft anders und zieht uns in düstere Kapitel hinein, sind gefangen im Treibsand und versuchen irgendwie unseren Kopf oben zu halten, um nicht komplett unterzugehen. So sind wir. Wir kämpfen unbemerkt um jeden einzelnen Lichtstrahl, den wir unbeschwert wahrnehmen und genießen können. Wir kämpfen darum, gute Familienmitglieder und Freunde/Freundinnen zu sein. Wir kämpfen mit den Tränen. Wir kämpfen mit der Vergangenheit, aber auch mit dem Hier und Jetzt. Wir kämpfen mit dem schwarzen Hund, der uns versucht zu erdrücken. Wir kämpfen uns zurück auf die Beine, um im nächsten Moment erneut umzuknicken.

Wir kämpfen um unser Leben.

 

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