#fuckdepression 6

Fällt es euch auch oft schwer, einen Sinn im Leben zu sehen/finden? Und dazu noch dieses innere Gefühl, dass euch nichts mehr richtig erfüllt? Egal, was man auch anstellt? Es ist zermürbend, nicht wahr? Dazu dieses tonnenschwere Herz im Brustkorb, das einen fast zu erdrücken droht. Der riesige Kloß im Hals, den du Tag und Nacht spürst und fest der Meinung bist, dass andere Menschen ihn von außen wahrnehmen können, verhält er sich doch wie ein vertrauter Fremdkörper.

Wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist? Nun, wie soll ich es sagen? Auf jeden Fall würde ich lügen, wenn ich ‚gut‘ schreiben würde. Der Kopf knirscht, rauscht und sendet ein Störbild, welches beißt, kratzt und auf Dauer an den angesenkten Nerven knabbert.

Viel zu oft hängt alles am bekannten seidenen Faden, der jeden Moment zu reißen droht. Die Unzufriedenheit, der Selbsthass, der Gedanke, nie was im Leben erreicht zu haben- was einfach mal so ist. Ich hänge irgendwie fest zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite das Leben, welches für mich eher ein dahinvegetieren geworden ist. Ich sehe all den Hass, all den Neid, all diese Ungerechtigkeit und die unfassbaren Taten. Klar, ab und an kann ich mich über den Anblick der Elbe erfreuen, an einen schönen Sonnenauf- oder Untergang. Aber ansonsten? Gibt es tatsächlich nicht mehr viel, was mich packt und hält. Stellt euch vor, ihr würdet irgendwo an einem belebten Platz stehen. Alles um euch herum wuselt, Menschen laufen eilig an euch vorbei, rempeln dich an und es könnte ihnen nicht egaler sein. In diesem Moment denkst du daran wie schön es wäre, nicht mehr zu existieren. Weg zu sein. Den inneren Schmerz für immer loszusein.

Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut und ich weiß zu diesem Zeitpunkt auch nicht, wann ich das zuletzt tat. Ich stolpere über meine eigenen Füße. Als ob ich die ganze Zeit neben mir stehen würde und mir dabei zusehe, wie ich wieder und wieder zusammenbreche, an all den Dämonen im Kopf verzweifle, die gerade jetzt wieder zum Ende des Jahres die Oberhand haben und mich nicht mehr wissen lassen, wer ich überhaupt bin. Bin ich okay so wie ich bin? Nein, definitiv nicht. Zu viele offene Baustellen, zwei linke Hände und ein Hirn, welches stets die mühsam erarbeiteten Baupläne über den Haufen wirft.

Isolation. Körper und Geist sind am Ende der Kräfte. Ich bilde mir ein, dass ein ausgedehnter Winterschlaf helfen könnte und wünschte mir, dass dieser für immer andauert. Niemanden sehen. Keine Gespräche führen müssen, selbst das anstrengende Atmen einstellen.

Mit jedem neu anbrechenden Jahr wird es härter, der innere tobende Tornado nimmt immer mehr an Geschwindigkeit und Zerstörungswut auf- bis irgendwann nichts mehr übrig bleiben wird. Nur noch eine Hülle, ein Schatten meiner selbst und ein letzter Schritt in diesem Leben.

Ich möchte niemanden zur Last fallen, stattdessen höre ich mir eher die Sorgen und Probleme von Freunden oder völlig Fremden an, weil es mich von meinem eigenen Müll ablenkt, zumindest für einen Augenblick. Ich versuche anderen eine kleine Freude zu bereiten, meistens mit DIY Sachen für Interviews oder Kleinkram zwischendrin. Einfach nur, um den Leuten ein Lächeln zu entlocken oder mit gewissen Dingen zu zeigen: hey, es ist schön, dass es dich gibt- und das ist  nicht nur meine Meinung, sondern auch von einigen anderen, die sich eventuell noch daran beteiligt haben. Und das bißchen Kreativität, was ich noch in mir trage, lenkt mich ebenfalls gut ab. Wenn Hände und Kopf beschäftigt sind, ist das immer eine gute Sache.

Aber im Moment? Möchte ich nicht mehr. Alles ist furchtbar durcheinander. Die drei freien Tage verbringe ich auf meiner Couch, weil sämtliche Reserven aufgebraucht sind. Wie schön wäre es doch, wenn wir ab und an selbst unseren inneren abschmierenden Akku an der Steckdose aufladen könnten, nicht wahr?

Würde mich jemand fragen, wofür es sich noch zu kämpfen lohnt- ich wüßte keine Antwort. Nicht mal im Ansatz. Welch ein Leben ist das, wenn du stets kämpfen musst? Wielange hält ein Mensch das aus, bevor man daran vollständig zerschellt? Ich weiß es nicht, aber ich werde es rausfinden (müssen).

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