Spanish Love Songs- Brave Faces Everyone

Band: Spanish Love Songs
Aus: L.A.
Album: BRAVE FACES EVERYONE
Produziert: von McAulay bei Howard Benson’s West Valley Recording
Veröffentlichung: 7. Februar 2020
Via: Pure Noise Records // Uncle M
Anspieltipps: Fangt bei Routine Pain an & hört bei Brave Faces, Everyone auf. Easy.
Bestellen: Flight13 I FinestVinyl

Ich würde ja mal behaupten, dass die Meldung einschlug wie eine Bombe und nach der mehr oder weniger unerwarteten Neuigkeit eines neuen Albums von unserer aller Lieblingsband Spanish Love Songs ein gewaltiger Jubel im Internet ausbrach und direkt sämtliche Shops leerbestellt wurden, um eine limitierte Vinylausgabe abzugreifen- und ich reihte mich munter ein. Da war keinerlei Gedanke daran, eventuell erstmal die Veröffentlichung abzuwarten und nicht die sprichwörtliche Katze im Sack zu kaufen, um dann enttäuscht festzustellen, dass das Album gar nichts taugt…

…haha, der war gut, ne? Denn ich habe tatsächlich das Gefühl, dass uns diese Band nicht enttäuschen kann und ich würde dafür jeder Zeit meine Hand ins Feuer legen. Ach, was rede ich- ihr könntet mich direkt komplett in die Flammen schubsen! Irgendwie witzig, dass ich sowas schreibe, hatte ich mit SLS doch eher einen holprigen Start: die liebe Jess beschäftigte sich damals mit Schmaltz und meinte, dass das etwas für mich sein könnte, aber stur und bereits mehr als gesättigt von Musik habe ich stets abgewiegelt und es auf die ‚irgendwann beschäftige ich mich damit‘ Liste geschrieben. Tja, viel später endlich nachgeholt und unsterblich verliebt! Schmaltz habe ich bis heute unzählige Male gehört- ob beim Sport, zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, oderoderoder. Verrückt ist tatsächlich, dass es -zumindest bei mir- noch nicht zu den Ohren rauskommt, ganz im Gegenteil. All die kleinen und großen Hymnen werden aufgesaugt  und machen so unfassbar Lust auf mehr, viel viel mehr! Euch geht es auch so? Tja, dann freut euch bitte auf Brave Faces Everyone, denn wer vielleicht dachte, dass Schmaltz nicht mehr getoppt werden kann: doch, das ist definitiv möglich!

On any given day I’m a 6/10. Bed to desk to bar – eyes on the floor. Still apologizing for the way I’ve been. Each breath more full of shit than the one before. I know the negative consumes me. (Routine Pain)

Foto: Katie Neuhof

Die ersten Zeilen vom Opener landen direkt und unvermittelt einen schmerzlichen Treffer in die Bauchgegend. Dylan hat dieses Talent wie der sympathische Typ vom Haus nebenan- Probleme, alles was an den dünnen Nerven zerrt und einen ab und an verzweifeln und aus den Latschen kippen lässt, so in Worte zu packen, dass er dir damit aus der Seele spricht. Als ob man in einer warmen Sommernacht gemeinsam bei mehreren Bieren zusammen auf abgeranzten Stühlen im Garten sitzt, melancholisch auf das lodernde Feuer starrt und über Ängste, Sorgen und Selbstzweifel spricht. Da, wo man selber nicht die richtigen Worte findet, um Schmerz und die innere negative Tretmühle zu beschreiben, kommt Dylan und bringt es in nur wenigen aber so wichtigen Zeilen auf den Punkt. Aber irgendwie immer gepaart mit einer gewissen Hoffnung in der Stimme. ‚Läuft gerade scheiße, aber bisher konnte das Ruder immer wieder rumgerissen werden.‘ So ungefähr.

I feel like burning down my life again. Watch the fire spread over my skin. Until I’m nothing left but skeleton. (Brave Faces, Everyone)

Beschwingter melodischer EmoPunkrock, der manchmal etwas sanfter und im nächsten Moment scharfkantig um die Ecke kommt. Stets leicht abgewandelt, alles andere als langweilig und weit entfernt vom schnöden Einheitsbrei, der uns tagtäglich umspült. Dazu diese teils schwankende/kippelnde ausdrucksstarke Stimme, die auch gerne mal zeigt, dass ebenfalls eine zerbrechlich angehauchte Seite in ihr steckt. Dylan bekommt dich genau damit: Lyrics, die einen aufgewühlt am Boden zurück lassen. Lyrics, die er dir mal brüllend und mal zurückhaltend um die Ohren schleudert, aber stets mit einer erfrischenden Offenheit, die dich bis ins Mark trifft und sich somit im gesamten Körper bemerkbar macht. Es knackt im Herzen und während ich mich von Song zu Song vorarbeite, umso mehr habe ich das Gefühl, dass es mit jeder Minute mehr auseinanderbricht, aber gleichzeitig jemand aus der Band bereit steht, um mit verwetterten Brettern, Hammer und Nägel all die Risse am Pumpwerk zu flicken und das mit Bravour.

It’s like I’m falling deeper and deeper. Thinking someday I’ll just need a miracle, but I need about 30 goddamn miracles. (Self-Destruction (as a sensible career choice))

Es scheint, als wäre diese Veröffentlichung eine Art Therapie für Slocum, der sich scheinbar vieles von der geschundenen Seele geschrieben und gesungen hat und somit garantiert viele ansprechen wird! Denn wer von uns ist nicht schon durch depressive Phasen, Ausweglosigkeit, Selbstzweifel, Verluste, geplatzte Träume oder Sucht gegangen? Wer von uns schlägt bitte nicht die Hände über den Kopf zusammen, wenn es um das Thema Klimawandel geht, weil es schlicht und einfach nicht mehr von der Hand zu weisen ist (Okay, LeugnerInnen gibt es da draussen leider noch immer viel zu viele)? Wenn man auf all die besorgniserregenden Nachrichten blickt und vor Fassungslosigkeit nur noch sprachlos vor dem Fernseher/Radio/Internet/Zeitung sitzt. All das und noch viel mehr gebündelt in 10 starken Songs- kein Schönreden der Dinge, die uns im Alltag verfolgen und hier und da ihre Spuren hinterlassen- für Tage, für Wochen, für Jahre, für immer. Ein ehrlicher Gehirnfick, den man erstmal verdauen muss.

Still depressed. Still living for the weekend. Still terrified to die at your age. No cancer. No crash. It better all go as planned. (Losers 2)

Aber dennoch ist es kein ‚Alles mies, erstmal den Kopf in den Sand stecken!‘ Ding. Nein, es treibt einen auf gewisse Art und Weise an- durch den scheppernden Sound, der dir den passenden Arschtritt gibt und dich somit ein ganzes Stück nach vorne bringt und einen größeren und dringenden Abstand zu all den Dingen gibt, die dich von Innen langsam aber sicher auffressen.

We’re losers forever. (Losers)

Schön ist einfach an diesem Album, dass wir merken, dass wir nicht alleine sind. Dass es dort draussen Leute gibt, die sich den Kopf zerbrechen, jeden Tag kämpfen, auf die Fresse fallen, aber am Ende irgendwie doch noch das rettende Ufer erreichen. Und wie schön es sein wird, wenn wir alle gemeinsam vor der Bühne stehen und zusammen mit dieser Truppe all diese kleinen und großen Hits brüllen werden- mit dem breitesten Grinsen im Gesicht und umgeben von einer angenehmen FUCK IT Attitüde.

Spanish Love Songs. Eine Band, die glücklich macht. Zumindest kann ich da gerade nur für mich sprechen, also bitte mal fix die Hand hoch, wem es auch so ergeht! Ich kann es kaum beschreiben, aber sobald eines der Alben läuft, macht sich ein wohlig warmes Gefühl in der Brustgegend breit. Eine Mischung aus I FEEL YOU und einem inneren atemberaubenden Feuerwerk, welches die grellsten und vielfältigsten Lichter hervorbringt. Suchtgefahr.

Spanish Love Songs. Eine Band, die ich mit jedem Atemzug mehr liebe und ich wusste noch nicht mal, dass das überhaupt möglich ist! Vielen Dank an Dylan Slocum, Kyle McAulay (Gitarrist), Trevor Dietrich (Bassist), Ruben Duarte (Schlagzeuger) und Meredith Van Woert (Keyboarderin) für ein weiteres Meisterwerk, welches keinerlei Wünsche offen lässt und selbst nervige Lückenfüller sucht man vergebens- da stimmt einfach alles. Eine Platte für die Ewigkeit. Punkt!

We were never broken –Life’s just very long. (Brave Faces, Everyone)

++++Tour++++

25.01. Hamburg, Grünspan*
26.01. Berlin, Bi Nuu*
28.01.Wien, WUK*
29.01. Zürich, Dynamo*
30.01. Stuttgart, Universum*
31.01. München, Technikum*
01.02. Köln, Kantine*

*mit The Menzingers & Mannequin Pussy