#fuckdepression 3.

Manchmal gibt es so Tage, die dich plötzlich und unerwartet auf den Boden werfen und das Schlimmste daran: du weißt nicht mal warum.

Nachts konnte ich wie immer nicht durchschlafen, wachte ab und an auf, manches Mal fiel das erneute Einschlafen schwer. Der Wecker klingelte heute gegen 9 Uhr und das an einem Sonntag, aber in der Gastronomie gibt es kein Wochenende, das ist trauriger Fakt. Fast 40 Minuten später stand ich auf und wurde direkt von Kopfschmerzen empfangen. ‚What the fuck?!‘ dachte ich mir. Alles fühlte sich irgendwie schwer an- die Knochen, die Schultern, das Herz, während ich mich andererseits schummrig auf den Beinen fühlte. Alles nicht sonderlich prickelnd, aber ich habe mich auch schon in schlimmerer Verfassung zur Arbeit geschleppt.

Auf dem Hinweg mit Muff Potter. im Ohr, Nagel schrie mir ins Ohr:

WANN STÜRZT DAS ALLES ENDLICH EIN?!

Vorbei am Fischmarkt, leichter Regen setzte ein, ich verfluchte heimlich die nagenden Kopfschmerzen und hatte das Gefühl, dass ich gleich zusammenklappen würde. Als ob der Kreislauf seinen Dienst einstellen würde, weil dieser halt auch mal eine Auszeit braucht. Verständlich. Ist ja immerhin Wochenende.

18 Minuten später erreichte ich den Laden, ließ mich erschöpft auf einer Bank nieder, es war noch Zeit bis zum Arbeitsbeginn. Die Laune kippte urplötzlich noch weiter Richtung ‚irgendwas stimmt hier gerade nicht‘. Da war sie wieder- die innere Unruhe, die mich von A nach B tingeln lässt, ohne klares Ziel. Meine Stimme wurde dünn wie Papier, reden war nicht mehr drin, bis auf ein kurzes ‚Hallo‘, als ich den Laden betrat.

I’ve got an ocean in my head, but my mouth is a desert and I cannot make it rain.

Ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen schossen, ohne Grund. Ich stand in der Umkleide, versuchte kontrolliert zu atmen. Versuch fehlgeschlagen, schloß mich kurz ins Bad ein und sah meinem Spiegelbild dabei zu, wie sich meine Augen immer mehr rot verfärbten. Einige Male wuselte ich zwischen diesen beiden Räumen hin und her, ich fing an zu zittern, der Kopfschmerz wütete, ich konnte die Tränen nicht stoppen. So ging ich nochmals raus, an die Luft, an die Elbe, setzte mich. Minuten später kamen zwei Kollegen auf mich zu, fragten, was los ist. Ich bekam kein Wort raus und versuchte nicht komplett zusammenzubrechen zwischen Kollegen und Touristen, die genüsslich in die Fischbrötchen bissen.

‚Wir sind heute genug Leute. Sie können nach Hause gehen.‘

Ich saß da wie gelähmt. Sprachlos. Schaute auf die unruhige Elbe, auf das graue Treiben. Fühlte mich nutzlos, weil es mir unmöglich war meinen Dienst anzutreten. Die Kollegin saß mir weiterhin gegenüber, löcherte mich nicht mit unnötigen Fragen, auf die ich eh nichts hätte antworten können. Eine ältere Dame, Ende 70, fragte, ob sie sich kurz dazu setzen könnte. Sie fing an zu erzählen, dass sie einen kranken Sohn daheim hätte, sie den Elbblick genießt und so neue Kraft tanken kann. Wenn ich mich in diesem Zustand befinde, kann ich mir solche Tragödien nur schwer anhören. Über die baldige Erblindung ihres Sohnes und was er davor noch gerne sehen wollen würde, mich nimmt das alles noch viel mehr mit als so schon.

So stand ich auf, verließ den Tisch, machte erneut Halt im Badezimmer. Als ich einigermaßen Fassung gefunden habe, ging ich nach vorne, fragte mit brüchiger Stimme, ob ich gehen kann, erhielt das okay. Ich zog die Kapuze meines geliebten Matze Rossi Hoodies tief ins Gesicht, bahnte mir einen Weg durch die Touristen, an der Elbe entlang. Mir ging es dreckig und ich ging den Tag immer wieder gedanklich durch, ob ich einen Grund dafür finde, fand aber nichts.

Irgendwann kam ich in meiner Wohnung an, schloß die Tür hinter mir und schon brach der innere Schmerz über mich herein. Ich versank auf den Boden des Flures, während mich Nagel erneut fragte:

WANN STÜRZT DAS ALLES ENDLICH EIN?!

Genau jetzt, Nagel. Genau jetzt.

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