#fuckdepression 7.

Die letzten Wochen hinterließen mal wieder ihre Spuren. Ich fühlte mich, als ob ich an einem nie enden wollenden Marathon teilnahm, der mir alles abverlangte. Ein Lauf, der mich an meine Grenzen führte, alle mühsam angesammelten Reserven angriff und die Batterie immer mehr in den roten Bereich abdriftete. Schweißperlen am ganzen Körper, Blessuren. Durch strömenden Regen, durch die tiefsten Pfützen, die einen ständig stolpern ließen- und das Aufstehen von Mal zu Mal wurde fast zur unüberwindbaren Aufgabe. Steile Abhänge, die Konkurrenz schon längst im Ziel angekommen, während ich wie immer als Schlusslicht in der Dunkelheit rumdümpelte.

Wie bei einem Fußballspiel, nur dass ich keine Spielerin wäre, sondern der Ball. Klingt komisch? Mag sein, aber gewisse Parallelen sind vorhanden: stets klebt man am Boden, eckt hier und da an. Schneller Richtungswechsel, der zur völligen Erschöpfung führt. Pendelei zwischen dem absoluten Aus, taktischen Fehlern und unvorhergesehenen Abläufen. Ab und an gibt es mal ein ‚Hoch‘. Ein fast lautloses Schweben über den Köpfen anderer. Mit Zuversicht, mit einem oder kleineren Zielen vor Augen- bis du merkst, wie der Abgrund erneut im rasendem Tempo auf dich zukommt und der harte zerstörische Aufprall nicht lange auf sich warten lassen wird.

Körper und Geist erschöpft, ich schleppte mich von dem einen Arbeitstag zum anderen, die Knie wurden mit jedem Schritt wackliger und ich gefühlt schwächer. Ist euch auch manchmal nach einer richtigen Auszeit zumute? Ich rede an dieser Stelle nicht davon mal an einem Wochenende daheim zu bleiben und absolut nichts zu machen. Nein, eher in dem Sinne, sich für einige Wochen auszuklinken. Sich zu einem abgeschotteten Platz mitten in die Natur zu begeben? Alles an Technik wegschließen, sich auf sich selbst konzentrieren. Lernen, kontrolliert, aber ungezwungen ein- und auszuatmen. Sich finden. Wieder wissen wer man ist. All den Hass und die menschlichen Abgründe in der Welt für diesen Zeitraum ausblenden. Das Gefühl haben, ganz von vorne anfangen zu können. Alte Fehler, die noch immer im Inneren kreisen, abhaken. Wachsen. Das kaputte Puzzle zusammenfügen und abhanden gekommene Teile suchen. Einmal den Marathonlauf gewinnen.

In diesem Moment macht sich der müde Körper und Geist bemerkbar. Ich war seit drei Tagen nicht vor der Tür, quälte mich mühsam am Nachmittag aus dem Bett und schaffte es immerhin rüber zu der Couch. Die Augenlider geben mir zu verstehen, wie gerne sie sich in jeder Sekunde schließen wollen würden. Auch das für viele Wochen. Um irgendwie an neue Energie zu gelangen, ausgeruht zu sein.

Die Motivation ist weg und hinterließ nur einen Zettel an der Tür: Hole nur kurz Zigaretten. Bin gleich wieder da!

‚Gleich‘ scheint ein weit auszudehnender Begriff zu sein.

Wie auch immer: ich hoffe, dass es euch da draussen gerade viel besser geht. Dass ihr euch mit Freunden trefft, mit der Familie schöne Stunden verbringt, an Zielen arbeitet oder euch einfach genüsslich zurücklehnt!

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