Marcel Gein – Good Morning Erlenbach

Foto: Sven Hoppmann

Konfetti in die Luft geworfen, denn es gibt etwas zu feiern: der wunderbare Marcel Gein, der auch ab und an unter den Namen Perry O’Parson unterwegs ist, bringt bereits diesen Freitag sein Album namens Good Morning Erlenbach via Tapete Records raus! Ach, wisst ihr was? Packt noch Luftschlangen, Knallerbsen und Luftballons aus, denn das wird FETT (wie die Jugend bestimmt heute noch sagt, oder?!)!

Ganze 5 Jahre mussten wir sehnsüchtig auf einen Nachfolger zur Platte Passanten warten, aber ich würde an dieser Stelle behaupten, dass sich das hibbelige entgegenfiebern definitiv gelohnt hat.

Da ich tatsächlich eher zu 97% englischsprachige Bands/MusikerInnen höre, die teilweise mit mehr Wumms um die Ecke kommen und den Hang haben mich anzuschreien, fiel es mir am Anfang etwas schwerer, mich zur Abwechslung auf runtergefahrene und leichtere Klänge einzulassen. Aber was soll ich sagen? Marcel weiß einfach immer zu begeistern. Wie macht er das nur?

Ich weiß noch wie er mir die Songs rüberschickte und direkt meinte: ‚…klingt anders als die Sachen die ich vorher machte- nicht erschrecken.‘ Passanten war ein typisches Singer/Songwriter Album, so schön mit Gitarre und angenehmer Zurückhaltung, dennoch berührend und eigensinnig. Good Morning Erlenbach ist somit alles andere als der langweilige nerdige kleine Bruder, der stets im Schatten des großen Bruders steht und kaum Beachtung findet. Ganz im Gegenteil: direkt beim Opener Chance, bei dem auch Andreas Dorau sehr gut rauszuhören ist, ging mir als erstes durch den Kopf: ‚Huch, das hört sich aber sehr stark nach Jule von How I Left und Helmet Lampshade an!‘ Da kannte ich noch nicht mal den Promotext und wer da alles mitarbeitete, lag damit aber direkt goldrichtig. Somit war es ein mehr als positives Erschrecken.

Wer jetzt fragt: Moment, wer ist Jule? Und warum hattest du den direkt im Kopf? Nun, ganz einfach: Good Morning Erlenbach ist eine Platte, die ganz weit weg von der Singer/Songwriter-Einöde ist, wie sie uns manchmal um die Füße gespült wird. Es ist diese gewisse Verspieltheit, das Einsetzen verschiedener Instrumente und diversem Hintergrundgewerkel, bei den Songs ist so viel los, aber ohne, dass es direkt Überladen wirkt. Es schwingt eine Leichtigkeit mit, überall entdeckt man neue Dinge in der Geräuschkulisse, die einen davor noch gar nicht aufgefallen sind. Alles passt so unfassbar gut zusammen, es fließt regelrecht. Das Album macht einfach nur Spaß und ich erwischte mich schon häufiger dabei, wie ich nach dem letzten Song direkt wieder auf Play drückte.

Good Morning Erlenbach (wie oft ich diesen Titel in diesem Artikel wohl noch unterbringen kann…) ist wie ein 2000-Teile Puzzle: ein Motiv, welches man in- und auswendig kennt, dabei etwas abgenutzt daherkommt, weil es ständig in Benutzung ist. Jedes Puzzleteil greift nahtlos ineinander und man erfreut sich daran, wenn es langsam aber sicher zum Ganzen wird und seine ganze Schönheit entfaltet. Wenn die Sucht beginnt und du nach dem letzten fehlenden Teil nicht anders kannst und nochmal von vorne beginnst. Weil es dich berühigt und gleichzeitig in Euphorie abdriften lässt. Weil es das Herz in Aufruhr versetzt und deine geballte Konzentration in all das legen kannst, was vor dir liegt.

Good Morning Erlenbach (zählt noch jemand mit?) zieht einen ein wenig aus diesem Corona-Sumpf: durch die erzählten Geschichten, die auch gut und gerne eigene Interpretationen zulassen, verlässt man automatisch diesen wolkenverhangenen Kopf und versucht zu enträtseln, welche Schlagzeile aus den (Lokal-) Nachrichten so sehr Eindruck bei Marcel hinterließen, dass er sie kurzer Hand in ein mächtiges und eindrucksvolles Songgewand hüllte. Empathie und Fantasie sind für diesen Mann definitiv keine Fremdworte.

Good Morning Erlenbach (ja, ich weiß…) – erfrischend anders und ein großer Sprung nach vorne. Vielleicht wird es bei manchen Menschen zuerst ein wenig anecken oder gar unbequem sein, aber lasst es nach dem allerersten Durchlauf bitte nicht gleich komplett links liegen: Diese Platte braucht viel Zuwendung. Am Anfang holpert man noch ein wenig umher, versucht den neuen Sound einzuordnen. Aber je mehr man sich diesen Songs zuwendet, umso mehr schimmert all der Glanz hervor und schnell kristallisieren sich die Favoriten heraus- Spoiler: das sind ziemlich viele, lasst euch das gesagt sein!

Good Morning Erlenbach (…ich höre ja schon auf) ist bodenständig, ehrlich und auf einer gewissen Art und Weise mitreißend und gefühlt 3x um die Ecke gedacht. Die wunderbare Zusammenarbeit und die starke Verbundenheit zwischen Marcel und Jule ist in jeder einzelnen Minute zu spüren, Topf und Deckel, ihr wisst schon. Andreas Dorau bereichert Chance, meine heimliche Nummer 1 und auch Rocky Votolato hat mitgemischt. Wo? Das verrät euch an dieser Stelle Herr Gein in dem folgenden Interview!

Ich habe tatsächlich so gar nichts an diesem Album auszusetzen und freue mich bereits auf meine Lieferung. Internetherz! Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr denn auch schon eine Vorbestellung getätigt? Nein?! Dann wird es aber allerhöchste Zeit: Shop.

Vielen Dank an Marcel für dieses großartige Album und für die Beantwortung diverser Fragen! Und ab:

Mitten in der Pandemie bringst du ein neues Album raus: inwiefern gab es zum Veröffentlichungsdatum Überlegungen? Warum hast du dich am Ende für 2020 entschieden? Was sprach dafür, was zuerst dagegen?

Ich hatte mir dazu tatsächlich nicht all zu große Gedanken gemacht. Eigentlich war ich richtig froh darüber dass ich endlich mein zweites Album fertig aufgenommen habe, dass ich es einfach nur veröffentlichen wollte. Es ist zwar schade dass ich vermutlich nicht wirklich dazu touren kann, aber auf der anderen Seite habe ich in den letzten Jahren schon so viele Konzerte gespielt, dass mir eine kleine Pause auch mal gut tut. Dennoch hoffe ich natürlich, dass es bald wieder weitergeht.

Wie ist es für dich, dass du das Album zumindest nicht zeitnah durch Konzerte vorstellen kannst? Hast du irgendetwas spezielles zur Veröffentlichung geplant?

Ich habe eine kleine Tour für März geplant, allerdings habe ich die Termine bislang noch nicht veröffentlicht, weil ich erst mal warten wollte welche Tendenz sich abzeichnet. Früher oder später werde ich bestimmt mal ein paar Auftritte zum neuen Album spielen können – das möchte ich dann gerne mit Jule Bätz / Helmet Lampshade machen – im Duo. Mit ihm habe ich das Album zusammen aufgenommen und wir sind gut eingespielt. Generell. Allerdings habe ich noch keinen Schimmer wie ich die Lieder vom neuen Album Solo spielen soll – da muss ich auf jeden Fall noch mal ordentlich Zeit investieren. Aber das zeigt auf der anderen Seite auch, dass mich Live-Termine in den letzten Monaten nicht wirklich beschäftigt haben bzw. dass ich mir bislang noch nicht vorstellen konnte ein reguläres Konzert zu geben. Es ist eine sehr seltsame Zeit.

Wie viel Marcel steckt in den Texten?

Marcel Gein steckt auf jeden Fall in jedem Song drin auch wenn es nur selten autobiografische Themen sind. Aber die Art und Weise wie ich die Texte für das neue Album geschrieben habe entspricht auch meiner Art wie ich im Alltag mit Freunden rede. Es steckt häufig ein kleines Augenzwinkern zwischen den Zeilen oder das Lied erzählt eine Geschichte über absurde Themen, die mich persönlich interessieren, sonst aber vermutlich nur wenige jucken. Zum Beispiel habe ich eine Familie aus Kanada entdeckt die viele Jahre lang so gelebt hat, als wäre es 1986 – das fand ich gut und habe eine Lied aus der Ich-Perspektive gemacht. Das Stück „Vectra“, wie ich es zu Ehren meines ersten Autos getauft habe, trägt auch meiner Meinung nach die beste Textzeile in sich:

Und zur Rechten sieht man Altpapier
Das wird recycelt und danach zu Karton
Früher stand hier mal ein Aquädukt
Es musste weichen!

Erzähl uns doch etwas über das Cover und über Druckwelle Design! Hattest du Vorstellungen von der Gestaltung oder wie bist du bei dieser Platte rangegangen?

Ich bin großer Fan von den Klamotten bzw. den Designs von WIR SIND DIE TOTEN. Da hat Druckwelle-Benny schon ein paar Sachen für gemacht und das fand ich immer wahnsinnig gut. Dann habe ich mir über einen Freund von mir seine Emailadresse besorgt und ihn einfach gefragt. Er war sofort super nett und wir haben uns gut verstanden. Er hat zu jedem Lied eine Illustration angefertigt die nun als Ganzes auf dem Frontcover zu sehen sind. Ich bin extrem Glücklich über mein Cover und habe schon viel Lob dafür bekommen, dass ich natürlich auch an Benny weitergegeben habe. Super Typ!

Anordnung der Songs: Worauf hast du geachtet? Was hast du dabei im Kopf?

Ich habe bei meinem Album in zwei Seiten gedacht. Eine A- und eine B-Seite. Entsprechend gibt es zwei Anfänge und zwei Enden, das ging wunderbar auf. Die „poppigen“ Nummern wollte ich an Anfang haben und die traurigen Zwischendrin bzw. am Ende. Irgendwie war das recht einfach. Insgesamt hatte ich knapp 30 Lieder aufgenommen – 12 haben es dann auf das Album geschafft.

‚Good Morning Erlenbach‘- warum wurde es gerade dieser Albumtitel?

Ich hatte richtige Probleme einen Albumtitel zu finden. Also ich finde ich hatte ausgezeichnete Ideen – aber so richtig zur Musik hat es leider nicht gepasst. Hier mal meine engere Auswahl (wenn ich das so lese ist wirklich gutes Zeug dabei):

Europa 2
Live at Wembley
Chinesische Demokratie
Das Geheimnis meines Erfolges
Minnesang 1155-1157

Mein Arbeitskollege Carsten – Sänger und Gitarrenspieler von ehemals Superpunk und Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – kam auf die Idee. Nenn es doch „Good Morning (wo kommst du eigentlich noch mal her??)“. Das hat mir gefallen weil ich mein Album bei meinen Eltern in Erlenbach aufgenommen habe. Außerdem erinnert es mich an die Textzeile „Good Morning America how are you“ – das finde ich lustig…der Vergleich.

Aufgewachsen in Erlenbach: wenn du in diesem Moment an deine Zeit dort denkst- welche Erinnerungen kommen dir direkt in den Kopf?

Zuerst denke ich an meine Familie – wir haben ein sehr gutes Verhältnis und eine große Verwandtschaft die ich auch alle sehr gerne sehe. Dann denke ich an den Wald hinter dem Haus meiner Eltern und die liebe Nachbarschaft.

Dieses Album klingt definitiv verspielter als der Vorgänger, überall gibt es bei jedem Hördurchgang etwas Neues zu entdecken: wie kam dieser ‚Wandel‘ zustande? War es dir im Vorneherein klar, dass du dich dieses Mal noch viel weiter aus dem Fenster lehnen möchtest und welche Rolle spielt dabei Jule?

Ich hatte ca. 15 weitere Stücke die ich in den ersten beiden Jahren nach dem ersten deutschsprachigen Album aufgenommen habe. Die hätten problemlos an „Passanten“ anschließen können aber irgendwie fand ich das etwas öde. Ich hatte das Gefühl dass es sowas schon 1000x gibt und irgendwie möchte ich gerne etwas anderes probieren, was verspielter ist und teilweise auch einfach etwas positiver. Mein Musikgeschmack hat sich gerade in den letzten 5 Jahren sehr verändert bzw. erweitert und durch meinen Job kriege ich sehr, sehr viel Musik zu hören. Für mich stand schnell fest dass ich lieber kein deutschsprachiges Album mehr veröffentlichen möchte als ein weiteres „klassisches“ Singer-Songwriter Album.

Jule spielt eine sehr sehr große bzw. die größte Rolle bei dem Album. Er ist mein musikalischer Vertrauter – wir sind komplett ehrlich zueinander wenn es um Musik geht. Und wenn er sagt etwas gefällt ihm nicht so richtig, das nehme ich mir zu Herzen und lasse es zu 99% auch sein. Außerdem ist er neben seiner Beraterrolle ein super sicker Keyboardspieler und Drum-Programmierer – das hat er alles bei meinem Album gemacht und noch viel mehr. Ihm verdanke ich die „Flippigkeit“ des Albums die ich so sehr mag. Ich hab ein bisschen von Helmet Lampshade (so nennt er sich auf der Bühne) auf mein Album bekommen, was es für mich so frisch und anders klingen lässt.

Inwiefern denkst du bei den Aufnahmen darüber nach, wie es deinen Fans gefallen wird? Wie gehst du mit Kritik um?

Ich freue mich immer wahnsinnig wenn ich nette Worte abbekomme und Leute meine Platten kaufen oder vorbestellen – das ist mir eine unglaublich große Ehre und Freude! Bei den Aufnahmen habe ich allerdings nicht darüber nachgedacht ob es jmd. Gefallen wird oder nicht – so dämlich das vielleicht klingen mag – mir macht es sehr viel Spaß so Musik aufzunehmen und es gefällt mir persönlich so gut, dass man das vermutlich in dem neuen Video sehen kann oder es auch einfach hört. Negative Kritik kriege ich relativ wenig ab – ich denke dazu bin ich noch zu „klein“ – alles was online passiert schaue ich mir recht wenig an (Youtube, Beiträge auf anderen Facebookseiten). Blogs lese ich gerne mal und auch Kritiken in Zeitungen oder auf Websites. Auf meinen social media-Seiten läuft alles ganz gepflegt – schließlich haben die Leute sich ja selbst dazu entschlossen die Seiten zu „liken“.

Facebook I Instagram

Auf was können sich die HörerInnen freuen? Hier kannst du nun mal ordentlich die Werbetrommel rühren!

Auf ein buntes musikalisches Stelldichein, welches von Andreas Dorau bis Rocky Votolato reicht. Dazu seltsame Geschichten die trotz ihrer skurrilen Natur etwas allgemeingültiges in sich tragen. Obendrauf gibt‘s noch ein sehr schönes Cover und einen süßen Sängerboy.

Der Promotext sagt, dass auch Rocky Votolato mit von der Partie ist: Wie kam es dazu?

Ich wollte ihn unbedingt dabei haben – ich war mir nur nicht sicher wie ich ihn unterbringen kann, da er ja kein deutsch spricht. Also habe ich mir ein paar Ahhh und Uhhhs für ihn überlegt und so kam es, dass er doch noch ein Platz bekommen hat. Ganz am Ende – er hat quasi das letzte Wort auf der Platte.

Songs

Chance

Wie kam die Zusammenarbeit mit Andreas Dorau zustande & warum verlieh er gerade diesem Song eine weitere Stimme?

Andreas habe ich durch meine Arbeit kennengelernt und mit der Zeit haben wir uns angefreundet. Ich habe einmal für ihn eine E-Gitarre für sein Album eingespielt und war als Gitarrenspieler ein paar Tage mit ihm auf Tour. Er interessierte sich für mein neues Album „zeig mal, zeig mal!!“ – er war so freundlich es anzuhören und hatte gleich ein paar Ideen zu den Stücken. Es gibt noch zwei weitere „Hits“ die es leider nicht auf‘s Album geschafft haben – da steckt auch einiges an Andreas Dorau drin – vielleicht hau ich das irgendwann mal raus.

Was schätzt du an Andreas?

Sein musikalisches Wissen, seine Vielseitigkeit und seinen Humor. Er hat schon sehr viele sehr gute Stücke veröffentlicht.

Chance ist für mich tatsächlich der kleine geheime Hit auf dem Album. Wo würdest du diesen Song einordnen, wenn du eine persönliche Rangliste vom Album erstellen müsstest? Wo wäre er zu finden und warum?

Für mich ist er das tatsächlich auch. Ich würde ihn in die TOP 3 packen – wo genau ist allerdings immer etwas von der Tagesform abhängig. Es war eigentlich gleich zu Beginn klar, dass Chance meine erste Single wird. Durch den Mix von Olaf Opal wurde Chico allerdings enorm poliert und so wurde letztlich dann doch Chico der Song, zu dem ich ein Video gemacht habe.

‚Ich bin eigentlich nur viel zu viel zu lange unterwegs‘: Wenn dir mal alles zu viel werden sollte- wie kannst du am besten abschalten?

Harald Schmidt Show.

Chico

‚Wer bist du?‘: Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Gäste im Büro sagen häufig „der Nette“ zu mir, wenn sie im Nachgang über mich reden, meinen Namen aber nicht mehr wissen. Ich glaube ich bin nett und höflich und außerdem gesellig. Auf der contra-Seite würde ich sagen, dass ich ab und an provokativ bin.

‚Er kommt mit Hund und ist gut drauf…‘: Es gibt ja oft diese extreme Spaltung- entweder mag man Katzen und keine Hunde oder umgekehrt. Wo ordnest du dich dabei ein? Katzenfan oder Hundefreund? Wer hat bei dir die Schnauze (hihi) vorne und warum?

Bei mir ist es die Katze. Ich hatte schon immer eine Katze, allerdings seit ich 15 bin auch eine Katzenallergie :(

Lilly, die Katze meiner Eltern ist letztes Jahr im Dezember verschwunden und kam erst vier Monate später wieder zurück. Ihr hatte ich daraufhin auch ein Lied geschrieben „Comeback des Jahres“.

‚Hier kommt Chico, der gern lügt und auch schlägt. Das ist, was man sich erzählt.‘: Welches Gerücht wurde mal über dich in die Welt gesetzt?

Bislang noch keins glaube ich.

Northgate Petro

‚Das feiern wir‘: Zugegeben, in diesem Jahr gab es weniger zu feiern als sonst. Aber was hat dich zuletzt zu Luftsprüngen verleitet?

Rocky Votolato, der über die Jahre ein sehr guter Freund von mir geworden ist, hatte mir vor ein paar Wochen geschrieben dass er ein Lied von mir gecovert hat und das gerne auf sein Album packen mag – ob es denn ok für mich ist. Da bin ich in die Luft und hatte auch Pippi in den Augen!!

Tippgemeinschaft

‚Es regiert das Geld, ihr seid alle dran!‘: Es heißt ja immer so schön, dass Geld allein auch nicht glücklich macht. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Das stimmt – um ein Lied von Rocky zu zitieren, da wir es gerade von ihm hatten: „It‘s never gonna be enough“ – so singt er bei The Light And The Sound und ich denke das stimmt. Man lernt neue Leute kennen die auch so viel Kohle haben oder vielleicht sogar mehr. Ich hatte es am Wochenende mit Freunden darüber – im Idealfall gewinnt man 1.000.000€, sodass man sein Haus oder seine Wohnung abbezahlen bzw. kaufen kann, aber weiterhin arbeiten muss. Dann hat man seinen geregelten Tagesablauf und weiß weiterhin den Wert des Geldes zu schätzen.

Wenn du in Geld schwimmen würdest, für welche drei Dinge würdest du zuallererst dein Geld ausgeben und warum gerade dafür?

Kleines Haus → keine Miete mehr bezahlen und im Keller ein Studio einrichten
Familie & Freunden Geld geben → da freuen die sich bestimmt
Ex-Vermieter verklagen → Immobilienhai

Wie stehst du denn persönlich zu Tippgemeinschaften? Ist/wäre das auch was für dich oder bist du da generell raus?

Da bin ich raus – ich glaube das ist zum Scheitern verurteilt. Glücksspiel an sich reizt mich allerdings schon ein bisschen.

Bulletball

‚Alles was ich jetzt noch habe liegt auf der Rückbank meines Wagens‘: Dein wertvollster Besitz?

Im materiellen Sinne würde ich sagen meine Guild Akustikgitarre, die habe ich mir nach der Schule gekauft nachdem ich ein halbes Jahr LKWs zusammengeschraubt habe als Ferienjob.

‚Alles was ich jetzt noch habe ist der Traum in meinem Kopf‘: Welchen Traum möchtest du dir unbedingt noch erfüllen?

Ich mag tatsächlich gerne mal ein kleines Häuschen haben. Das wäre schön.

MK II

‚Mich anzurufen, wenn es um Liebe geht obwohl du mich has(s)t…‘: Erzähl uns etwas über die unauffällig auffällig gesetzte Klammer!

Das hat gar nicht so viel Bedeutung – ich konnte mich nur selbst nicht entscheiden, daher habe ich es offen gelassen. Passt beides und manchmal liegt beides auch sehr nah beinander.

‚…kann ich nicht verstehen.‘: Für welche Dinge hast du nur noch ein unbegreifliches Kopfschütteln parat?

Diese Querdenker-Demos machen mich schon sehr fassungslos. Ich kann es schwer nachvollziehen – ich denke die Personen leben in einer völlig anderen Welt.

Vectra

‚Zu müde und schlecht gelaunt.‘: Mit was kann man dich aufheitern?

Film schauen, Pizza bestellen & Cola trinken.

‚Ich habe nächtelang den Plan studiert, hab das Geld gewechselt & gezählt‘: Wenn du es dir aussuchen könntest: in welches Land würdest du gerne auswandern wollen und warum wäre gerade das dein angestrebtes Ziel?

Ich finde die Schweiz wunderschön. Allerdings entspricht dieses Land nicht ganz meiner Preisklasse. Aber schöne Seen haben die da – nah an Italien dran und auch nah an Süddeutschland.

Kinder außer Kontrolle

Welche Kinder hören wir denn da bei diesem Song und wie entstand die Idee dafür, diese mit in den Song einzubeziehen? Und wie hoch war bei der Aufnahme der Spaßfaktor?

Jule & Marcel.

Die Geschichte handelt von zwei kleinen Kindern aus Franken die eine Ortschaft verwüstet haben – aber volles Programm. Den Titel fand ich gut, weil mich dass so an eine RTL-Headline erinnert hat. Die Kids die da singen, sind die Kinder von Jule & Lisa – er hat mich damit überrascht und hat es heimlich mit ihnen einstudiert. Bruno und Armin haben das toll gemacht! In der Bridge hört man Bruno wie er das erste mal etwas liest. Wunderbar! Dann hat das inhaltlich auch noch so toll gepasst. Jules Kinder sind aber zum Glück etwas netter als die Franken-Punks.

‚Uns kann niemand was verbieten! Uns braucht niemand zu verzeihen!‘: Erzähl uns doch mal etwas aus deiner Kindheit! Bei welchen Streichen/Dummheiten wurdest du mal erwischt, wann gab es richtig ärger und bei welchen kam man dir nie auf die Schliche?

Ich hab bei meiner Tante und bei meinem Onkel an einem Geburtstag Fussball im Hof gespielt. Dann habe ich einen Gartenzwerg mit dem Ball die Rübe weggeschossen und den Kopf danach einfach wieder drauf gesetzt. Das kam relativ schnell heraus und gab ein kleines bisschen Ärger. Von meinen Eltern. Ansonsten war ich glaube ich recht brav. Wobei – das erste mal Rausch hatte auch Konsequenzen gehabt – Ich musste mich in der Nacht übergeben und am nächsten Tag neu tapezieren. Ich denke ihr könnt euch vorstellen was passiert ist. Da gab‘s auch Ärger.

Hurra Hurra Gemeinschaft

Was ist für dich Gemeinschaft? Was bedeutet dir diese?

Bei dem Lied hatte es eher einen freundschaftlichen Bezug. Ich mag die kleine Gemeinschaft, sofern sie nicht geschlossen ist.

‚Jetzt würde ich gerne rauchen, wenn ich noch rauchen würde‘: Welches Laster hast du zuletzt abgelegt und welches würdest du noch gerne hinter dir lassen wollen? Mit welchem Laster kannst du gut leben?

Die Raucherei habe ich leider noch immer als Laster. Ich hatte es extra in ein Lied eingebaut (in eben dieses), damit ich manifestiert habe, dass ich nicht mehr rauche. Hab aber dennoch wieder damit begonnen. Mit allen anderen kleinen Annehmlichkeiten kann ich gut leben.

Dunkel

‚Es ist dunkel in meiner Seele, es ist so düster in mir‘: Zweifel, gedrückte Stimmung, Dunkelheit: Wie gehst du damit um? Und wie versuchst du anderen zu ‚helfen‘, die kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehen können?

In dem ich mir Zeit nehme, zuhöre und ab und an mal einen kleinen Gag einstreue. Wenn über mir mal dunkle Wolken hängen, hilft eigentlich immer ein Gespräch mit meiner lieben Freundin oder meiner Mutter. Wenn dann noch eine Folge Harald Schmidt folgt, bin ich meistens wieder besser drauf.

Versetzung

‚Der Zug war viel zu voll, auf den Sitzen lagen Taschen‘: Du bist viel mit dem Zug unterwegs- was magst du an den Fahrten und was geht dir dabei manchmal so richtig auf die Nerven?

Lustigerweise sitze ich gerade jetzt in diesem Moment in einem Zug. Ich liebe Zugfahren – die Fahrt in den Süden dauert meist 5-6 Stunden und dann habe ich meistens gut viel Zeit für die Dinge, die ich in meinem Alltag nicht so recht unterbringe. Am Anfang des Jahres mache ich meistens meine Steuer bzw. sortiere Belege, ich bastle im Zug an Fotobüchern, schau Dokus oder höre Podcasts. Ich kann wirklich sehr gut entspannen. Was mich eine Zeit genervt hat, waren die überfüllten Züge und die ganzen lauten Menschen – mittlerweile weiß ich allerdings wann man entspannt fahren kann und wann wenig los ist.

‚Ich spreche ungern vor Menschen, obwohl ich wünschte, dass ich’s könnte‘: Wo siehst du deine ‚Schwächen‘ und was würdest du gerne (besser) können?

Ich wäre gerne etwas konsequenter. Seit Jahren versuche ich Sport zu machen und krieg es irgendwie nicht dauerhaft hin. Außerdem fällt es mir noch immer schwer „Nein“ zu sagen – aber immerhin bin ich was das angeht etwas besser geworden.

‚Alles klar ich bin Geschichte‘: Ja, ich weiß- komplett aus dem Kontext gerissen, aber welche 5 Songs würdest du gerne auf deiner Beerdigung laufen lassen wollen und warum gerade diese?

Spontan würde mir ein Lied einfallen:

Andreas Dorau – Komm wieder

→ ich denke das wäre ein guter Lacher für die Trauergemeinde

Ich verkaufe alles

‚Ich verkaufe alles im nächsten Jahr‘: Viele Menschen wollen nur noch das minimalste an Besitztümern besitzen- weniger ist bekanntlich mehr. Was denkst du darüber? Stehst du eher in der ‚Konsumopfer‘ Ecke oder beschränkst du dich mehr auf das Wesentliche, auf dass, was du wirklich brauchst? Wie stehst du allgemein zur Wegwerfgesellschaft?

Ich habe tatsächlich nicht all zu viel und bin zwei mal nur mit meinem Auto umgezogen (eine Fahrt). Die Wohnung in der ich lebe ist nicht all zu groß, von daher kann ich mir auch nicht so viel zulegen. Eine Schwäche für alte Fender Röhrenverstärker habe ich jedoch – die stehen jedoch bei meinen Eltern. Ich würde schon sagen dass ich mich auf das Wesentliche beschränke und die meisten Dinge auch gebraucht kaufe.

‚An der Haltestelle gegenüber wird getrunken und geraucht, weil keiner allein sein kann.‘: Wie leicht oder schwer fällt es dir, gerade auch in dieser Zeit, allein oder eben nur mit wenigen Menschen zusammen zu sein?

Das ist nicht einfach und gerade die Anfangszeit von Corona, als die Ungewissheit wie das weitergeht und wohin das führen soll noch groß war, war sehr verrückt. Meine Freundin und ich hatten uns gleich zu Beginn von Corona eine Lock-Down-To-Do-Liste angelegt und haben versucht das beste daraus zu machen. Der eingeschränkte Kontakt macht einen wahnsinnig aber es bleibt aktuell leider nichts anderes übrig.

Was müssen Geschichten/Nachrichten, etc an sich haben, damit du sie zu einem Song verarbeitest? Wann bist du dir sicher, dass sowas mit auf dem Album landet? 

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten – etwas seltsames sollten die Geschichten in sich tragen, so ein bisschen off bzw. neben der Spur sein – das ist schon mal eine gute Sache. Allerdings gab es auch schon ein paar Songs, die super Geschichten hatten, musikalisch aber irgendwie nicht so recht gepasst haben und daher nicht auf das Album gekommen sind. Ich habe mal einen Diebstahl in einem Hotel am Titisee beobachtet – da habe ich auch ein Lied geschrieben „Diebstahl im Hotel“ – allerdings hat dem Instrumental-Teil irgendwas gefehlt, sodass es das Lied leider nicht auf das Album geschafft hat.

Wo liegt die Faszination für dich, solche Sachen zu einem Song zu verarbeiten?

Mir gefällt am besten, dass keiner so recht weiß was man damit anfangen soll. Bzw. teilweise. Ich versuche das immer so darzustellen als wäre mir das alles passiert und arbeite im nächsten Schritt dann daran, das alles etwas allgemeingültiger zu machen. Sprich man kann sich (evtl.?) seine eigene Geschichte dazu ausdenken ohne dass man auf die Idee käme, dass das Lied von einem MarsRover handelt…